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Wüsten-Geiseln sind sich selbst überlassen

Die Entführer der 19 Sahara-Touristen haben nach Angaben ihres ägyptischen Reiseleiters ihre Opfer allein in der Wüste zurückgelassen.

Der 51-jährige Ibrahim AbdelRahim widersprach damit Berichten über eine Befreiungsaktion durch bewaffnete Sicherheitskräfte. Der «Super-Illu» sagte AbdelRahim laut einem Vorabbericht vom Mittwoch: «Entweder sie haben das Geld abgeholt, oder sie sind mit unseren Geländewagen in den Tschad geflohen.»

Das vereinbarte Lösegeld betrug nach seinen Worten zwei Millionen US-Dollar. Die Übergabe sollte 300 Kilometer im Landesinnern von Ägypten stattfinden. Ob die Entführer das Geld tatsächlich erhalten haben, konnte AbdelRahim nicht sagen.

Nach der Abfahrt der Kidnapper fuhren die Touristengruppe und ihre ägyptischen Reisebegleiter dann mit einem einzigen Geländewagen, in den sich 19 Personen quetschten, vom Tschad bis 70 Kilometer hinter die ägyptische Grenze. «Das war eine sehr gefährliche Tour durch die Nacht», sagt AbdelRahim. Der Reiseleiter befindet sich zurzeit bei seiner Familie in Kairo.

Den Geiseln sei es während der Entführung den Umständen entsprechend gut gegangen, sagt AbdelRahim weiter. «Keiner hat hungern müssen, keiner musste Durst leiden, und keiner ist krank geworden. Am Ende hatten wir noch Essen für zwei Tage und 100 Liter Wasser.» Die gesamte Gruppe sei sehr diszipliniert gewesen. «Wir haben sogar oft gelacht», erklärt der Reiseleiter. «Nur in den letzten zwei Tagen drohte die Stimmung unter meinen Fahrern und unter den Touristen zu kippen.»

Sogar das Bier und den Wein der Touristen getrunken

Die Gruppe der Entführer bestand nach AbdelRahims Angaben aus etwa 38 Leuten, darunter sogar 15- und 16-jährige Jugendliche. «Das waren Arbeitslose in schmutzigen Armeeuniformen aus dem Tschad, naiv und nicht organisiert. Sie haben uns mit beigefarbenen Geländewagen, mit Kanonen auf der Ladefläche, überfallen. Wir fuhren zu einem Übernachtungsort. Dort haben sie dann die ganze Nacht unsere Koffer durchsucht, unseren Thunfisch aus Dosen gegessen und sogar das Bier und den Wein der Touristen getrunken, obwohl das auch Moslems sind. Zwei Tage später haben sie das erste Mal mit uns geredet.»

Die Entführer hätten zunächst 20 Millionen Dollar Lösegeld verlangt. «Da sagte ich, das ist zu viel, das wird zu lange dauern. Sie überlegten und sagten dann sechs Millionen Dollar. Das war ein Gespräch wie bei einem Kamelkauf», sagte der Reiseleiter. Schliesslich hätten die Entführer nach einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des ägyptischen Geheimdiensts zwei Millionen Dollar akzeptiert.

«Nette Kriminelle»

Zuvor hatte schon Bernd L., ein 65-jähriger pensionierter Studienrat, nach seiner Heimkehr nach Deutschland am Dienstag Berichte über eine gezielte, planvolle Befreiung ins Reich der Märchen verwiesen. Laut «Spiegel-Online» sagte er: «Das war keine Befreiung, das ist absoluter Unsinn.»

Er nannte die Kidnapper «nette Kriminelle», die nie Gewalt angewendet hätten. «Die wollten nur Geld und hatten keinen ideologischen oder religiösen Hintergrund.»

AP/mbr

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