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Marazzi/De Maria läuft es noch nicht nach Wunsch

Flavio Marazzi und Enrico De Maria können in Qingdao als erste Schweizer Segler seit 40 Jahren eine olympische Medaille gewinnen. Dafür ist aber eine Steigerung vonnöten.

Flavio Marazzi und Enrico De Maria lief es auch am zweiten Tag der olympischen Starboot-Regatta nicht nach Wunsch. Nach drei von elf Wettfahrten liegen die Schweizer auf dem 10. Zwischenrang.

Im ersten Lauf sah es für den Berner und den Zürcher Oberländer bis zur ersten Boje gut aus, bevor sie vom 2. in den 7. Rang zurückfielen. Im zweiten Durchgang wendeten Marazzi/De Maria nach der ersten Kreuz als Vorletzte und konnten sich nur noch in den 9. Rang verbessern. Die extremen Leichtwind-Bedingungen mit den tückischen Windlöchern spielten den Schweizern beide Male einen Streich.

Noch ist trotz der Hypothek nichts verloren, noch hält sich der Rückstand auf die Spitze im Rahmen. Trotzdem muss es in den nächsten Tagen besser laufen, wenn Marazzi/De Maria am Donnerstag die erste Schweizer Olympia-Medaille im Segeln seit 1968 gewinnen wollen.

Durststrecke seit Acapulco

Die Glücklichen hiessen Louis Noverraz, Bernhard Dunand und Marcel Stern und wurden 1968 in Acapulco Zweite in der 5,5-m-Klasse. «Silber für den Silberfuchs», titelte der «Sport» in Anlehnung an Steuermann Noverraz, den mit 66 Jahren ältesten Teilnehmer der Spiele in Mexiko. Obwohl sie damals zum letzten Mal im Olympia-Programm stand, spielte die 5,5-m-Klasse auch im sportlichen Werdegang von Flavio Marazzi eine wichtige Rolle: 2004, 2006 und 2007 wurde der Berner Weltmeister.

«Sailing for Gold» lautet das Motto der Olympia-Kampagne. Für Marazzi ist es die dritte. 2000 in Sydney belegte er mit Bruder Renato den 15., 2004 in Athen mit De Maria den 4. Platz. Erst jetzt verfügen er und sein Partner über jahrelange Erfahrung auf höchstem Niveau, was in dieser Sportart als Grundvoraussetzung für ganz grosse Coups wichtiger zu sein scheint als in jeder anderen.

Auf der vierjährigen Reise von Athen nach Qingdao, wo die Segler ihre olympischen Regatten austragen, musste Marazzi Umwege in Kauf nehmen. De Maria ging wieder zu Alinghi, um ein zweites Mal den America's Cup zu gewinnen. Marazzi suchte derweil vergeblich adäquaten Ersatz. Vor einem Jahr kehrte De Maria zurück, das wiedervereinigte Duo holte auf Anhieb EM-Gold: das Olympia-Projekt war wieder voll auf Kurs. «Enrico hat Ruhe und Konstanz ins Boot gebracht», lobt Marazzi.

Auf und neben dem Wasser mit letzter Konsequenz

Marazzi/De Maria - das ist in den letzten Jahren zu einem Gütesiegel geworden. WM-Zweite und Olympia-Vierte 2004, Vierte der vorolympischen Regatta und Europameister 2007, Sieger des prestigeträchtigen Grade-1-Events vor Medemblik (Ho) Ende Mai -die Liste der gemeinsamen Erfolge wird länger und länger. Mit Zufall hat das nichts zu tun. Flavio Marazzi, der Sohn des bekannten Bauunternehmers Bruno Marazzi, konnte sich schon ein professionelles Umfeld aufbauen und leisten, bevor der nationale Verband Swiss Sailing mit der Auslagerung des Leistungssports in eine AG die für ambitioniertes olympisches Segeln notwendigen Rahmenbedingungen schuf.

Marazzi setzt beispielsweise auf die Zusammenarbeit mit der Werft von Christof Wilke in Leissigen. Das Projekt läuft so gut, dass die Wilke-Starboote längst das Interesse der Konkurrenz geweckt haben. Für Marazzi wurden am Thunersee vier Boote gebaut, in China kommt das neueste zum Einsatz. Seit Mitte Juli bereiten sich Marazzi und De Maria vor Ort auf das Highlight vor. Derzeit nehmen sie noch einmal für ein paar Tage Abstand von Qingdao, das 600 km östlich von Peking liegt. «Aktive Erholung», sagt De Maria dazu.

Wochenlang gemeinsam unterwegs zu sein fällt dem Duo nur bedingt leichter als früher. Zwischenmenschlich gibt es im Gegensatz zum ersten Olympia-Abenteuer keine Reibereien. Dafür ist Marazzi neuerdings Familienvater. Kurz nach der Geburt am 25. Juni musste sich Marazzi für sechs Wochen von Frau und Tochter Julie verabschieden. «Wir haben es vor meiner Abreise sehr genossen und schön gehabt», sagt Marazzi. «In China hätte ich ohnehin keine Zeit für sie. Hier konzentriere ich mich wieder voll aufs Segeln.»

si/cal

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