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Kanadas Männer-Achter nach 16 Jahren wieder top

Die Kanadier sind die Könige der olympischen Ruder-Regatta. Und im Skiff hat Olaf Tufte (No) triumphiert.

Überraschung: Skuller Olaf Tufte wiederholte seinen Olympiasieg von 2004.
Überraschung: Skuller Olaf Tufte wiederholte seinen Olympiasieg von 2004.
Keystone

Erstmals seit Barcelona 1992 setzte sich der Ahornblatt-Achter beim wichtigsten Rendez-vous wieder durch. In der Single-Kategorie konnte Tufte seinen Olympiasieg von Athen 2004 überraschend wiederholen.

Chinesen schnitten schlechter ab als erwartet

Wie vor vier Jahren traten die Canucks als Weltmeister zum abschliessenden Highlight jeder Regatta an. Damals wurden sie ihrer Favoritenrolle nicht gerecht und auf den 5. Platz durchgereicht. Jetzt hat es die Crew um Schlagmann Kyle Hamilton besser gemacht. Nach ihrem Schnellstart kontrollierten die Kanadier das Rennen von der Spitze aus und siegten vor Grossbritannien und «Titelverteidiger» USA. Die Briten waren mit sechs Medaillen (je zweimal Gold, Silber und Bronze) über alle 14 Bootsklassen gesehen die erfolgreichste Nation - wie schon in den letzten beiden Weltcup-Saisons. Obwohl der Frauen-Doppelvierer für das Gastgeberland die erste Ruder-Goldmedaille der Olympia-Geschichte gewann, schnitt China bedeutend schlechter ab als erwartet. Zu Gold kam lediglich Silber für den Zweier ohne Wu You/Gao Yulan dazu.

Drysdale hing am Tropf

Im Männer-Skiff war am Samstag für einmal nicht der Sieger die Hauptfigur. Mahe Drysdale stemmte sich heroisch gegen das Schicksal, die Krone nach drei WM-Titeln in Serie ausgerechnet an den Olympischen Spielen abgeben zu müssen. Nach dem Halbfinal, den der erste Anwärter auf Gold nur mit 0,45 Sekunden Reserve überstanden hatte, war bekannt geworden, dass Drysdale seit letztem Sonntag an einem Magen-Darm-Infekt mit Durchfall und ständigem Übergeben leidet. Am Donnerstagabend liess er sich eine Infusion stecken, vier seiner rund 100 Kilogramm hatte Drysdale zu diesem Zeitpunkt verloren.

Im Final schien er einigermassen wiederhergestellt. Drysdale preschte auf dem dritten Viertel der Strecke vom 4. Zwischenrang an die Spitze vor. 250 m vor dem Ziel fühlte er sich dann aber wie ein Rennbolide, dem bei Höchstgeschwindigkeit das Benzin ausgeht. Nachdem er es über die Ziellinie geschafft hatte, musste Drysdale vom Rettungsboot an Land gebracht werden. Als er nach dem Zusammenbruch wieder auf die Beine kam, bewies Drysdale Sportsmanship, freute sich über die Medaille und zollte seinen Bezwingern Respekt. «Ihr werdet jetzt von mir nicht irgendwelche Ausreden hören.» Statt Ondrej Synek profitierte Olaf Tufte vom gesundheitlichen Pech der Nummer 1. Seit dem Triumph in Athen hatte der mittlerweile 32-jährige Norweger mit der Rotsee-Regatta 2006 nur ein wichtiges Rennen gewonnen.

Waddell enttäuschte

Tufte ist der erste Skiffier seit Thomas Lange 1992 in Barcelona, der seinen Olympiasieg wiederholt. Xeno Müller hatte dieses Kunststück 2000 in Sydney knapp verpasst. Er war an Rob Waddell gescheitert. Der «Kiwi» wechselte anschliessend zum Team New Zealand in den America's-Cup-Zirkus. Nach der zweiten Niederlage gegen Alinghi gab Waddell ein Comeback als Ruderer. Er forderte Drysdale zum Duell um den Startplatz im Skiff heraus. Im März kam es zu einer Best-of-3-Serie, die Waddell erst in der Belle verlor. Wie schon bei früheren Gelegenheiten hatten sich Herzrhythmusstörungen bemerkbar gemacht.

Waddell wurde schliesslich mit dem elf Jahre jüngeren, 16 Zentimeter kleineren und gut 15 Kilogramm leichteren Nathan Cohen in einen Doppelzweier gesetzt. Das ungleiche Duo reiste ungeschlagen nach China - und erlebte eine bittere Enttäuschung. Gold ging an die Australier David Crawshay und Scott Brennan, die ihre erste Medaille an einem Grossanlass gewannen. Waddell und Cohen wurden nur Vierte.

Die Zwillinge im Fotofinish

So hatte sich das sportverrückte neuseeländische Volk diesen Samstag nicht vorgestellt. Im ganzen Land war im Vorfeld nur vom «Super Saturday» die Rede. Es sollten nicht nur die ersten Medaillen, sondern Siege her. Neben Kugelstösserin Valerie Vili konnten nur noch die Evers-Swindell-Zwillinge die hohen Erwartugen erfüllen. Zwischen den Finals der gestrauchelten Favoriten Drysdale und Waddell/Cohen gewannen Caroline und Georgina Evers-Swindell wie schon vor vier Jahren Gold im Frauen-Doppelzweier - dieses Mal im Fotofinish 0,01 Sekunden vor den Deutschen Annekatrin Thiele und Christiane Huth. Tags darauf hätte Kathrin Boron zur grossen Figur werden können. Wenn sie mit dem Doppelvierer Gold statt Bronze gewonnen hätte, wäre die 38-jährige Deutsche statistisch auf der Stufe von Steve Redgrave angelangt. Der «Sir» hatte zwischen 1984 und 2000 jeweils eine olympische Goldmedaille geholt.

si/fal

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