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Wenn ein Taxifahrer zum «wichtigsten Menschen der Welt» wird

Sexskandal im Secret Service: Zahlreiche Reporter haben sich auf die Spurensuche in den Bordellen Cartagenas gemacht.

Von hier sollen die Mitarbeiter des Secret Service 20 Prostituierte in ihre Hotelzimmer mitgenommen haben: Der «Play Club» in Cartagena. (18. April 2012)
Von hier sollen die Mitarbeiter des Secret Service 20 Prostituierte in ihre Hotelzimmer mitgenommen haben: Der «Play Club» in Cartagena. (18. April 2012)
AFP
Schauplatz des Sexskandals, der den US Secret Service erschüttert: Prostituierte vor dem Hotel Caribe in Cartagena. (17. April 2012)
Schauplatz des Sexskandals, der den US Secret Service erschüttert: Prostituierte vor dem Hotel Caribe in Cartagena. (17. April 2012)
Reuters
Immer an der Seite des US-Präsidenten: Barack Obama (l.) mit Agenten des Secret Service am Flughafen von Tampa, Florida. (13. April 2012)
Immer an der Seite des US-Präsidenten: Barack Obama (l.) mit Agenten des Secret Service am Flughafen von Tampa, Florida. (13. April 2012)
Reuters
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Schmutzige Witze auf Kosten der Agenten des Secret Service, ein schlüpfriger Song zu einem karibischen Beat: Der Sex-Skandal rund um die Leibwächter von US-Präsident Barack Obama hat in Kolumbien für viel Spott, aber auch für Empörung gesorgt. Einen 42-jährigen Taxifahrer, der noch bei seiner Mutter wohnt, machte er über Nacht zum gefragten Interviewpartner.

Aus den USA angereiste Reporter verbrachten in der vergangenen Woche lange Nächte in schummrigen Absteigen Cartagenas und schlürften überteuerte Cocktails, nur um eine der Prostituierten ausfindig zu machen, die dort angeblich kurz vor dem Amerika-Gipfel die Nacht im Hotel der Leibwächter Obamas verbracht hatten.

Begehrte Taxifahrten

Doch vor allem buhlten die Journalisten um die Gunst des Taxifahrers Jose Pena, der die Prostituierte, die den Skandal auslöste, nach Hause gefahren hatte. Reporter von Boulevardblättern und amerikanischen Fernsehsendern beschuldigten sich gegenseitig, den Preis für Taxifahrten mit Pena, bei denen sie sich neue Informationen erhofften, nach oben zu treiben.

Immer wieder verschwand der 42-Jährige mehrere Stunden lang im Auftrag des einen oder anderen Journalisten, während dessen Konkurrenten unablässig die Handynummer Penas wählten und seine Mailbox mit Nachrichten füllten.

Streit um Bezahlung löste Skandal aus

Pena war es auch, der Journalisten zu einem Haus am Stadtrand von Cartagena führte, wo die Prostituierte seinen Angaben zufolge mit ihrem neunjährigen Sohn lebt. Ausserdem beschrieb er, wie die Frau ihm erzählt hatte, dass einer der Secret-Service-Agenten nicht die volle Summe für ihre Dienste zahlen habe wollen und ihr am Morgen des 12. April im Luxushotel Caribe die Tür vor der Nase zugeschlagen habe. Der Skandal war dadurch an die Öffentlichkeit geraten, dass die Polizei und Wachleute des Hotels zwischen dem Agenten und der Prostituierten vermitteln wollten.

«Er ist in dieser Woche der wichtigste Mensch der Welt», scherzte Penas Arbeitskollege William Jimenez. Zumindest bis Samstag, als er plötzlich untertauchte. Reporter fanden das Haus seiner Mutter mit heruntergelassenen Rollläden vor. Von Pena keine Spur. Und auch die Prostituierte im Mittelpunkt des Skandals ist untergetaucht und kommuniziert nur noch über einen Anwalt. Jetzt will sie den Secret Service wegen Misshandlung verklagen und ihre Geschichte an den Meistbietenden verkaufen.

Mittlerweile haben sechs Agenten der Leibwache von Präsident Obama ihren Job verloren, sechs weitere sind vom Dienst suspendiert. Und auch das US-Militär ermittelt gegen elf seiner Soldaten. Nach Angaben von US-Ermittlern hatten rund 20 Kolumbianerinnen die Nacht im Fünfsternehotel der Agenten verbracht – weniger als 48 Stunden, bevor Obama in Cartagena zum Amerika-Gipfel erwartet wurde.

dapd/rub

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