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Schweizer SnowboarderPodladtchikov, das Virus und die Kunst

Die Kunst hilft Iouri Podladtchikov. Er, der während der Corona-Pandemie freiwillig ins Militär einrückte, sagt: «Ich fühle mich besser, wenn ich durch eine Galerie gelaufen bin.»

Podladtchikov erzählt von seiner Liebe zur Kunst.
Video: Tamedia

Iouri Podladtchikov ist ein nachdenklicher Mensch. Wenn er etwas sagt, klingen seine Sätze stets durchdacht. Sie haben Hand und Fuss. So auch dieses Mal, als der 31-jährige Schweizer der SDA ein Interview gibt. Podladtchikov sinniert über das Leben, das Coronavirus – und über die Kunst.

Er sagt: «In der Kunst fand ich das Gefühl wieder, das ich immer im Sport hatte. Ich fühle mich besser, wenn ich durch eine Galerie gelaufen bin.» Die Kunst helfe ihm. Er sei überzeugt, dass die Menschen viel weiter wären, «wenn sie sich mit Kunst anstelle von anderen Sachen beschäftigen würden».

Iouri Podladtchikov sagt: «Die Situation ist sehr zu vergleichen mit einer Kriegssituation.»
Iouri Podladtchikov sagt: «Die Situation ist sehr zu vergleichen mit einer Kriegssituation.»
Foto: Keystone

«Sie hat viel Tragisches, das man nicht ausblenden will»

Man merkt ihm an, dass er es ernst meint. Zu ehrlich seine Worte, zu aufrichtig sein Blick. Und auch sein Lebenslauf deutet auf seine Liebe zur Kunst hin. So absolviert Podladtchikov derzeit ein Kunststudium in New York. Ihm gefalle das Studium, meint er. Es sei aber im Frühling ausgesetzt worden – wegen des Coronavirus.

Eine Tatsache, die für den Schweizer aber nicht weiter schlimm war. Denn: Podladtchikov meldete sich zum Dienst – freiwillig. Er ging wegen des Virus ins Militär. «Ich habe gesehen, wie die Armee schon an der Arbeit ist. Und für mich ist es logisch, dass ich helfen will, denn ich bin fit, sportlich und habe Ausdauer», sagte der 31-Jährige, bevor er einrückte.

Auch im Interview mit der SDA blickt er auf die Corona-Zeit zurück. Er sagt, dass es ihm persönlich sicher gutgetan habe, auch einmal allein zu Hause zu sitzen und sich ein paar Dinge zu überlegen. «Die Situation ist sehr zu vergleichen mit einer Kriegssituation. Sie hat viel Tragisches, das man nicht ausblenden will und nicht ausblenden kann» meint er.

Wenn Iouri Podladtchikov nicht trainiert, absolviert er derzeit ein Kunststudium in New York.
Wenn Iouri Podladtchikov nicht trainiert, absolviert er derzeit ein Kunststudium in New York.
Foto: Keystone

Karriere oder Studium?

Wie es mit ihm nach der Corona-Krise weitergeht? Man darf wohl gespannt sein. Aus verschiedenen Gründen.

Er, der über ein Jahrzehnt die prägende Figur der Schweizer Snowboard-Szene war, sieben Medaillen an den X-Games gewann, zweimal Weltmeister und in Sotschi 2014 gar Olympiasieger wurde, gehört ab der kommenden Saison nämlich nicht mehr zur Elite der Schweizer Halfpipe-Snowboarder. Sein Kaderstatus ändert von «Nationalteam» auf «Pro».

Und sein Studium? Die Ausbildung am International Center of Photography dauert noch bis Ende Juni, mehr als Online-Unterricht wird aber kaum möglich sein. Podladtchikov überlegt sich aber, im September das Studium der Kunstgeschichte an der Universität Zürich fortzusetzen.