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Vom Laufburschen zum blutrünstigen Mörder

Miguel Ángel Treviño verbreitete in Mexiko jahrelang Angst und Schrecken, nun wurde der Zeta-Chef in einer spektakulären Polizeiaktion gefasst. Wie er vom Kleinkriminellen zum brutalen Drogenboss wurde.

Von der mexikanischen Marine festgenommen: Drogenboss Miguel Ángel Treviño (Mitte) und seine Gehilfen Ernesto Reyes Garcia (links) und Abdon Federico Rodriguez Garcia (rechts).
Von der mexikanischen Marine festgenommen: Drogenboss Miguel Ángel Treviño (Mitte) und seine Gehilfen Ernesto Reyes Garcia (links) und Abdon Federico Rodriguez Garcia (rechts).
AP Photo/Mexikanische Marine
Hatte bei seiner Verhaftung zwei Millionen Dollar im Gepäck: Miguel Ángel Treviño. (16. Juli 2013)
Hatte bei seiner Verhaftung zwei Millionen Dollar im Gepäck: Miguel Ángel Treviño. (16. Juli 2013)
AFP
Begann seine Karriere als Laufbursche für Drogendealer: Treviño auf einem undatierten Bild.
Begann seine Karriere als Laufbursche für Drogendealer: Treviño auf einem undatierten Bild.
Keystone
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Seine Brutalität flösste sogar den härtesten Drogendealern in Mexiko Angst ein: Miguel Ángel Treviño, Chef des berüchtigten Drogenkartells Los Zetas, wurde heute an der mexikanischen Grenze zu Texas gefasst. Der Polizeieinsatz war spektakulär. Der 40-Jährige war mit zwei anderen Männern – offenbar einem Leibwächter und dem Finanzmanager des Kartells – in einem Pick-up auf einer Landstrasse unterwegs, als um 3.45 Uhr Ortszeit über ihm ein mexikanischer Militärhelikopter auftauchte. Dieser hat laut Berichten das Auto gestoppt, indem er vor ihm landete.

Ein Sprecher der mexikanischen Regierung wollte dies nicht bestätigen. Er sprach lediglich von einem «Manöver» des Helikopters, das den Wagen zum Anhalten gebracht habe. Drei Einsatzkräfte am Boden hätten Treviño und seine Begleiter schliesslich verhaftet. Im Wagen fanden die Ermittler acht Waffen, zwei Millionen Dollar in bar und mehrere Hundert Schuss Munition – trotzdem fiel bei der Verhaftung offenbar kein einziger Schuss.

Seine Brutalität sprach sich schnell herum

Der Aufstieg von Treviño alias Z-40 an die Spitze der Los Zetas begann dort, wo er heute gefasst wurde: in Nuevo Laredo, einer Stadt im äussersten Norden Mexikos, direkt an der Grenze zu den USA. Nirgends sonst werden so viele Drogen von Mexiko in den Norden geschafft wie hier. Und hier, in seiner Heimatstadt, stand Treviño schon als Teenager für die örtliche Drogengang Los Tejas im Einsatz. Er habe sich schnell hochgearbeitet, schreibt die britische Zeitung «The Guardian»: Vom Laufburschen, der Autos wusch und Einkäufe erledigte, wurde er zum Laufburschen, der Drogen über die Grenze brachte. In den späten 90ern trat er den Zetas bei, damals eine Gruppe desertierter Elitesoldaten, die dem Golf-Kartell – einem der ältesten mexikanischen Drogensyndikate – als Berufskiller und Bodyguards dienten.

Treviños Brutalität sprach sich unter seinen Gangkollegen, seinen Rivalen und in der Bevölkerung von Nuevo Laredo schnell herum. «Wenn du zu einem Treffen mit ihm gerufen wirst, kommst du nicht lebend zurück», soll ein US-Ermittler einst gesagt haben. Eine seiner beliebtesten Techniken, um Gegner zu töten, war laut Ermittlern der «Schmorbraten». Die Opfer wurden in mit Öl gefüllte Behälter gesteckt, mit Benzin übergossen und angezündet. Ausserdem soll Z-40 seine Opfer bei lebendigem Leib zerstückelt und ihnen anschliessend die Haut vom Gesicht gezogen haben, damit sie von ihren Angehörigen nicht identifiziert werden können. Er sei wohl der «blutrünstigste und herzlosestes Kriminelle Mexikos» gewesen, sagten US-Ermittler.

Er liebt Autorennen und Pferdewetten

2008 wurde Treviño von Heriberto Lazcano, dem damaligen Los-Zetas-Chef, nach Guatemala geschickt, um dort die lokalen Kartelle zu eliminieren und den Los Zetas die Kontrolle über die Schmuggelrouten zu sichern. Danach machte ihn Lazcano zu einem der wichtigsten Befehlshaber. Das habe in der von Ex-Soldaten gegründeten Organisation für viel Unmut gesorgt, vor allem da Treviño keinerlei militärische Erfahrung hat, schreibt der «Guardian». 2012 wurde Lazcano bei einer Schiesserei getötet, Treviño wurde zum neuen Kartellchef. Die Gerüchte, dass Treviño selbst seinen Ex-Chef ans Messer lieferte, halten sich hartnäckig: Die beiden waren seit Jahren zerstritten, unter anderem wegen Treviños brutalen Methoden. Letzten Sommer haben sich die Los Zetas deswegen sogar in zwei Fraktionen gespalten, kurz bevor Lazcano starb und Z-40 die Führung übernahm.

Treviño hat laut einem Bericht der «New York Times» elf Geschwister, fünf Bruder und sechs Schwestern. Mindestens sechs von ihnen seien ebenfalls in den Drogenhandel verwickelt, schreibt der «Spiegel». Einen Teil seiner Jugend verbrachte Z-40 in Dallas im US-Bundesstaat Texas, seine Mutter und zwei Geschwister sollen immer noch dort wohnen. Er liebt Autorennen, Pferdewetten und Raubtiere – einige davon liess er sich laut dem Bericht sogar aus Afrika in den Garten seines Anwesens liefern.

Für Hinweise zur Ergreifung Treviños hatte das US-Aussenministerium fünf Millionen Dollar als Prämie ausgesetzt, das mexikanische Militär weitere zwei Millionen Dollar. Er muss sich nun wegen Bandenkriminalität, mehrfachen Mordes, Drogenhandels, Folter und Geldwäsche verantworten. Nach Angaben der mexikanischen Regierung hat Treviño unter anderem die Entführung von 72 Einwanderern aus Zentral- und Südamerika im Jahr 2010 angeordnet, deren Leichen später gefunden wurden. Er soll auch für den Tod von 193 weiteren Einwanderern verantwortlich sein, die auf dem Weg zur US-Grenze ermordet wurden.

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