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Zwei Retter sterben bei Einsatz auf Adria-Fähre

Die Zahl der Opfer beim Fährunglück vor Griechenland steigt weiter. Derweil wird Kritik an der Besatzung laut.

Bisswunden gefunden: Leiche wird abtransportiert.
Bisswunden gefunden: Leiche wird abtransportiert.
AFP
«Nennt mich nicht Held»: Kapitän Argilio Giacomazzi vor seinem Haus in La Spezia. (1. Januar 2014)
«Nennt mich nicht Held»: Kapitän Argilio Giacomazzi vor seinem Haus in La Spezia. (1. Januar 2014)
AP Photo
Das Feuer brach offenbar auf dem Autodeck mit rund 200 Fahrzeugen aus: Die Fähre «Norman Atlantic». (26. September 2014)
Das Feuer brach offenbar auf dem Autodeck mit rund 200 Fahrzeugen aus: Die Fähre «Norman Atlantic». (26. September 2014)
Paolo Gangemi, Reuters
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Die Zahl der Opfer nach dem Brand auf der Adria-Fähre «Norman Atlantic» ist auf elf gestiegen – die Ermittler befürchten jedoch weitaus mehr Tote. Bei der systematischen Durchsuchung des Schiffs würden womöglich weitere Leichen entdeckt, sagte der italienische Staatsanwalt Giuseppe Volpe. Es gebe Beweise, dass Flüchtlinge als blinde Passagiere mitgereist seien. Bei der Bergung verunglückten zudem zwei albanische Seeleute tödlich.

Volpe sagte, unter den 49 Geretteten, die am Montag in Bari ankamen, seien zwei Afghanen und ein Syrer gewesen, von denen einer bereits politisches Asyl beantragt habe. Laut Fährunternehmen waren 475 Menschen an Bord. Volpe sagte, es habe mindestens 18 «Überbuchungen» gegeben und eine nicht bekannte Anzahl blinder Passagiere. Volpe ordnete an, die Fähre ins italienische Brindisi zu schleppen, um sie dort kriminaltechnisch untersuchen zu lassen. Drei der Opfer waren italienische Lkw-Fahrer, die für eine Fischfabrik arbeiteten. Ihre Fabrik in Neapel war am Dienstag wegen Trauer geschlossen.

Passagiere meldeten Probleme

Derweil geriet die Besatzung der Fähre noch stärker in die Kritik. Griechische Marine-Mitarbeiter teilten mit, die ersten Mitteilungen über Probleme an Bord seien von Passagieren und nicht von der Mannschaft gekommen. Die «Norman Atlantic» war am frühen Sonntagmorgen auf dem Weg vom griechischen Hafen Patras in die italienische Stadt Ancona in Brand geraten. Während der Sturm das qualmende Schiff in Richtung der albanischen Hafenstadt Vlore trieb, wurden bei einer dramatischen, 36 Stunden dauernden Rettungsaktion die meisten der Passagiere und Besatzungsmitglieder mit Hubschraubern von Bord geholt. Gerettet wurden 427 Menschen, darunter die 56 Besatzungsmitglieder, wie die niederländische Bergungsfirma Smit Salvage mitteilte.

Für einige der Geretteten war die Odyssee am Dienstag noch nicht zu Ende. Ein Schiff, das 39 Überlebende an Bord genommen hatte, durfte wegen schlechten Wetters nicht wie geplant im italienischen Manfredonia anlegen, sondern musste zwölf Stunden weiter nach Tarent fahren. Ein Schiff der italienischen Marine mit 180 Geretteten blieb im Unglücksgebiet in Bereitschaft anstatt umzukehren. Sowohl griechische als auch italienische Behörden haben Strafermittlungen eingeleitet.

Zwei Retter gestorben

Die «Norman Atlantic» trieb bereits den dritten Tag manövrierunfähig in der Adria. Am Dienstagmorgen versuchte ein albanischer Schlepper, die Fähre in Schlepptau zu nehmen. Dabei riss das Tau jedoch und erschlug zwei Seeleute, wie der Polizeisprecher der Hafenstadt Vlore mitteilte.

Ein Sprecher der Bergungsfirma Smit sagte, Löschmannschaften durchsuchten die «Norman Atlantic», um verbliebene Brandnester zu löschen. Aus dem Wrack steige immer noch Rauch auf. Am frühen Morgen sei ein Tau an der Fähre angebracht worden. Ob die beiden Albaner bei dieser Aktion zu Tode kamen, war zunächst nicht klar. Der Sprecher sagte, Smit warte auf leistungsstärkere Schlepper, die das 186 Meter lange Schiff in einen Hafen bringen könnten.

Schweizer in Sicherheit

Auf der in der Adria verunglückten Fähre «Norman Atlantic» haben sich sieben Schweizer Staatsangehörige und sieben in der Schweiz wohnhafte ausländische Passagiere aufgehalten. Fast alle befinden sich inzwischen in Sicherheit, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitteilte.

In einem Fall war noch eine Untersuchung im Gang. Das EDA ist mit allen Personen dieser Gruppe oder deren Familienangehörigen in Kontakt, betreut die Betroffenen im Rahmen des konsularischen Schutzes und unterstützt sie bei der Weiterreise. Zwei Personen sind bereits auf dem Rückweg in die Schweiz.

In Brindisi waren zwei Vertreterinnen der Schweizer Botschaft in Rom im Einsatz. Bei der Ankunft des Rettungsschiffes San Giorgio werden sie den Schweizer Passagieren und den in der Schweiz wohnhaften ausländischen Passagieren bei Bedarf Unterstützung anbieten. Die Gruppe wird nach ihrer Ankunft vom Italienischen Roten Kreuz in Empfang genommen. Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes machte das EDA keine weiteren Angaben

(SDA)

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