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«Wir hatten keine Zeit, die Rettungswesten anzuziehen»

Die Zahl der Toten nach der Kollision von zwei Schiffen vor der Küste Hongkongs ist auf 38 angestiegen. Die Behörden haben sechs Mitglieder der Besatzung verhaftet. Nun erzählen Überlebende von der Tragödie.

Nach Kollision mit Fähre: Retter suchen nach Überlebenden eines Passagierschiffs vor Hongkong. (1. Oktober 2012)
Nach Kollision mit Fähre: Retter suchen nach Überlebenden eines Passagierschiffs vor Hongkong. (1. Oktober 2012)
Keystone

Beim schwersten Schiffsunglück in Hongkong seit mehr als 40 Jahren sind mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert weitere verletzt worden. Eine Fähre und ein Schiff mit mehr als 120 Menschen an Bord, die ein Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag sehen wollten, waren am Montagabend (Ortszeit) kollidiert.

Die Behörden nahmen am Dienstag sechs Besatzungsmitglieder der beiden Schiffe fest. Die Fähre, die Hongkong mit der drei Kilometer entfernten Insel Lamma verbindet, war am Montagabend mit der «Lamma IV» zusammengeprallt.

120 Menschen an Bord

Auf dem Schiff, das dem Energieunternehmen Hong Kong Electric gehört, waren Angestellte des Konzerns und ihre Angehörigen unterwegs, um vom Wasser aus ein spektakuläres Feuerwerk anlässlich des chinesischen Nationalfeiertags zu sehen. Insgesamt waren mehr als 120 Menschen an Bord. Nach dem Zusammenprall sank das Schiff binnen weniger Minuten, die Fähre kam sicher am Hafen von Lamma an.

Nach dem Unglück suchten Rettungskräfte in Hubschraubern und Booten die Nacht über das Wasser nach Überlebenden und weiteren Todesopfern ab. Taucher suchten in dem gesunkenen Schiff nach eingeschlossenen Passagieren.

Eine Tragödie

Ein Vertreter des Stromversorgers Hong Kong Electric erklärte, dass sein Unternehmen das Schiff für das Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag gemietet habe. «Der 1. Oktober ist ein sehr fröhlicher Feiertag, doch nun wurde er zur Tragödie», sagte er vor Journalisten.

Die Hongkonger Regierung teilte mit, 30 Menschen seien noch am Unfallort gestorben, acht weitere seien im Krankenhaus für tot erklärt worden. Nach offiziellen Angaben starben auch fünf Kinder. Es war das schwerste Schiffsunglück in Hongkong seit 1971, als beim Untergang einer Fähre während eines Taifuns 88 Menschen ums Leben gekommen waren.

Panik ausgebrochen

«Wir hatten keine Zeit, unsere Rettungswesten anzuziehen oder festzumachen», sagte eine Überlebende nach der Kollision vor Reportern. «Wir haben versucht, uns an irgendetwas festzuhalten, aber es ging nicht und wir sind abgerutscht.» Ein weiterer Überlebender schilderte der Zeitung «South China Morning Post», unmittelbar nach dem Zusammenstoss mit der Fähre habe er sich im Wasser wiedergefunden. «Ich bin schnell geschwommen, um eine Rettungsboje zu erreichen. Ich weiss nicht, wo meine Kinder sind.»

Auch auf der Fähre brach Panik aus. «Die Leute vorne haben angefangen zu schreien und gesagt, dass Wasser eindringt und das Schiff Schlagseite bekommt», sagte die 43-jährige Clare Kirkman, die auf Lamma lebt, der Nachrichtenagentur AFP. «Es war die totale Panik. Niemand erklärte uns irgendetwas.» Die Besatzung habe nur unnütz herumgestanden.

Untersuchung angekündigt

Wegen Gefährdung des Lebens anderer wurden je drei Besatzungsmitglieder der beiden Schiffe festgenommen, wie Hongkongs Sicherheitsminister Lai Tung Kwok bei der Pressekonferenz sagte. Unter ihnen waren die Kapitäne der beiden Schiffe. Polizeichef Tsang Wai Hung schloss weitere Festnahmen nicht aus.

Regierungschef Leung Chun Ying besuchte Überlebende im Krankenhaus und kündigte eine Untersuchung des Unfalls an. Zugleich betonte er, Hongkongs Gewässer seien sicher.

Der Hongkonger Victoria-Hafen gehört zu den wichtigsten Handelshäfen der Welt. 2010 wurde hier die Ankunft und das Auslaufen von mehr als 425.000 Schiffen registriert. Unfälle in dem betriebsamen Hafen sind selten.

SDA/chk

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