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Zugunfall wird zur Geduldsprobe für Pendler

Die Aufräumarbeiten des in Daillens entgleisten Zuges und die Säuberung der ausgelaufenen Salz- und Schwefelsäure dauern an. Derweil regt sich Widerstand gegen die Chemietransporte.

Starker Andrang: Zahlreiche Pendler stürzen sich auf die begrenzen Plätze der Ersatzbusse. (27. April 2015)
Starker Andrang: Zahlreiche Pendler stürzen sich auf die begrenzen Plätze der Ersatzbusse. (27. April 2015)
Jean-Christophe Bott, Keystone

Nach der Entgleisung von sechs Güterwaggons in Daillens VD in der Nacht auf Samstag sind heute gefährliche Chemikalien abgepumpt worden. Die Bahnstrecke bleibt noch mehrere Tage gesperrt. In der Westschweizer Politik regt sich Widerstand gegen den Transport gefährlicher Stoffe.

Am Montag wurde aus einem der entgleisten Güterwagen Salzsäure abgepumpt. Während ein grosser Teil umgefüllt wurde, kam man an 1400 bis 1500 Liter nicht ran, wie Denis Froidevaux, Chef des Kantonalen Führungsstabs der Waadt sagte.

Dieser Rest soll bei der Wiederaufrichtung des umgekippten Güterwagens umgefüllt werden. Die ersten Güterwagen sollen noch in der Nacht auf Dienstag wieder aufgestellt werden.

Mittlerweile abtransportiert: Der Tank eines Eisenbahnwaggons hängt am Kran. (29. April 2015)
Mittlerweile abtransportiert: Der Tank eines Eisenbahnwaggons hängt am Kran. (29. April 2015)
Keystone
Mit Bohrungen wollen die Behörden herausfinden, ob das Grundwasser verunreinigt wurde: In Daillens laufen die Aufräumarbeiten. (29. April 2015)
Mit Bohrungen wollen die Behörden herausfinden, ob das Grundwasser verunreinigt wurde: In Daillens laufen die Aufräumarbeiten. (29. April 2015)
Keystone
Verletzt wurde niemand.
Verletzt wurde niemand.
Beat Kälin, newspictures
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Sobald der Rest der Salzsäure umgefüllt sei, habe man die «rote Phase» beendet, fügte Denis Froidevaux an. An der Unfallstelle stehen rund um die Uhr über 100 Leute im Einsatz.

25 Tonnen Schwefelsäure ausgelaufen

Die Rettungskräfte gaben sich zurückhaltend mit Prognosen über die Dauer der Aufräumarbeiten. Zuerst müsse der Boden gereinigt werden, weil aus einem der umgekippten Güterwagen 25 Tonnen Schwefelsäure ausliefen.

Dazu müsse man die Gleise entfernen, den verschmutzten Schotter und die Erde entfernen und danach alles wieder aufbauen. Für diese grossen Arbeiten erhoffen sich die Rettungskräfte, «am Donnerstag das Licht am Ende des Tunnels zu sehen», wie Froidevaux sagte.

Über die Schäden an der Umwelt können noch keine Angaben gemacht werden. Das Trinkwasser wird laufend überwacht. Die Unfallursache ist nach wie vor nicht geklärt.

Pendler brauchen Geduld

Den vielen Pendlern zwischen Lausanne und Yverdon-les-Bains wurde am Montagmorgen viel Geduld abverlangt.

Unterbrochene Verbindung: Pendler zwischen Lausanne und Yverdon-les-Bains mussten auf Ersatzbusse umsteigen. Bild: Google Maps
Unterbrochene Verbindung: Pendler zwischen Lausanne und Yverdon-les-Bains mussten auf Ersatzbusse umsteigen. Bild: Google Maps

Sie mussten zwischen Cossonay-Penthalaz und Yverdon auf Ersatzbusse umsteigen. Für Reisende nach Vallorbe verkehrten Busse nach Eclépens und La Sarraz.

«Zwanzig Busse machten im Verlauf des Tages 300 Fahrten, an den Bahnhöfen standen rund 40 Assistenten im Einsatz.»

Frédéric Révaz, SBB-Mediensprecher

Sämtliche Pendler konnten transportiert werden, auch wenn es zu Verspätungen kam. Für die Fahrt von Neuenburg nach Lausanne mussten beispielsweise anstatt 45 Minuten über zwei Stunden eingerechnet werden, sagte Revaz.

Risiko nicht gleich Null

Die Entgleisung eines Güterzugs mit gefährlichen Chemikalien warf auch in der Politik Fragen auf. Die Waadtländer Staatsrätin Nuria Gorrite (SP) fordert Massnahmen zur Beschränkung dieser Transporte.

Man habe gesagt, dass das Risiko eines Unfall fast bei Null liege. Man sehe nun, dass es nicht Null sei, fügte die Waadtländer Staatsrätin an. Man müsse auch wachsam sein beim Unterhalt der Schienen und der Wagen. Diese Güterwagen müssten einem solchen Aufprall stand halten.

Der Genfer Staatsrat Antonio Hodgers (Grüne) verlangt, dass Chlor dort produziert werde, wo es zum Einsatz komme.

Er zeigte sich sogar bereit, finanzielle Hilfe für die Schaffung von Anlagen für die Chlorproduktion im Wallis zu leisten, wie er gegenüber dem Westschweizer Radio «RTS» sagte.

Die Forderung richtet sich vor allem an die Walliser Betriebe der Syngenta in Monthey und der Lonza in Visp. Die Waadtländer Staatsrätin Gorrite lehnte es jedoch ab, die Kosten der öffentlichen Hand zu belasten. Diese Chemiefirmen würden saftige Gewinne erzielen.

Bereits Ende Januar hatten die Grünen der Kantone Genf, Waadt und Wallis die Einstellung von Chlor-Transporten über die Bahn gefordert. Sie lancierten eine Petition an die Adresse der eidgenössischen Räte.

SDA/pst

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