Wiesn-Bilanz: 6,3 Millionen Besucher und 600 Bierleichen

Das Oktoberfest in München hat für einmal keine Rekorde aufgestellt. Die Straftaten sind leicht zurückgegangen.

Ausgelassenheit in München: Das Hofbräu-Zelt beim traditionellen Kehraus. (Keystone/elix Hörhager/6. Oktober 2019)

Ausgelassenheit in München: Das Hofbräu-Zelt beim traditionellen Kehraus. (Keystone/elix Hörhager/6. Oktober 2019)

«Wir wollen keine Besucherrekorde, wir wollen Qualität!» Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) ist demnach «rundum zufrieden» mit dem diesjährigen Oktoberfest. Auf 6,3 Millionen Besucher, genauso viele wie im vergangenen Jahr, schätzte die Festleitung den Andrang bei der diesjährigen Wiesn.

Bei der Oiden Wiesn, wo man zahlende Besucher hat und deshalb genauere Zahlen vorlegen kann, waren es gar zehn Prozent mehr: 550'000 kamen auf das Festgelände mit den alten Fahrgeschäften und den Musik- und Trachtlerzelten. 2018 waren es noch eine halbe Million gewesen.

Bei der Abschluss-Pressekonferenz am Sonntagmittag meinte Baumgärtner, die Münchner hätten «das Gesamtkunstwerk Wiesn neu entdeckt, nämlich die Kombination aus oider und neuer Wiesn». Auch seien die Strassen mit den Schaustellern wieder besser besucht gewesen als in den vorangegangenen Jahren, insbesondere die Kinderfahrgeschäfte seien mit dem regen Zuspruch sehr zufrieden. Da es nur wenige Regentage gab, lief das Geschäft auch bei den Marktkaufleuten und den Schaustellern gut.

Die Mass ist immer noch populär

Natürlich hatte auch die Gastronomie auf dem Festgelände keinen Grund zur Klage. Laut den Brauereien wurden rund 7,3 Millionen Liter Bier verkauft, nur unwesentlich weniger als 2018, da waren es am Schluss 7,5 Millionen Mass gewesen.

Was die Speisen angeht, registrierte die städtische Festleitung einen «Trend nach qualitätsvollem Genuss». Die Wirte stellten eine gesteigerte Nachfrage nach Biokost, regionalen Produkten und vegetarischen und veganen Speisen fest. Besonders gut lief die Mittagswiesn unter der Woche mit den dann preiswerter angebotenen Gerichten. In der Ochsenbraterei wurden wieder genauso viele Ochsen wie im vergangenen Jahr verspeist: 124. Die Kalbsbraterei brauchte zwei Kälber mehr, nämlich 29 (2018 waren es 27).

In anderer Hinsicht gingen die Zahlen eher zurück, aber, so Baumgärtner: «Der Trend nach unten kann manchmal auch ein positiver sein.» Zum Beispiel bei den geklauten Masskrügen. Denn in die alljährliche Statistik fliessen beispielsweise auch Zahlen darüber ein, wie viele Krüge die Ordner Gästen abgenommen haben, die diese aus den Zelten mitnehmen wollten: Es waren 96'912, im Jahr davor noch 101'000.

Aktive Beamten

Von einer «Qualitätswiesn» sprach auch die Wiesnwache der Polizei, die Zusammenarbeit mit der städtischen Sicherheitsbehörde, den Ordnern, der Feuerwehr und dem Rettungsdienst habe hervorragend geklappt. Man habe es mit einer «ruhigen und sicheren Wiesn» zu tun gehabt. Pressesprecher Marcus da Gloria Martins: «Wir haben es erstmalig auch mit einem Rückgang der Straftaten zu tun gehabt, trotz einer Zunahme an Einsätzen.»

Bis Sonntag, fünf Uhr früh, habe man 1915 Einsätze zu verzeichnen gehabt (2018: 1786). Das bedeute aber nicht automatisch eine höhere Kriminalität, sondern zeigt laut Da Gloria Martins «vielmehr die hohe Bereitschaft, in potenziellen Konfliktsituationen rechtzeitig die Polizei zu informieren». Insgesamt blieb die Zahl der Straftaten mit 914 in etwa konstant, vergangenes Jahr waren es 924. Es kam zu 469 Festnahmen (Vorjahr: 409).

Oft griffen die Beamten auch schon ein, bevor Angetrunkene straffällig werden konnten. 356 aggressive Personen wurden in Gewahrsam genommen, bevor sie gewalttätig werden konnten (Vorjahr: 330). Die Zahl der gemeldeten Taschendiebstähle ging von 174 im Vorjahr auf 133 zurück, die Zahl der Körperverletzungsdelikte stieg leicht an, von 256 auf 263. Es kam zu 32 Masskrugschlägereien (2018: 27). Auch bei den Sexualdelikten ist ein leichter Anstieg von 42 auf 45 festzustellen; «zwei Drittel der Täter konnten in flagranti gefasst werden», so da Gloria Martins, «das Sicherheitspersonal in den Zelten und der Ordnungsdienst auf dem Gelände reagiert auf solche Vorfälle sehr aufmerksam.»

Ruhe bei der Feuerwehr

Ruhig ging es auch bei der Feuerwehr zu – 14-mal wurde Alarm ausgelöst, der dramatischste betraf ein T-Shirt, das der Wind an einen Beleuchtungsmast geweht hatte und das dort Flammen fing. Die Sanitätswache «erfreute sich steigender Beliebtheit» (Baumgärtner), insgesamt 6592 Menschen mussten von ihr betreut werden. Die Aicher Ambulanz Union, die schon zum zweiten Mal im Wiesn-Einsatz ist, hatte es laut Pressesprecherin Ulrike Krivec dabei mit 600 Bierleichen zu tun, 117 weniger als im Jahr 2018. Gleich danach folgen Verletzungen unterschiedlichster Art mit 551 Fällen. An die 50 Ärzte und insgesamt 600 Sanitäter waren in den vergangenen 16 Wiesn-Tagen im Einsatz. 114 Patienten mussten wegen lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten in Kliniken gebracht werden. Die fahrbaren Tragen kamen 1984-mal zum Einsatz – und waren dank verbesserter technischer Ausstattung mit GPS-Ortung im Durchschnitt nach vier Minuten und zehn Sekunden am Einsatzort.

So kann man also fast von einer Wiesn ohne besondere Vorkommnisse sprechen. Es gab ja nicht einmal einen richtigen Wiesnhit in den Zelten. «Oldies but Goldies», meinte Clemens Baumgärtner. Ähnliches gilt es bei den Souvenirs zu vermelden. Da läuft der klatschende Hendlhut – Kopfbekleidung mit einem Hähnchen – nach wie vor gut, so der Wiesn-Chef, der sich offenbar keinen solchen aufsetzen würde: «Auch das muss halt sein.»

Umstritten: Der Hähnchen-Hut beim Oktoberfest. (Screenshot Youtube)

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