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«Ich glaube, ich träume»Pogacar fängt Leader Roglic sensationell ab und holt Gesamtsieg

Unglaubliche Szenen bei der vorletzten Etappe an der Tour de France: Der Slowene Pogacar überholt Landsmann Roglic und steht vor dem Gesamtsieg.

Tadej Pogacar gelingt der Coup.
Tadej Pogacar gelingt der Coup.
Foto: Thibault Camus (Keystone/EPA)
Primoz Roglic verliert den sicher geglaubten Tour-Sieg.
Primoz Roglic verliert den sicher geglaubten Tour-Sieg.
Foto: Thibault Camus (Keystone/EPA)
Der Schweizer Marc Hirschi wird als angriffigster Fahrer mit dem Titel «Supercombatif» prämiert.
Der Schweizer Marc Hirschi wird als angriffigster Fahrer mit dem Titel «Supercombatif» prämiert.
Foto: Getty Images
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Der junge Slowene Tadej Pogacar hat völlig überraschend im Bergzeitfahren der 107. Tour de France seinen Landsmann Primoz Roglic noch an der Spitze der Gesamtwertung abgelöst und steht vor dem Gesamtsieg. Der 21-Jährige gewann am Samstag nach einer beeindruckenden Fahrt den Kampf gegen die Uhr über 36,2 Kilometer von Lure nach La Planche des Belles Filles und liess Roglic 1:56 Minuten hinter sich.

Pogacar geht nun mit einem Vorsprung von 59 Sekunden auf die letzte Etappe nach Paris, wo das Gelbe Trikot traditionsgemäss nicht mehr angegriffen wird. «Ich glaube, ich träume. Ich weiss nicht, wann ich das kapieren werde», sagte Pogacar, der nach seiner Triumphfahrt völlig platt, aber überglücklich war.

Damit wurden Erinnerungen an das spannende Tour-Finale 1989 wach, als Greg Lemond im abschliessenden Einzelzeitfahren noch Laurent Fignon abfing und mit acht Sekunden Vorsprung den Toursieg holte.

Roglic verlor die Nerven

Wer hätte das gedacht? Roglic war der grosse Favorit, hatte er in seiner Karriere doch schon vier Zeitfahren bei grossen Rundfahrten gewonnen. Doch der sonst so coole Ex-Skispringer verlor offenbar die Nerven. Kilometer für Kilometer büsste er Zeit ein, am Schlussanstieg ging dann nichts mehr. Im Ziel sackte Roglic zu Boden, sein grosser Traum war geplatzt.

Pogacar benötigte für die 36,2 Kilometer mit der heftigen Kletterpartie nur 55:55 Minuten und war damit sogar 1:21 Minuten schneller als Roglics Teamkollege Tom Dumoulin und der Australier Richie Porte, der noch auf den dritten Gesamtrang vorrückte. Es war zugleich der dritte Etappensieg des Youngsters bei der Tour 2020. Dabei war es seine erste Teilnahme an der Frankreich-Rundfahrt.

Schon im vergangenen Jahr hatte Pogacar bei der Vuelta mit drei Etappensiegen und Gesamtrang drei verblüfft. Damals triumphierte noch Roglic. «Ich muss die Arbeit zu Ende bringen», hatte Roglic vor dem Bergzeitfahren noch gesagt.

Pogacar gewinnt auch Bergtrikot

Es wurde richtig spannend. Schon nach wenigen Kilometern hatte Roglic zwölf Sekunden auf seinen jungen Rivalen verloren. Nach 20 Kilometern war der Rückstand auf 28 Sekunden angewachsen. Und das im flachen Teil der Strecke, auf dem Roglic klar favorisiert war. Am Schlussanstieg kannte Pogacar dann kein Halten mehr.

Damit gewinnt Pogacar auch noch das Bergtrikot und natürlich das Weisse Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Das Grüne Trikot ist dem Iren Sam Bennett bei 55 Zählern Vorsprung auf Ex-Weltmeister Peter Sagan kaum mehr zu nehmen. Damit endet eine Ära, sieben Mal hatte der Bora-hansgrohe-Kapitän in den letzten acht Jahren das Maillot Vert getragen. Einzige Unterbrechung war seine Disqualifikation 2017.

Die 21. und letzte Etappe startet am Sonntag in Mantes-la-Jolie und endet nach 122 Kilometer auf den Champs Élysées. Dort dürfte es wieder zu einem Massensprint kommen. Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen sind aber nur 5000 Zuschauer im Zielbereich erlaubt.

dpa/lai

5 Kommentare
    Peter Minder

    Gut gedopt Jungs.