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Verzweifelter AufrufPfleger: «Wir sind ausgebrannt und haben die Nase voll»

Seit der ersten Corona-Welle habe sich für Pflegende absolut nichts geändert, schreibt Leser Moritz Rolli, der selber in der Pflege tätig ist.

Die Arbeitsbedingungen für Pflegende seien nach wie vor schlecht, schreibt Moritz Rolli (Symbolbild).
Die Arbeitsbedingungen für Pflegende seien nach wie vor schlecht, schreibt Moritz Rolli (Symbolbild).
Foto: Getty Images/iStockphoto

Pflegefachmann Moritz Rolli aus Bern schreibt uns wütend und müde einen Leserbrief – in der Hoffnung, dass sich doch noch etwas ändert. Hier ist sein Beitrag:

Während der ersten Corona-Welle schöpfte ich Hoffnung. Nach zehn Jahren im Pflegeberuf sah ich in der Pandemie eine Chance, dass sich endlich etwas ändern könnte. Dass sowohl die Politik als auch viele Menschen in der Gesellschaft die Wichtigkeit und die Relevanz dieses Berufes sehen und sich die Arbeitsbedingungen endlich verändern würden. Ein halbes Jahr später sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und muss mit grosser Enttäuschung und Frustration feststellen, dass sich absolut nichts geändert hat.

«Ich melde mich zu Wort in der verzweifelten Hoffnung, dass es vielleicht dieses Mal etwas bewirken kann.»

Moritz Rolli, diplomierter Pflegefachmann HF, Bern

Der Pflegeberuf kämpft immer noch mit denselben Problemen. Die Arbeitspensen sind kaum zu bewältigen, was dazu führt, dass die hohe Verantwortung so nicht getragen werden kann. Das Personal fehlt, und die wenigen Pflegenden, die noch auf dem Beruf arbeiten, sind erschöpft, ausgebrannt oder haben die Nase zu Recht voll und ziehen sich aus der Pflege zurück.

Seit Jahren melden sich Pflegende zu Wort und wollen auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Die Reaktionen der Politik: Schönreden, nichts tun oder gar bagatellisieren. So melde auch ich mich zu Wort in der verzweifelten Hoffnung, dass es vielleicht dieses Mal etwas bewirken kann. Wütend und erschöpft stelle ich mir und allen, die dies lesen, die Frage: Wenn nicht mal mehr eine Pandemie hilft, gewisse Menschen davon zu überzeugen, dass der Pflegeberuf wichtig ist, relevant ist und dringend Handlungsbedarf besteht, damit man dem Patienten wieder gerecht werden kann – wenn nicht einmal mehr das hilft, was kann uns dann noch retten?

Moritz Rolli, diplomierter Pflegefachmann HF, Bern

43 Kommentare
    David Stettler

    Ich finde es immer wieder schockierend, wenn Leute wie @Realist (und weitere) schreiben: „In meiner Branche gibt es auch Probleme, also jammert nicht!“. Wie ignorant und egoistisch muss man sein, um ein offensichtliches Problem nicht angehen zu wollen, nur weil es noch weitere gibt? Ich finde diese Einstellung schlicht beschämend.