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Totgeglaubte zahlen länger

Nach einem harmlosen Velounfall galt eine junge Frau bei ihrer Krankenkasse zwei Jahre lang als tot. Wieder unter den Lebenden sollte sie plötzlich über 2000 Franken nachbezahlen.

«Tot gemacht»: Die junge Zürcherin war für die Versicherung für zwei Jahre inexistent.
«Tot gemacht»: Die junge Zürcherin war für die Versicherung für zwei Jahre inexistent.
Ausriss «Blick»

Die Geschichte fällt ohne Zweifel in die Kategorie «Kurioses»: Die 18-jährige Goldie Jungen, Detailhandelsangestellte am Flughafen Zürich, lebt im zürcherischen Dänikon ein ganz normales Teenagerleben. Was sie nicht weiss: Sie gilt seit zwei Jahren als tot.

Als Goldie Jungens Mutter im letzten Jahr bei der Krankenkasse Concordia sich über eine neue Police für ihre soeben volljährig gewordene Tochter erkundigte, hiess es am anderen Ende der Leitung: «Ihre Tochter ist tot.» Ein Schock für Mutter und Tochter zugleich, zumal sich Goldie Jungen bester Gesundheit erfreut, wie «Blick» in seiner heutigen Ausgabe schreibt.

«Administrativer Fehler»

Bei der Concordia ging man darauf der Sache nach und fand den Grund für den makabren Irrtum: Im Februar 2008 hatte die junge Frau einen Velounfall. Sie musste von der Rega ins Spital geflogen werden, wo nur leichte Verletzungen festgestellt und behandelt wurden. Doch die medizinische Bagatelle verkam zum GAU.

Denn statt von leichten Verletzungen war im Bericht der Rega an die Krankenkasse von ganz anderem die Rede: «Als unser Notarzt beim Patienten eintraf, konnte nach kurzer Zeit nur noch der Tod festgestellt werden.»

Gegenüber «Blick» bestätigt eine Rega-Sprecherin den Fauxpas: «Irrtümlicherweise» sei bei der Meldung per Standardbrief «ein administrativer Fehler» unterlaufen. Die Rega gibt sich selbstkritisch: «Dies darf nicht geschehen.»

Prämien nachbezahlen

Der zweite Fehler: Die Concordia leitete umgehend den Austritt Goldie Junges aus der Krankenversicherung ein. Ohne vorher je eine amtliches Dokument gesehen oder sich bei den Betroffenen informiert zu haben.

Der Mutter fiel indessen nicht auf, dass die Prämienrechnung tiefer ausfiel. Zumal sie für die Familie immer wieder Prämienverbilligungen beanspruchen konnte. Ferner musste Goldie in den vergangenen Jahren keine Leistungen einfordern.

Obwohl Concordia den eigenen Fehler einsah und sich entschuldigte, blieb sie zunächst wenig kompromissbereit: In einem höflich formulierten Brief forderte sie von der Familie Jungen die entgangenen Prämien des letzten Jahres, immerhin 2374.20 Franken. Die Tochter müsse per Gesetz grundversichert sein, weshalb man die Prämien rückwirkend einfordere, man möge die Unannehmlichkeiten entschuldigen.

Kasse zeigt Goodwill

Auf den Protest der Mutter reagierte Concordia, indem sie mit Betreibung drohte. Erst als sich der «Blick» einschaltete, zeigte die Versicherungsgesellschaft Herz und verzichtete auf die Prämien. Direktionsmitglied Mark Glutz schrieb dem Blatt: «Wir möchten Goldie Jungen mit diesem Entscheid unseren Goodwill zeigen und uns für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.»

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