Zum Hauptinhalt springen

Schwere Vorwürfe gegen den Circus Royal

Angestellte bemängeln die Zustände im Thurgauer Traditionsbetrieb. Der Direktor ist derweil untergetaucht.

Der Circus Royal sieht einer unbestimmten Zukunft entgegen. Bild: Moritz Hager
Der Circus Royal sieht einer unbestimmten Zukunft entgegen. Bild: Moritz Hager

Es ist ein weiterer Schlag für die hiesige Zirkuslandschaft. Der Circus Royal, laut eigenen Angaben der zweitgrösste Zirkus der Schweiz, sieht sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert: Misswirtschaft, Vernachlässigung von Tieren, Schwarzarbeit und Nichtzahlung von Salären. Das machte das «St. Galler Tagblatt» am Montagmorgen publik.

Mehrere Mitarbeiter schilderten gegenüber der Zeitung die Zustände im Zirkus und äusserten Kritik – vor allem gegenüber Zirkusdirektor Oliver Skreinig. Dieser sei zusammen mit seiner Sekretärin in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verschwunden. Jetzt steht der Zirkus, der dieses Jahr sein 56-jähriges Bestehen feierte, vor dem Aus.

Direktor soll Lügen aufgetischt haben

Die durchschnittlich 450 Zuschauer pro Vorstellung, die der Zirkus online anpreist, waren offenbar schon länger Geschichte. «Wenn wir 50 Leute im Zelt hatten, waren wir hochzufrieden», sagt eine Artistin gegenüber der Zeitung. Rund 15 Leute hätten die letzte Show in Dornbirn noch besucht.

Dass es dem Zirkus finanziell schlecht ging, wussten offenbar alle. «Es war schnell klar, dass dem Zirkus das Geld fehlt, um uns zu bezahlen. Aber statt das transparent zu machen und die Tournee abzubrechen, machte der Direktor uns leere Versprechen, tischte Lügen auf, um uns zu vertrösten», erzählt ein Artist.

Einige Angestellte hätten bis heute keinen Lohn für die diesjährige Saison erhalten, andere nur unregelmässig. Die Betroffenen hätten sich bereits an das RAV, die Stadt Kreuzlingen, wo der Zirkus beheimatet ist, und an das Thurgauer Migrationsamt gewandt, um doch noch an ihr Geld zu kommen.

Hat die Flucht ergriffen: Zirkusdirektor Oliver Skreinig. Bild: Walter Bieri, Keystone
Hat die Flucht ergriffen: Zirkusdirektor Oliver Skreinig. Bild: Walter Bieri, Keystone

Ein Artist beteuert, Zirkusdirektor Skreinig sei kein schlechter Mensch, er habe keine bösartigen Absichten gehabt. «Aber er ist unfähig und hat mit seiner Arbeitsweise den guten Namen des Circus Royal ruiniert.»

Vier illegale Arbeiter verhaftet

Die Zirkusdirektion habe Artisten unter Vortäuschung falscher Tatsachen angeheuert, um sie dann hinter der Bar oder als Plakateure arbeiten zu lassen. Eine Sängerin sei für die Reinigung der Toiletten zuständig gewesen, berichtet ein Zirkusangestellter. Man habe immer wieder erfolglos das Gespräch mit dem Direktor gesucht. «Wir wurden stets vertröstet, warten immer noch auf unser Geld.»

Andere seien währenddessen illegal beim Zirkus angestellt worden. So etwa vier Moldauer, die im September für den Aufbau des Zeltes in Kreuzlingen verantwortlich waren. Das Arbeitsinspektorat und die Polizei verhafteten die vier Männer ohne gültige Arbeitsbewilligung. Die Artisten hätten daraufhin das Zelt selbst auf- und abbauen müssen.

Zirkus wegen Tierhaltung gebüsst

Auch die Zirkustiere sollen es nicht besonders gut gehabt haben beim Circus Royal. Bis zu 35 Stunden am Stück sollen sie teilweise in den Transportern verbracht haben, obwohl gemäss Tierschutzverordnung ein Maximum von acht Stunden gilt.

Kritik an den Tiernummern: Aktivisten der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung protestieren am Samstag, 14. Dezember 2013, vor dem Circus Royal in Emmen. Bild: Sigi Tischler, Keystone
Kritik an den Tiernummern: Aktivisten der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung protestieren am Samstag, 14. Dezember 2013, vor dem Circus Royal in Emmen. Bild: Sigi Tischler, Keystone

Es ist nicht das erste Mal, dass Vorwürfe wegen schlechter Tierhaltung im Circus Royal publik werden. Im September berichteten die «Schaffhauser Nachrichten», dass der Zirkus gebüsst worden sei. Der Vorwurf: Lamas, Pferde und Trampeltiere würden bei zu wenig Licht gehalten. Ausserdem habe eine Haltebewilligung für die Trampeltiere gefehlt. Zirkusdirektor Skreinig dementierte die Vorwürfe.

Bereits im Februar war Kritik laut geworden, dass der Zirkus nach einem mehrjährigen Unterbruch wieder Löwennummern zeigen wollte. Der Direktor verteidigte den Entscheid damals: «Es gibt viel mehr Menschen, die den Zirkus besuchen und Freude an den Tieren haben. Die Kritiker picken sich Tierarten heraus, die Emotionen wecken und die sie instrumentalisieren können.»

Aus dem Staub gemacht

Doch inzwischen schweigt der Zirkusdirektor. Wie das «St. Galler Tagblatt» zuvor versuchte auch diese Zeitung vergebens, die Verantwortlichen schriftlich und telefonisch für eine Stellungnahme zu erreichen. Die meisten auf der Website aufgelisteten Telefonnummern sind ungültig oder ausser Betrieb.

«Skreinig hat sich mit seiner Sekretärin aus dem Staub gemacht und alles zurückgelassen, mitten in der Nacht», erzählt ein Zirkusangestellter. Tagelang sei die Infrastruktur des Zirkus liegen geblieben, die Tiere zurückgelassen worden. Man habe diese aber inzwischen abgeholt und in einen Freizeitpark gebracht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch