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Vier Jahre für Hersteller von Billigbrustimplantaten

Hunderttausenden Frauen wurde hausgemachtes Billigsilikon implantiert – betroffen sind auch 280 Schweizerinnen. Jetzt verurteilte ein Marseiller Gericht den Gründer des französischen Unternehmens PIP.

«Jahrelang bewusst getäuscht»: Jean-Claude Mas vor dem Gericht in Marseille.
«Jahrelang bewusst getäuscht»: Jean-Claude Mas vor dem Gericht in Marseille.
Guillaume Horcajuelo

Im ersten Strafprozess um den weltweiten Verkauf von Brustimplantaten aus Billigsilikon ist der Gründer des französischen Herstellerunternehmens PIP zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Jean-Claude Mas hatte seine Kunden jahrelang bewusst getäuscht, entschied ein Gericht im südfranzösischen Marseille.

Das Gericht verurteilte den 74 Jahre alten Mas am Dienstag über die Gefängnisstrafe hinaus zu einer Geldstrafe von 75'000 Euro. Er erhielt zudem Berufsverbot. Die Mitarbeiter bekamen Haftstrafen zwischen 18 Monaten und drei Jahren, zum Teil auf Bewährung ausgesetzt.

«Enttäuscht, aber nicht überrascht»

Der Anwalt von Mas kündigte direkt nach dem Urteil Berufung an. Er sei über das Urteil «enttäuscht, aber nicht überrascht», sagte Anwalt Yves Haddad. Wegen der Berufung und weil das Gericht keine sofortige Vollstreckung der Haftstrafe anordnete, bleibt Mas vorläufig auf freiem Fuss. «Das macht wütend», kommentierte die Französin Alexandra Blachère, ein Opfer der Täuschung des mittlerweile insolventen Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP), die Entscheidung. Nun beginne das Warten auf das nächste Verfahren.

Mas hatte zugegeben, die Brustimplantate mit einem nicht zugelassenen, billigeren Industriesilikon gefüllt zu haben. Die Einlagen reissen schneller und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht. Mas bestritt aber vor Gericht eine Gesundheitsgefährdung durch die Einlagen.

«Für die Opfer war es eine grosse Erleichterung, endlich gehört und anerkannt zu werden», kommentierte Geschädigtenanwalt Philippe Courtois. Schadenersatz von Mas selbst können die Opfer vermutlich nicht erwarten. Zum Prozessauftakt hatte der Franzose angegeben, Rentner zu sein und lediglich 1800 Euro im Monat zur Verfügung zu haben.

280 Frauen in der Schweiz

Der Skandal war 2010 aufgeflogen, nachdem sich Hinweise auf die erhöhte Reissanfälligkeit gehäuft hatten. Behörden mehrerer Länder empfahlen deswegen in einer beispiellosen Aktion ein vorsorgliches Herausoperieren der Implantate.

Weltweit implantierten Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausenden Frauen Silikonkissen des mittlerweile insolventen Unternehmens PIP. Mehr als 7000 von ihnen traten in dem ersten Strafprozess als Nebenkläger auf.

Die minderwertigen Brustimplantate wurden weltweit verkauft, vor allem in Südamerika, Grossbritannien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich und Belgien. In der Schweiz wurden 280 Frauen Billigprothesen implantiert.

Experten erwarten, dass sich die juristische Aufarbeitung des Skandals noch lange hinziehen könnte. So sind die Ermittlungen zu Straftatbeständen wie Körperverletzung und Insolvenzbetrug noch im Gange.

(SDA)

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