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Rätsel um Frau mit Schettinos Notebook

Zehn Tage nach der Havarie der Costa Concordia suchen die Ermittler eine Frau, die Kapitän Francesco Schettino kurz vor der Festnahme besuchte. Inzwischen sind die Ergebnisse der Drogentests bekannt.

Die Costa Concordia rammt vor der Insel Giglio einen Felsen: Das Kreuzfahrtschiff anfangs in nur leichter Schieflage. (14. Januar 2012)
Die Costa Concordia rammt vor der Insel Giglio einen Felsen: Das Kreuzfahrtschiff anfangs in nur leichter Schieflage. (14. Januar 2012)
Keystone
«Es war wie eine Szene von der Titanic»: Passagiere mit Schwimmwesten auf der Costa Concordia. (Bild von einem Passagier aufgenommen/AP) (14. Januar 2012)
«Es war wie eine Szene von der Titanic»: Passagiere mit Schwimmwesten auf der Costa Concordia. (Bild von einem Passagier aufgenommen/AP) (14. Januar 2012)
Keystone
Auch die Bergung dauert an: Das Wrack soll noch bis im September vor der Insel auf Grund liegen. (13. Januar 2013)
Auch die Bergung dauert an: Das Wrack soll noch bis im September vor der Insel auf Grund liegen. (13. Januar 2013)
Keystone
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Nach der Flucht von der Costa Concordia hat sich Kapitän Francesco Schettino in einem Hotel auf der Insel Giglio einquartiert. Gemäss Zeugenaussagen hatte der 52-Jährige ein Notebook dabei, das inzwischen verschwunden ist. Das Notebook könnte nach Ansicht der Ermittler Informationen enthalten, die wichtig für die Aufklärung der Havarie sind. Die Ermittler gehen davon aus, dass Schettino kurz vor seiner Festnahme das Notebook einer Frau übergab, wie der «Corriere della Sera» und andere italienische Medien berichten.

Vor der Festnahme am Tag nach dem Unglück vor der toskanischen Küste war es dem Journalisten Davide Loreti gelungen, ein Interview mit Schettino zu führen. Bei dieser Gelegenheit tauchte eine Frau auf, die sich als Anwältin der Reederei Costa Crociere präsentierte. Als die dunkelblonde Frau im Alter von 40 bis 50 Jahren bemerkt hatte, dass Schettino ein Interview gegeben hatte, protestierte sie gegen die TV-Aufnahmen des Journalisten von Newsmediaset. Danach verschwand sie in Begleitung von Schettino, der zwei Plastiksäcke bei sich hatte.

Negative Ergebnisse bei Drogentests

Die Ermittler interessieren sich nun für das weitere Geschehen. Hat der Kapitän der Costa Concordia sein Notebook dieser Frau anvertraut? Wo befindet sich das Computergerät? Und welche Rolle spielt diese Frau? Gemäss dem «Corriere»-Bericht hat die Schifffahrtsgesellschaft mittlerweile verlauten lassen, dass die Frau, die mit Schettino gesehen wurde, «nichts vom Kapitän bekommen hat».

Mittlerweile haben die Behörden die Ergebnisse der Drogentests, denen sich Schettino unterziehen musste, bekannt gegeben. Sowohl die Haar- als auch die Urinproben ergaben negative Resultate, wie die «Repubblica» schreibt. Der 52-jährige Kapitän stand also nicht unter Drogeneinfluss, als er die Havarie verursachte. Bei den Drogentests sei auch nichts anderes zu erwarten gewesen, liess der Anwalt von Schettino verlauten.

Kauften sich reiche Russen Plätze in Rettungsbooten?

Trotzdem gerät der Kapitän der Costa Concordia immer mehr in Erklärungsnot. Gemäss der Zeitung «Repubblica», die sich auf Protokolle von Einvernahmen stützt, war die sogenannte «Verbeugung» des Kreuzfahrtschiffs vor der Insel Giglio von langer Hand geplant. Kapitän Schettino habe schon vier Seemeilen vor der Insel den Autopiloten ausgeschaltet, um «direkt an die Küste heranzufahren». Schettinos angebliches Rettungsmanöver nach der Kollision mit einem Felsvorsprung habe es nicht gegeben. Die Stimmung auf der Brücke sei von fröhlichem Geplauder geprägt gewesen, berichtet die «Repubblica» unter Berufung auf eine Zeugin. Auf der Kommandobrücke habe es Leute gehabt, die dort nichts zu suchen gehabt hätten. Der Kapitän sei abgelenkt gewesen. Im Übrigen habe es bei den letzten drei Fahrten der Costa Concordia immer eine solche «Verbeugung» vor der Insel Giglio gegeben.

Laut einem Bericht der «Bild»-Zeitung sollen sich betuchte Passagiere mit Geld Plätze in Rettungsbooten erkauft haben. Demnach sollen vor allem Russen aus der ersten Klasse Bargeld an die Crew gezahlt haben. Russische Passagiere «mit sehr viel Geld» seien die Ersten in den Rettungsbooten gewesen, berichteten auch italienische Medien.

Blinde Passagiere an Bord – Vermisstensuche geht weiter

Zehn Tage nach der Havarie der Costa Concordia ist immer noch nicht klar, wie viele Opfer sich tatsächlich noch auf dem Kreuzfahrtschiff befinden. Die Behörden gehen von mehreren blinden Passagieren aus, nachdem am Wochenende die Leiche einer Ungarin gefunden wurde, die sich auf keiner offiziellen Liste befindet. Etwa 20 Menschen verschiedener Staatsangehörigkeiten werden noch vermisst. Mindestens 13 Menschen kamen bei dem Unglück um. Bisher wurden nur acht von ihnen identifiziert. Heute Morgen haben Rettungstaucher die Suche nach weiteren Vermissten im Wrack der Costa Concordia fortgesetzt.

In diesen Stunden tritt der wissenschaftlich-technische Krisenausschuss erneut zusammen, um darüber zu beraten, wann mit dem Abpumpen des Schweröls auf der Costa Concordia begonnen werden kann, denn es droht eine Umweltkatastrophe. Eine Entscheidung soll heute Nachmittag bekannt gegeben werden.

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