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Gestrichene LeistungenPflegefachkräfte demonstrieren, um ihre Entschädigungen nicht zu verlieren

In der ambulanten Pflege will der Kanton Zusatzentschädigungen streichen. Die Freiberuflichen setzen dagegen ein Zeichen. Am Mittwoch entscheidet der Grosse Rat über einen Vorstoss.

Freischaffende Pflegefachpersonen demonstrieren vor der Festhalle der Bernexpo während der Wintersession des Grossen Rats, der über einen Vorstoss in ihrer Sache beraten wird.
Freischaffende Pflegefachpersonen demonstrieren vor der Festhalle der Bernexpo während der Wintersession des Grossen Rats, der über einen Vorstoss in ihrer Sache beraten wird.
Foto: Christian Pfander

Teils gestrichen, teils pauschalisiert: Die Abgeltungen in den Verträgen des Kantons mit der Nonprofit-Spitex, der privaten Spitex, den freiberuflichen Pflegefachpersonen und Wohnen mit Dienstleistung werden auf das neue Jahr hin angepasst. So fallen Zusatzentschädigungen in vier Bereichen für Spezialleistungen weg, die Fahrspesen werden gekürzt. Insbesondere freiberufliche Pflegefachpersonen fürchten daher um einen existenziellen Teil ihres Einkommens. (Lesen Sie hier: 300 Pflegenden streicht der Kanton ein Viertel ihres Lohns.)

Dagegen wehren sie sich. Es gehe um nicht weniger als die Wirksamkeit der spitalexternen Pflege, monieren die Betroffenen. Zwölf Pflegefachkräfte stellten sich am Dienstagnachmittag im Rahmen einer Aktion vor den Tagungsort des Kantonsparlaments, um die Grossrätinnen und Grossräte auf ihre Argumente aufmerksam zu machen: Mit 20,8 Prozent liegt der Anteil der über 65-jährigen Bevölkerung im Kanton Bern 2 Prozentpunkte über dem nationalen Durchschnitt. Der durchschnittliche Aufenthalt in den Spitälern liegt mit 4,9 Tagen jedoch nicht höher, sondern tiefer als national (5,3 Tage). Dasselbe gilt für die Aufenthaltsdauer in den kantonalen Alters- und Pflegeheimen, die im Schnitt mit 798 gut 100 Tage tiefer liegt (Stand 2018). Spezialisierte Pflegeleistungen sind die Voraussetzung dafür, dass die Verlagerung von den teureren stationären zu den ambulanten Leistungen funktioniert.

Keine jährlichen Verhandlungen mehr

Damit sich die Organisationen optimal ausrichten, gute Pflegeleistungen erbringen und innovativ sein können, braucht es längerfristige Verträge, die Planungssicherheit bieten: Das verlangt Spitex-Präsidentin Ursula Zybach (SP, Spiez) in ihrem Vorstoss, den sie mit Unterstützung von Exponenten aus FDP, SVP, BDP, Grünen und EVP eingereicht hat. Kinderspitex, onkologische/palliative Pflege, Wundexpertise und psychiatrische Pflege, verlangen sie, sollen weiterhin gefördert und Wegzeiten und Transportspesen fair entschädigt werden. Am Mittwoch befasst sich der Grosse Rat mit dieser Motion.