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«Wenn meine Frau jünger wäre, hätte ich sie auch draufgestellt»

Man erkennt es nicht gleich, aber hier wird für Holz geworben. (Foto: Annette Ramelsberger)

Herr Rüdisühli, eine Kollegin kam bei einer Radtour nach Meran kürzlich an Ihrem Plakat vorbei und hat mir ein Foto davon geschickt. Sie wissen, von welchem Plakat die Rede ist?

Auf dem Plakat sieht man vier auf dem Bauch liegende Frauen im tief ausgeschnittenen Dirndl, der Busen quillt einem praktisch entgegen. Über den Frauen steht: «Wir haben Holz vor der Hütte.» Drunter: «... greifen Sie zu!»

Finden Sie das Plakat gelungen?

Worauf genau bezieht sich das «Greifen Sie zu»?

Weil das nämlich nicht ganz klar wird, dass das Holz gemeint ist. Verstehen Sie, was ich meine?

Was haben Brüste mit Holz zu tun?

Man guckt ihnen aber direkt in den Ausschnitt.

Sie können sich aber schon vorstellen, warum ich anrufe?

Es hat sich noch niemand beschwert?

Kennen Sie die vier Frauen auf dem Plakat?

Und die haben da gerne mitgemacht?

Das Motiv war deren Idee?

Und der Spruch «Holz vor der Hütte», das war auch Ihre Idee?

Und offenbar auch Brüste.

Es gibt seit einiger Zeit eine weltweite Debatte unter dem Stichwort «Me Too», haben Sie von der mal gehört?

Bei der Debatte geht es um sexuelle Übergriffe auf Frauen, aber auch um alltäglichen Sexismus. Zum Beispiel um sexistische Darstellung von Frauen in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel auf Ihrem Plakat.

Herr Rüdisühli, haben Sie Familie?

Vielleicht auch eine Tochter?

Sagen wir, eine der vier Frauen über dem «... greifen Sie zu!» wäre Ihre Tochter, wäre Ihnen wohl dabei?

Warum sind sie dann drauf?

Ach so.

Komisch. Mir kommt es so vor, als ginge es eher um die Brüste.

Sie hätten die Frauen auch hinstellen können.

Gegen lachende Frauen im Dirndl hat keiner was. Aber lachende Frauen im Dirndl, denen man zwischen die Brüste fotografiert hat, um dann Holz zu verkaufen, das ist sexistisch.

Noch mal die Frage: Wenn Ihre Tochter da liegen würde, das wäre in Ordnung?

Aber nur, wenn sie jünger wäre.

Halten wir fest: Sie finden das Plakat gelungen, Beschwerden gab es nicht, die Frauen haben gerne mitgemacht, und darum bleibt das Plakat, wo es ist.

Wenn ich Ihnen jetzt mitteile: Mich als Frau stört es – was sagen Sie dazu?