Vier Jahre für jungen Aargauer Prostituierten-Mörder

Ein heute 21-jähriger Schweizer hat 2008 in Aarau eine Prostituierte brutal vergewaltigt und getötet. Das Jugendgericht Lenzburg hat den jungen Aargauer wegen Mordes zur Maximalstrafe verurteilt.

Tatort: Der Verurteilte hat am 10. Februar 2008 eine Prostituierte in einem Erotiksalon beim Bahnhof Aarau erdrosselt. (Google Maps)

Ein heute 21-jähriger Schweizer, der als Minderjähriger 2008 in Aarau eine Prostituierte getötet hat, ist vom Jugendgericht Lenzburg AG wegen Mordes zur Maximalstrafe verurteilt worden. Das Jugendgericht wird zudem einen Fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) beantragen.

Das Jugendgericht sprach den Schweizer wegen Mordes, der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung schuldig. Das teilte das Gericht am Freitag mit. Der Prozess hatte am Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.

Behandlung der psychischen Strörung

Der Jugendliche habe «skrupellos, krass egoistisch und kaltblütig gehandelt». Dieses grosse Verschulden rechtfertige, die gemäss Jugendstrafgesetz vorgesehene Maximalfreiheitsstrafe von vier Jahren auszusprechen.

Das Jugendgericht ordnete zusätzlich eine geschlossene Unterbringung und eine weitere Behandlung der psychischen Störungen an. Mit der Maximalstrafe von vier Jahren ging das Jugendgericht über den Antrag der Anklage hinaus, die drei Jahre und 9 Monate gefordert hatte.

Prostituierte erdrosselt

Der Verurteilte gestand, am frühen Morgen des 10. Februar 2008 eine 40-jährige Prostituierte aus Deutschland in einem Erotiksalon beim Bahnhof Aarau erdrosselt zu haben. Er misshandelte die Frau brutal und vergewaltigte sie. Er war zur Tatzeit erst 17 Jahre alt.

Der Verurteilte hatte eine schwierige Kindheit und Jugend, wie das Gericht in der Begründung des Urteils feststellte. Ebenfalls leicht strafmindernd berücksichtigt worden sei sein Geständnis und die Tatsache, dass bei ihm gemäss Gutachten eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit vorliege.

Das Jugendgericht entschied auch über die Zivilforderungen. Der Verurteilte muss den Hinterbliebenen des Opfers eine Genugtuung von insgesamt 165'000 Franken bezahlen.

Täter kommt nicht auf freien Fuss

Der Schweizer befindet sich seit seiner Festnahme fünf Tage nach dem Mord in einer geschlossenen Institution. Die Massnahme und Jugendstrafe wird er im kommenden Jahr verbüsst haben. Gemäss Jugendstrafgesetz enden nämlich alle Massnahmen mit Vollendung des 22. Altersjahres.

Zur Gewährung der öffentlichen Sicherheit wird das Jugendgericht in Absprache mit der Jugendanwaltschaft beim Bezirksamt Lenzburg die Anordnung eines Fürsorgerischen Freiheitsentzuges (FFE) beantragen. Mit anderen Worten: Der Verurteilte soll nach dem 22. Altersjahr nicht automatisch auf freien Fuss kommen.

Bundesrat will höhere Altersgrenze

Die Regelung mit der Altersgrenze von 22 Jahren ist seit 2007 in Kraft. Zuvor war bei schwierigen Fällen eine Massnahme bis zum 25. Altersjahr möglich. Der Bund möchte das Jugendstrafrecht daher ändern und die Altersgrenze «entsprechend den Bedürfnissen der Praxis» wieder erhöhen.

Gemäss Bundesrat müssen einzelne Jugendliche aus dem Massnahmenvollzug entlassen werden, obwohl ihnen die für ein geordnetes Leben erforderlichen Grundlagen nicht vollständig vermittelt werden konnten.

Der Bundesrat plant, die Änderung im kommenden Jahr ins Parlament zu bringen. Gleichzeitig soll das Strafrecht für Erwachsene verschärft werden. Der Bundesrat will die 2007 eingeführten bedingten Geldstrafen abschaffen und die kurzen Freiheitsstrafen wieder einführen.

wid/sda

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