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Waffennarr, Soldat, Einzelgänger

Nachbarn beschreiben den Schützen von Dallas als gutmütig. Allerdings war er von einer Kollegin in Afghanistan angezeigt worden.

In San Antonio hat ein Unbekannter auf das Polizeihauptquartier geschossen.
In San Antonio hat ein Unbekannter auf das Polizeihauptquartier geschossen.
Twitter / CNN
Ein Fotograf ging während der Schiesserei in Dallas hinter einem Auto in Deckung und musste mit einem Polizisten zwei Stunden lang ausharren.
Ein Fotograf ging während der Schiesserei in Dallas hinter einem Auto in Deckung und musste mit einem Polizisten zwei Stunden lang ausharren.
Robert Moore / Facebook
Nach den Schüssen auf die Polizisten sollen chaotische Zustände geherrscht haben: «Jeder fing einfach nur an zu rennen». (7. Juli 2016)
Nach den Schüssen auf die Polizisten sollen chaotische Zustände geherrscht haben: «Jeder fing einfach nur an zu rennen». (7. Juli 2016)
LM Otero, Keystone
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Nach und nach wird mehr über den 26-jährigen Armee-Veteranen bekannt, der in Dallas fünf Polizisten erschossen hat. Micah X. Johnson war ein Waffennarr, der nach mehreren Jahren Dienst für die US-Army offenbar vorzeitig aus einem Militäreinsatz in Afghanistan nach Hause geschickt wurde.

Eine Freundin, die mit ihm in einem Sandwichshop zusammengearbeitet hatte, beschreibt ihn in den «Dallas Morning News» als Waffennarr. Über seine Waffen habe er immer offen geredet und sie habe seine Gewehre und Pistolen auch gesehen. Polizisten gegenüber sei er misstrauisch gewesen. Johnson war Mitglied in einem Schützenverein und nahm oft an Schiessübungen teil, berichtet BBC.

«Sie mochten ihn nicht»

Nach seinem Schulabschluss im Jahr 2009 ging er im Alter von 19 Jahren ins Militär. Dort war er als Maurer und Schreiner tätig. Im November 2013 wurde er nach Afghanistan geschickt. Er soll aber nicht im Kampf eingesetzt worden sein, berichtet die «Washington Post».

Allerdings wurde er frühzeitig aus dem Einsatz nach Hause geschickt. Eine Soldatin hatte ihn wegen sexueller Belästigung angezeigt, ein Rayonverbot verlangt und gesagt, er brauche psychologische Hilfe. «Sie mochten ihn nicht, das wurde aus den Gesprächen mit seinem Kommandanten klar», sagt sein damaliger Militäranwalt Bradford in der «New York Times». Im April 2015 wurde Johnson schliesslich ehrenvoll aus dem Dienst entlassen, die Anzeige war kein Thema mehr.

Unpolitisch und gutmütig

Über das Privatleben des Schützen ist nicht viel bekannt. Seine Eltern liessen sich scheiden, als er vier Jahre alt war. Seine Mutter lebte in Mesquite, in einem Vorort von Dallas. Bei ihr wohnte Johnson nach seiner Rückkehr aus Afghanistan. Sein Vater lebt nicht weit davon entfernt in Garland. Johnson nahm bereits während seiner Schulzeit an militärischen Trainings teil.

Seine Schwester veröffentlichte nach der Tat auf Facebook eine Mitteilung – die sie später wieder löschte: «Ich sage mir immer wieder, es ist nicht wahr... Meine Augen schmerzen vom Weinen.» Befragte Personen beschrieben den 25-Jährigen laut Polizeiangaben als Einzelgänger, Freunde und Nachbarn nannten ihn unpolitisch und gutmütig.

Motiv soll Polizeigewalt gewesen sein

In seiner Wohnung fand die Polizei Waffen, Munition und paramilitärisches Material, auch zum Bombenbau, sowie eine Art Tagebuch zu Kampftechniken. Ausserdem seien afro-nationalistische Schriften aufgetaucht. Johnson sympathisierte mit mehreren radikalen afroamerikanischen Gruppierungen, wie aus seinem Facebook-Profil hervorgeht. Laut der Polizei war er ein Einzeltäter, ohne bekannte Verbindung oder Inspiration durch irgendeine internationale terroristische Gruppe.

Das Motiv für die Tat soll die in den vergangenen Jahren vielfach kritisierte Polizeigewalt gegen Schwarze sein. Der Verdächtige habe vor seinem Tod gesagt, er sei empört über die Tötung von Schwarzen durch Polizisten und er wolle Weisse töten, «vor allem weisse Polizisten», sagte der lokale Polizeichef David Brown.

Micah X. Johnson hatte an einer Kundgebung gegen Polizeigewalt in Dallas auf Polizisten geschossen. Fünf Beamte starben, sieben weitere und zwei Zivilpersonen wurden verletzt. Danach verschanzte er sich in einem Parkhaus und lieferte sich ein stundenlanges Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. Er wurde schliesslich von der Polizei mit einem mit sprengstoffbeladenen Roboter getötet.

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