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Tattoos und Zahnfüllungen, um die Opfer zu identifizieren

Besuch im Labor nahe Paris, wo Forensiker versuchen, Leichenteile den Opfern des Germanwings-Absturzes in den französischen Alpen zuzuordnen.

Hier werden die DNA der Leichenteile analysiert, die bei der Absturzstelle der Germanwings-Maschine gefunden werden: Forensiker im Kriminalinstitut der französischen Gendarmerie in Pontoise nordwestlich von Paris. (30. März 2015)
Hier werden die DNA der Leichenteile analysiert, die bei der Absturzstelle der Germanwings-Maschine gefunden werden: Forensiker im Kriminalinstitut der französischen Gendarmerie in Pontoise nordwestlich von Paris. (30. März 2015)
Christophe Ena, Reuters
«Einen Körper an seine Familie zurückgeben zu können, das heisst, die Trauerarbeit beginnen zu können, die so wichtig ist, um im Leben weitergehen zu können»: Der Chef des Kriminalinstitutes, François Daoust. (30. März 2015)
«Einen Körper an seine Familie zurückgeben zu können, das heisst, die Trauerarbeit beginnen zu können, die so wichtig ist, um im Leben weitergehen zu können»: Der Chef des Kriminalinstitutes, François Daoust. (30. März 2015)
Christophe Ena, Keystone
Zwei bis vier Monate wird es dauern, bis Resultate vorliegen: Ein Forensiker im Kriminalinstitut in Pontoise. (30. März 2015)
Zwei bis vier Monate wird es dauern, bis Resultate vorliegen: Ein Forensiker im Kriminalinstitut in Pontoise. (30. März 2015)
Christophe Ena, Keystone
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Der Kontrast zum Chaos des Trümmerfeldes in den Bergen könnte kaum grösser sein. In einem penibel sauberen Laborraum hinter einer Luftschleuse füllt ein Mann im weissen Ganzkörper-Schutzanzug mit den immer gleichen Handbewegungen Flüssigkeit aus Pipetten in Röhrchen. Wissenschaftliche Routinearbeit, die dafür sorgen soll, dass die Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes ihre Toten begraben können. Denn hier im Kriminalinstitut der französischen Gendarmerie in Pontoise nordwestlich von Paris analysieren Experten die DNA der Leichenteile, die am Unglücksort gefunden wurden.

François Daoust hält sich militärisch stramm in seiner blauen Colonel-Uniform; nur die Plastik-Überzüge an seinen schweren Gendarmerie-Schuhen, die Dreck aus dem Labortrakt fernhalten sollen, passen nicht so recht ins Bild. Der Leiter des Instituts ist überzeugt, dass die Arbeit seiner Leute für viele Hinterbliebene sehr wichtig ist: «Einen Körper an seine Familie zurückgeben zu können, das heisst, die Trauerarbeit beginnen zu können, die so wichtig ist, um im Leben weitergehen zu können.»

Am 24. März 2015 zerschellte Germanwings-Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf auf dem Gebiet der Gemeinde Prads-Haute-Bléone im südfranzösischen Département Alpes-de-Haute-Provence. (25. März 2015)
Am 24. März 2015 zerschellte Germanwings-Flug 9525 von Barcelona nach Düsseldorf auf dem Gebiet der Gemeinde Prads-Haute-Bléone im südfranzösischen Département Alpes-de-Haute-Provence. (25. März 2015)
Reuters
Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben.
Alle 150 Insassen kamen dabei ums Leben.
Reuters
... und untersuchen die Wrackteile. (25. März 2015)
... und untersuchen die Wrackteile. (25. März 2015)
AP Photo
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Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Zwei bis vier Monate werde es wohl mindestens dauern, bis die Ergebnisse vorliegen, so Daoust. «Die Untersuchungen dauern sehr lang, weil es enorm viele Analysen zu machen gibt.» 31 Experten des Instituts arbeiten in einem mobilen Labor nahe des Absturzortes: Biologen, Rechtsmediziner, Zahnexperten und Spezialisten für Fingerabdrücke. Sie nehmen auch eine winzige Gewebeprobe von jedem gefundenen Leichenteil und schicken sie nach Pontoise - etwa 400 Proben sind dort bereits analysiert worden. Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin hatte am Sonntag berichtet, dass dabei 78 verschiedene DNA-Spuren gefunden wurden. Das wären etwas mehr als die Hälfte der 150 Toten.

Der Mann im Schutzanzug hantiert immer noch mit seinen Röhrchen. «In diesem Zimmer tragen wir die Chemie auf, die nötig ist, um die DNA zu vervielfältigen, was uns schliesslich (...) die Identifizierung der Opfer erlaubt», erklärt Francis Hermitte vom genetischen Analyse-Dienst. Im gleichen Labor seien im vergangenen Jahr die Leichenteile der Opfer eines in Mali abgestürzten Air-Algérie-Flugzeuges untersucht worden. «Also haben wir bereits die Erfahrung, mit einer solchen Katastrophe umzugehen», so Hermitte.

Doch dies ist nur der erste Schritt. Denn um die Überreste zuordnen zu können, braucht es Vergleichsdaten. Polizisten in den Heimatländern der Toten fragen nach deren Haar- oder Zahnbürsten, an denen sich Erbgut nachweisen lassen könnte, oder bitten deren Eltern und Kinder um DNA-Proben.

Auch Informationen über Tattoos, Piercings oder Zahnfüllungen können helfen. Etwa 60 solche Dossiers sind bereits in Frankreich eingetroffen. In Rosny-sous-Bois - einem anderen Pariser Vorort östlich der Hauptstadt - wertet ein weiteres Team die Daten aus. Wegen der vielen deutschen und spanischen Opfer sind Experten aus beiden Ländern vor Ort, ausserdem sind vier Interpol-Mitarbeiter dabei.

Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Die Spurensicherung und die Bergung der sterblichen Überreste der Opfer gehen weiter: Ein Helikopter der Gendarmerie überfliegt Seyne-les-Alpes in der Nähe der Absturzstelle. (28. März 2015)
Jeff Pachoud, AFP
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Hier wurde Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz behandelt: Schild vor dem Universitätsklinikum Düsseldorf. (27. März 2015)
Patrik Stollarz, AFP
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
Germanwings und andere Airlines haben ihre Logos auf Twitter und Facebook als Reaktion auf das Unglück schwarz eingefärbt. (24. März 2015)
AFP
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Unglücksfälle dieses Ausmasses sind auch für die Profis der Gendarmerie eine Belastung. Nicht nur für das Team in den Alpen gibt es psychologische Betreuung: Sich mit den Familien und den Dossiers zu beschäftigen, schaffe eine «echte Empathie», sagt Daoust - und auch die müsse begleitet werden.

Ob am Ende alle Opfer gefunden werden können, ist angesichts der Wucht des Aufpralls in das zerklüftete Bergmassiv unklar. «Wir hoffen es natürlich», betont Daoust. Beim Air-Algérie-Absturz im vergangenen Jahr habe sein Team 115 von 116 Toten identifiziert. Ein Toter blieb verschollen. Deshalb sei er sehr vorsichtig, falsche Versprechungen zu machen.

Vor allem aber will er sich nicht zur Eile drängen lassen. «Es ist besser im Rhythmus der Wissenschaft zu arbeiten, als zu überstürzen und damit das Risiko einzugehen, sich bei der Identifizierung zu irren.»

SDA/thu

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