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Verfahren der Staatsanwaltschaft gegen Aargauer Tierquäler

Die Behörden sind nun gegen den 57-Jährigen aus Oftringen vorgegangen. Für einige Dorfbewohner ist das viel zu spät.

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Ein Bild des Grauens: Ein totes Schaf auf dem Land in Oftringen. (Handout Kapo Aargau/Keystone)
Ein Bild des Grauens: Ein totes Schaf auf dem Land in Oftringen. (Handout Kapo Aargau/Keystone)

Mehrere tote und bereits verweste Tiere, andere Tiere in miserablem Zustand – der Fund, den die Kapo Aargau am Dienstag in Oftringen gemacht hatte, führte zur Verhaftung eines 57-jährigen Schweizers. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm eröffnete in der Folge ein Verfahren gegen den Mann wegen mehrfacher Tierquälerei. Sie wird beim Zwangsmassnahmengericht als Ersatzmassnahme ein Tierhalteverbot beantragen.

Der Beschuldigte ist wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz vorbestraft. Er wurde im Juli 2019 von der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Im November 2019 erging ein weiterer Strafbefehl, gegen den Einsprache erhoben wurde.

Der Beschuldigte machte bei der Einvernahme geltend, durch die langjährige und intensive Pflege seiner hochbetagten Mutter sowie deren kürzlichen Tod mit der Tierhaltung überfordert gewesen zu sein.

Die Staatsanwaltschaft will umgehende ans Zwangsmassnahmengericht gelangen und beantragen, dass dem Beschuldigten untersagt wird, Tiere zu halten. Es gilt laut Angaben der Staatsanwaltschaft vom Donnerstag die Unschuldsvermutung.

Nicht zur Einvernahme erschienen

Am Dienstag hatte die Kantonspolizei Aargau nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm in Oftringen einen Tierhalter festgenommen, nachdem auf seinem Grundstück etliche tote und teilweise in sehr schlechtem Zustand befindliche Tiere festgestellt werden konnten.

Der Beschuldigte war zuvor im Zusammenhang mit einer Anzeige wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz am Montag nicht zu einer Einvernahme bei der Kantonspolizei erschienen, so dass die Staatsanwaltschaft einen Vorführbefehl ausgestellte.

Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, handelt es sich beim festgenommenen Mann nicht um einen Bauern, sondern um eine Privatperson, die im Besitz von Landwirtschaftsland ist.

Der Tierhalter fiel in der Bevölkerung schon mehrmals negativ auf. So berichtete der Privatsender Tele M1 Ende des vergangenen Jahres über ein totes Lamm, das tagelang auf der Weide in Oftringen gelegen hatte. Und das sei gemäss Zeugen kein Einzelfall gewesen. So seien auch hinkende Schafe oder Tiere, die auf dem Misthaufen nach Nahrung suchten, beobachtet worden. «Der Tierhalter ist bereits seit längerem beim Veterinärdienst aktenkundig. Er wurde auch regelmässig kontrolliert», wird Alda Breitenmoser, Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz im Departement Gesundheit und Soziales, in der Zeitung zitiert.

Schon früher seien Beanstandungen, Verfügungen und Strafanzeigen gegen den Mann eingegangen. Pikant ist, dass die letzte Kontrolle des Veterinäramtes erst im letzten Dezember stattgefunden hat. Damals habe man Mängel festgestellt, aber nicht an Tieren, erklärt Breitenmoser. Diese Mängel habe der Tierhalter behoben. «Dass sich die Situation so entwickelt hat, ist für uns auch überraschend.»

Haben die Behörden zu lange zugeschaut?

In Oftringen sei man über das Ausmass der Tragödie geschockt, schreibt 20min.ch. Dass auf dem Hof etwas schieflaufe, hätten Einheimische schon seit langem geahnt: «Es war hier allen klar, dass diese Tiere unter miserablen Umständen gehalten werden», sagt ein Anwohner. «Wir beschwerten uns bei der Behörde mehrfach wegen der Tiere. Auch wegen des Gestanks, der vom Anwesen ausging, haben wir mehrfach Meldung gemacht», sagt ein Nachbar. Mehrere Dorfbewohner werfen nun den Ämtern vor, zu lange weggeschaut zu haben. Sie fragen sich, warum die Behörden erst jetzt rigoros durchgegriffen haben.

Die Gemeinde Oftringen weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück: «Die Missstände waren auch uns bekannt. Doch man muss wissen: Eine Aktion, wie die vom Dienstagabend, kann nur der Kanton durchsetzen. Wir als Gemeinde können uns nur auf das Baugesetz berufen», sagt Gemeindeammann Hanspeter Schläfli. Als im Herbst gemunkelt wurde, auf dem Hof seien zu viele Hühner untergebracht, sah man eine Option zu handeln. «Da wollten wir mittels Baugesetz die Hühner beschlagnahmen», rapportiert der Gemeindeammann. Der Mann, dem man das Vorhaben von Gesetzes wegen habe ankündigen müssen, habe diese Aktion aber umgehend sabotiert: «Als wir auf dem Hof eintrafen, waren da keine Hühner mehr vorzufinden», sagt Schläfli. So seien ihnen erneut die Hände gebunden gewesen.

Schläfli sei nun aber erleichtert, dass auf kantonaler Ebene etwas passiert sei. Endlich sei es dem Kanton mithilfe der Staatsanwaltschaft gelungen, etwas gegen den Missstand zu unternehmen.

(SDA)

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