«Wie kann man so einen Mann ein Messer kaufen lassen?»

Die Therapeutin, die wohl von dem Häftling aus dem Zentrum La Pâquerette umgebracht wurde, hatte bereits gekündigt und wollte im Oktober eine neue Stelle antreten. Ihre Mutter erhebt schwere Vorwürfe.

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Der Fall Adeline erschüttert die ganze Schweiz. Nun hat sich ihre Mutter in verschiedenen Schweizer Zeitungen geäussert. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegenüber den Behörden. Ihre Berichte machen zudem die Tragik des Vorfalls deutlich. Denn Adeline M. wollte wegen ihres Kindes eine Stelle antreten, bei der sie nicht mehr mit Tätern arbeiten musste.

Die 34-jährige Therapeutin habe ihren Beruf sehr gemocht, sagt die Mutter zu «Le Matin». Sie habe gern mit Menschen gearbeitet. Sie arbeitete seit 2007 im Zentrum für Sozialtherapie La Pâquerette als Kriminologin und Psychologin, wie der Direktor der Genfer Universitätsspitäler (HUG), Bertrand Levrat, gestern vor den Medien erklärte. «Sie war erfahren und hatte in ihrer Karriere bereits 200 Freigänge mit Häftlingen absolviert.»

«Doch seit Adeline selbst ein Kind hatte, ist sie ängstlicher geworden», sagt die Mutter. Aus diesem Grund hatte die junge Frau gekündigt und wollte ab Oktober eine neue Stelle antreten. «Sie wollte mit Opfern arbeiten», sagt die Mutter im «SonntagsBlick».

Die Frau sagte gegenüber dem «SonntagsBlick», sie sei von den Behörden schlecht informiert worden. So habe die Familie aus den Medien vom Tod ihrer Tochter erfahren müssen.

Täter ist weiter flüchtig

Zudem berichtet der «SonntagsBlick», dass Fabrice A. nicht wie erlaubt ein Messer für die Hufpflege gekauft hat – sondern eines, mit dem er töten konnte. Fabrice A. hatte eine Einkaufsliste erstellt und vom Gefängnis die Erlaubnis erhalten, ein Hufmesser zu kaufen – um die Hufe der Pferde damit zu putzen, wie er behauptete.

«Wie kann man einen so gefährlichen Mann ein Messer kaufen lassen?», lautet die verzweifelte Frage der Mutter im «SonntagsBlick». Tatsächlich nutzte der Täter diese Erlaubnis aus: Im Messerladen kaufte er statt eines Spezialmessers eines mit scharfer Klinge.

Die Psychologin sollte den wegen zweifacher Vergewaltigung zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilten Insassen am Donnerstagmorgen zu einer Reittherapie begleiten. «Warum hat man meine Tochter alleine mit diesem Mann gehen lassen? Warum gab es nicht wenigstens Sicherheitsvorkehrungen?», sind die Fragen der Mutter, die sich nun auch die Öffentlichkeit stellt. «Warum war im Auto kein GPS?»

Um 11 Uhr hätten der Häftling und seine Begleiterin zum Termin erscheinen sollen. Doch erst nach 16 Uhr habe das Gefängnis Alarm geschlagen, schreibt der «SonntagsBlick».

Am Freitag wurde die Leiche der Frau wenige Kilometer ausserhalb Genfs in Richtung Versoix GE gefunden. Der Täter ist weiterhin flüchtig.

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