Videos zeigen Polizeigewalt in Wien

Ein Handy-Video sorgt in den sozialen Medien für Empörung. Es zeigt, wie ein Beamter wiederholt auf einen Mann einschlägt.

Der fragliche Beamte wurde zwischenzeitlich in den Innendienst versetzt. (Video: Tamedia)

Zwei kurze Videos zeigen, wie brutal die Polizei in Wien gegen unbewaffnete Demonstranten vorging. Ein Video, das am Wochenende bei Twitter veröffentlicht wurde, zeigt mehrere Polizisten, die einen Demonstranten festhalten, während ein anderer Polizist auf ihn einschlägt. Dazu ruft jemand, vermutlich aus Kreisen der Polizisten: «In die Nieren! In die Nieren!» Um die Szenerie herum stehen mehrere weitere Polizisten, die sich demonstrativ wegdrehen und den Vorfall dadurch vor Blicken abschirmen.

Der Einsatz erfolgte nach einer Klima-Demonstration am vergangenen Freitag, als etwa einhundert Aktivisten die Wiener Ringstrasse blockierten. Ein weiteres Video von derselben Kundgebung zeigt zwei Polizisten, die einen Demonstranten zu Boden werfen und seinen Kopf vor das Hinterrad eines Polizeiautos halten. Als das Auto wegfährt, zerren sie den Mann in letzter Sekunde vom Reifen weg. In sozialen Medien wird dieser Vorfall auch als «Scheinhinrichtung» bewertet. Die Medienstelle der Polizei weist das als «absurde Anschuldigungen» aufs Schärfste zurück.

Polizei kritisiert Medien

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in Wien haben inzwischen Untersuchungen über «die Rechtmässigkeit und Verhältnismässigkeit» des Vorgehens eingeleitet. Auch die beteiligten Beamten konnten bereits ermittelt werden. Der Polizist, der dem Mann die Faustschläge verpasst hat, wurde vorübergehend in den Innendienst versetzt.

In einer ersten Stellungnahme machte die Medienstelle der Wiener Polizei allerdings die Medien dafür verantwortlich: Ihre Darstellungen der Ereignisse sei teilweise weder objektiv noch «faktenbasiert». Im österreichischen Fernsehen erklärte der Vizepräsident der Wiener Polizei, Michael Lepuschitz, dass die Anwendung von Körperkraft notwendig gewesen sei, da sich die zwei Personen gegen ihre Verhaftung gewehrt hätten. Ausserdem: «Solche Bilder können täuschen, man muss immer den Blickwinkel sehen.» Alle Parlamentsparteien verlangen die Aufklärung der Vorfälle durch eine unabhängige Instanz.

Klimademo mit 5000 Teilnehmern

Bei der der Klimademo in Wien gingen am vergangenen Freitag laut Polizeirund 5000 Teilnehmer auf die Strasse. Nach der offiziellen Demonstration sind rund 100 Aktivisten zur Aspernbrücke weitergezogen und haben dort Pyrotechnik abgebrannt und Sitzblockaden veranstaltet. Dort soll auch das Video entstanden sein.

bo/ap

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