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Kaeslin gewinnt ein Diplom

Ariella Kaeslin hat die Olympischen Spiele mit einem weiteren Glanzresultat abgeschlossen. Als zweitbeste Europäerin belegte die Luzernerin den 5. Platz.

Das ist das wertvollste Resultat einer Schweizer Kunstturnerin. An den Boykottspielen 1984 war Romi Kessler ebenfalls zweimal Fünfte (am Boden und am Balken) geworden. Die Medaillen lagen für Kaeslin jedoch ausser Reichweite. Die besten vier wiesen klar höhere Ausgangswerte (A-Note) aus. Damit sie diese Gegnerinnen hätte übertreffen können, wäre Kaeslin auf Stürze angewiesen gewesen. Das passierte aber nur der dreifachen Weltmeisterin Cheng Fei, die vor dem Heimpublikum ihre erste Niederlage seit 2005 erlitt. Dass es dank enorm hohen A-Werten trotzdem noch zu Bronze reichte, war für die 19-jährige Chinesin kein Trost. Der Titel ging an die gleichaltrige Nordkoreanerin Hong Un Jong, 2007 WM-Vierte in Stuttgart. Hong Un Jongs und Cheng Feis Ausgangswerte betrugen zweimal 6,50. Dazu kommt, wie früher, die Ausführungsnote mit einem Maximum von 10. Tschussowitinas zwei Sprünge waren 6,30 und 6,00 Punkte wert, jene von Alicia Sacramone 6,30 und 5,80 und die von Kaeslin 6,30 und 5,50. Von den anderen Finalistinnen hatte nur noch Anna Pawlowa einen Schwierigkeitsgrad über 6,0, doch kassierte die Russin einen Nuller (technisch falscher Sprung) und wurde Letzte.

Kaeslin: «Ein geniales Ergebnis»

«Das ist ein geniales Ergebnis», freute sich die 20-jährige Luzernerin. «Wenn mir das vor den Olympischen Spielen garantiert worden wäre, hätte ich sofort unterschrieben. Auch vor dem Gerätefinal noch. Das ist die Entschädigung für endlos viele Stunden harten Trainings.» Allein in den sogenannten «Tschussowitina», den sie seit ein paar Monaten wettkampfmässig springt, hat sie sieben Jahre investiert. «Ich weiss gar nicht, wie viele Sprünge ich gemacht habe, sicher weit über 1000.»

Die Leistung eröffnet Perspektiven an kontinentalen Titelkämpfen. «Jetzt darf ich auch von einer Medaille träumen.» Vor einem Jahr war Kaeslin wegen des Aufstandes gegen ihren damaligen Trainer Eric Demay noch für die EM gesperrt worden. Mit ihrem neuen Trainer Zoltan Jordanov hat sie bereits eine langfristige Grobplanung vorgenommen: «Diese geht bis London 2012. Ich habe soviel in den Turnsport investiert, dass ich mindestens so lange weitermachen will, auch wenn es in meinem Alter immer schwieriger wird, neue Übungsteile zu erlernen.»

Von ihren Gegnerinnen sind viele erst knapp 16-jährig und einen Kopf kleiner. Aber es gibt auch eine wie Oksana Tschussowitina. Obwohl die gebürtige Usbekin im Juni 33 wurde, hinderte sie ihr Alter nicht daran, Silber zu erringen -- nur acht Hundertstel hinter Hong Un Son. Ihren ersten WM-Titel errang Tschussowitina 1991 in Indianapolis, ihren ersten Olympiasieg 1992 (mit dem damaligen sowjetischen GUS-Team). Fünf der sechs chinesischen Mannschafts-Olympiasiegerinnen waren damals noch gar nicht auf der Welt...

Titel 4 und 5 für China - mit Donghua-Li-Schüler Zou Kai

Grosse Verliererin des ersten von drei Finaltagen war die entthronte Sprung-Königin Cheng Fei, der auch das Bodenturnen komplett missglückte. Vor zwei Tagen hatte die chinesische Teamleaderin im Mehrkampf zwei Amerikanerinnen den Vortritt lassen müssen.

Trotzdem holten Chinas Kunstturner die Titel Nummer 4 und 5, beide bei den Männern. Am Pauschenpferd liess sich der dreifache Weltmeister Xiao Qin seine zweite Olympia-Chance nicht entgehen. In Athen 2004 war er noch vom Gerät gestürzt und nur 42. geworden. Dazu reihte sich auch Zou Kai, mit 20 Jahren der jüngste Chinese, am Boden in die Reihe der Olympiasieger ein.

Zou Kai ist einer der jugendlichen Darsteller im DOK-Film von Trix Angst aus dem Jahr 1996 über Olympiasieger Donghua Li. Er stammt wie der Schweizer aus Chengdu. Die SRG-Crew erhielt damals Zutritt zu einer der chinesischen Ausbildungsstätten. Donghua Li half dem damals achtjährigen Zou Kai beim Handstanddrücken. Er selber vermochte sich an diese Sequenz nicht mehr zu erinnern. Zou Kai erzählte ihm bei der Rückkehr ins olympische Dorf nach dem Mannschaftswettkampf im gleichen Bus von jener Begegnung mit offenbar nachhaltigem Eindruck.

si/jr

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