Unwetter-Millionen lasten auf Schangnau

Mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich rechnet die Emmentaler Gemeinde. Wer soll das nur bezahlen?

  • loading indicator
Philippe Müller

Der Sonnenschein gestern Morgen schuf im verwüsteten Bumbach in der Berner Gemeinde Schangnau beinahe eine versöhnliche Stimmung. Vor allem aber sorgten die Sonnenstrahlen und die zunächst stabile Wetterlage dafür, dass die Aufräumarbeiten rasch voranschritten. Der Schaden, den die Wassermassen ab letztem Donnerstag angerichtet haben, ist immens. Die Stahlträger und die Betonfundamente der ehemaligen Roseggbrücke liegen verbogen in der Emme und lassen erahnen, mit welcher Kraft die Natur zugeschlagen hat. Mit Baugeräten wurden die Brückenreste im Verlauf des Tages aus dem Flussbett entfernt. Insgesamt standen gestern 150 Helfer, hauptsächlich bestehend aus Feuerwehrleuten und Zivilschützern, im Einsatz.

Erstmals vor Ort waren am Montagmorgen Vertreter der Schweizer Armee. Ab heute Dienstag wird das Militär als Ersatz für die Roseggbrücke eine Notbrücke installieren, die voraussichtlich in der zweiten Wochenhälfte befahrbar sein wird. Zuerst hatte es danach ausgesehen, dass die Notbrücke erst im August würde montiert werden können. Dass die Installation nun trotzdem so schnell möglich ist, hat mit dem Insistieren der Gemeinde Schangnau zu tun.

«Wenn es auf der Roseggseite beispielsweise brennen sollte, hätten wir im Moment keine Chance, die Emme vom Dorf her mit schweren Löschfahrzeugen zu überqueren», sagte Gemeindepräsident Ulrich Gfeller. Deshalb habe man gemeinsam mit der Armee nach einer schnelleren Lösung gesucht und habe sich für ein anderes Brückensystem entschieden, dass sofort verfügbar sei. «Wir sind der Armee sehr dankbar für die grosse und rasche Hilfe.» Die Notbrücke ist für Fahrzeuge bis zu einem Gewicht von 40 Tonnen ausgelegt.

Die finanziellen Sorgen

Trotz der Anspannung und der Angst vor weiteren Niederschlägen macht sich Gemeindepräsident Gfeller schon Gedanken über die nahe Zukunft und nicht zuletzt auch über die finanzielle Dimension des Unwetters. Alleine die Gebäudeschäden werden von der Gebäudeversicherung auf rund 4 Millionen Franken geschätzt. Gfeller geht jedoch nicht davon aus, das dies den Hauptteil der Gesamtkosten ausmacht. «Insgesamt wird das Unwetter wohl einen höheren zweistelligen Millionenbetrag verschlingen.» Welche Kosten auf die Gemeinde Schangnau zukommen, lasse sich noch nicht abschätzen. Gfeller rechnet allerdings mit «einem happigen Betrag». Vor allem die Wasserbauarbeiten seien sehr umfangreich. «Damit das Ganze für unsere kleine Gemeinde verkraftbar bleibt, hoffe ich auf die finanzielle Unterstützung von Bund und Kanton.»

Rega versorgte Kühe mit Heu

Problematisch war die Situation übers Wochenende kurzzeitig für die Kühe auf der Alp Söiberg, weil sie über die Landverkehrswege nicht mehr erreichbar waren. Wie Ulrich Gfeller gestern sagte, habe die Rettungsflugwacht die Situation entschärft, indem sie Heu auf die Alp geflogen und die Kühe dadurch mit genügend Futter versorgt habe. «Von weiteren Tieren in Not ist mir nichts bekannt.»

Mit einem blauen Auge davon gekommen sind die Gäste des Campingplatzes Bumbach, der direkt am Ufer der Emme liegt: Zwar haben die Wassermassen die erste Reihe der Ferienhäuschen überschwemmt und mit Schlamm gefüllt, ansonsten wurde der Platz mehrheitlich verschont. Wie Mitbesitzer Hans Reber auf Anfrage sagte, sei eine Familie wegen des Einsturzes der Roseggbrücke mit ihrem Wohnwagen nicht mehr weggekommen. «Sie haben nun ihre Ferien verlängert und sind geblieben.»

Ein kleinerer Camping-Bus habe das Gelände auf anderem Weg verlassen können. «Wir mussten mehreren Gästen aus dem In- und Ausland absagen, die für die nächsten Tage bei uns reserviert hatten», so Reber. Auch er wird froh sein, wenn die Notbrücke befahrbar ist.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt