Zum Hauptinhalt springen

«Wir assen Ratten und Vögel»

Somalische Piraten haben 26 Seeleute nach fast fünf Jahren in Geiselhaft freigelassen. Ein Gefangener berichtet, sie seien wie Tiere behandelt worden.

Freudentränen: Die befreiten Seeleute bei ihrer Ankunft am Flughafen Jomo Kenyatta in Nairobi. (23. Oktober 2016)
Freudentränen: Die befreiten Seeleute bei ihrer Ankunft am Flughafen Jomo Kenyatta in Nairobi. (23. Oktober 2016)
Dai Kurokawa/EPA, Keystone
Die befreiten Geiseln trafen gestern Sonntag am Flughafen in Nairobi ein.
Die befreiten Geiseln trafen gestern Sonntag am Flughafen in Nairobi ein.
Dai Kurokawa/EPA, Keystone
Die insgesamt 26 Seeleute verbrachten viereinhalb Jahre in der Gewalt somalischer Piraten.
Die insgesamt 26 Seeleute verbrachten viereinhalb Jahre in der Gewalt somalischer Piraten.
AP, Keystone
1 / 3

Nach viereinhalb Jahren in der Gewalt somalischer Piraten sind 26 Seeleute aus mehreren asiatischen Ländern wieder in Freiheit. Die Besatzungsmitglieder des taiwanischen Fischerbootes Naham 3 kamen am Samstag frei und trafen gestern Sonntag am Flughafen Jomo Kenyatta in Nairobi ein. Die Männer aus Kambodscha, China, Indonesien, den Philippinen, Taiwan und Vietnam würden nun so schnell wie möglich in ihre Heimatländer ausgeflogen, teilten internationale Ermittler mit.

Einer der Gefangenen, Arnel Balbero, sprach am Sonntag in Nairobi mit der BBC. Er habe sich während der Gefangenschaft wie ein wandelnder Toter gefühlt, es sei darum sehr schwierig, wieder ins Leben zurückzufinden. Die Piraten hätten die Geiseln wie Tiere behandelt und nur unzureichend mit Wasser versorgt. Auf die Frage, wie die Gefangenen überlebt hätten, sagt Balbero in gebrochenem Englisch: «Wir assen alles, egal ob wir es mochten oder nicht. Wenn man hungert, isst man einfach alles. Wir assen Vögel und Ratten, die wir kochten.»

Lösegeld bezahlt

«Damit endet die Gefangenschaft der letzten Seeleute, die während dem Höhepunkt der somalischen Piraterie in Geiselhaft gerieten», sagten internationale Ermittler zur britischen Zeitung «The Guardian». Gemäss John Steed der Organisation «Oceans Beyond Piracy» habe es nur eine Geiselnahme gegeben, die noch länger dauerte.

Die Geiseln wurden gegen Lösegeld freigelassen. Einer der Piraten behauptet, 1,5 Millionen US-Dollar erhalten zu haben. Diese Angaben wurden nicht von unabhängiger Seite bestätigt.

Drei Todesopfer

Das taiwanische Fischerboot wurde im März 2012 vor den Seychellen verschleppt. Das Boot ist inzwischen gesunken. Ein weiteres Crewmitglied wurde bei dem Überfall getötet, zwei weitere Seeleute starben in Geiselhaft.

Als Hauptgrund für das Treiben der Piraten wird meist der weitgehend rechtslose Raum innerhalb Somalias angeführt. In den vergangenen Jahren ging die Piraterie am Horn von Afrika wegen einer europäischen Kriegsschiffmission deutlich zurück. Steed warnt aber, die Gewässer rund um Somalia blieben gefährlich.

SDA/mch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch