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Tödlicher Babyschoppen – Freispruch für Mutter

Ein siebenmonatiges Mädchen starb im Mai 2009 an einem Drogenmix im Schoppen. Auch nach dem heutigen Prozess in St. Gallen ist nicht klar, ob das Baby umgebracht wurde.

vin

Eine junge Mutter stand am Montag vor dem Kreisgericht St.Gallen, weil ihr vorgeworfen wurde, ihr sieben Monate altes Kind mit Heroin im Schoppen getötet zu haben. Die 25-jährige Frau bestritt die Tat – am Ende erhielt sie einen Freispruch. Die Beschuldigte hatte vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sie habe ihre Tochter geliebt und ihr nie Schaden zugefügt. Sie habe gehofft, dass sie mit dem Kind und ihrem damaligen Freund eine Familie sein könne. Vielleicht habe sie naiv an die Liebesbeziehung geglaubt, doch habe sie niemals das eigene Baby geopfert, betonte sie.

Die Anklage hatte der Frau vorgeworfen, sie habe in der Nacht auf den 9. Mai 2009 ihr Baby bewusst mit Drogen im Schoppen getötet, damit sie ungestört das Zusammensein mit dem Freund pflegen könne. Der Staatsanwalt beschrieb die Liebesbeziehung als einseitig obsessiv. Während sie von ihm besessen gewesen sei, habe er weiterhin engen Kontakt mit seiner früheren Lebenspartnerin gehabt, mit der er ein Kind habe.

Mord, vorsätzliche oder fahrlässige Tötung

Die Beschuldigte habe sehr unter diesem Zustand gelitten, sei depressiv gewesen und habe stark abgenommen. Der Staatsanwalt stellte einen dreiteiligen Strafantrag. Er gehe davon aus, dass die Frau das Kind bewusst habe beseitigen wollen.

Möglicherweise sei jedoch ihre Absicht gewesen, es lediglich ruhig zu stellen oder aber mit dem Töchterchen einen erweiterten Suizid zu begehen. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass die Beschuldigte wegen Mordes, vorsätzlicher Tötung oder fahrlässiger Tötung verurteilt werden muss.

Auch Freund könnte Täter sein

Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Für eine Verurteilung fehlten jegliche Beweise. Niemand wisse, was sich zugetragen habe. Die Version der Anklage mit den Drogen im Schoppen sei nicht bewiesen. Es gebe eine Fülle anderer Möglichkeiten, weshalb das Baby an der Drogenvergiftung gestorben sei.

Auch der Freund komme als Täter in Frage. Da dieser schwer drogenabhängig sei, könne man zudem nicht ausschliessen, dass das Heroin aus Versehen mit einem kontaminierten Löffel oder Essgeschirr in den Körper des Kindes gelangt sei. Das Baby sei nachweislich nicht vernachlässigt gewesen, was auf einen liebevollen Umgang der Mutter mit dem Kind hindeute.

Beweislage genügt nicht

Das Kreisgericht St. Gallen fällte einen Freispruch. Es könne nicht mit Sicherheit sagen, was in jener Nacht wirklich passiert sei. Die Beweislage genüge für eine Verurteilung nicht. Sicher aber sei, dass der Tod des Kindes eine Tragödie sei.

(SDA)

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