Piraten überfallen Schweizer Frachtschiff vor Nigeria

12 der 19 Besatzungsmitglieder der «Glarus» wurden gekidnappt. Unter den Entführten sind keine Schweizer Staatsangehörigen.

Der Frachter wurde vor der Küste Nigerias überfallen: Screenshot Google Maps. (22. September 2018)

Der Frachter wurde vor der Küste Nigerias überfallen: Screenshot Google Maps. (22. September 2018)

Vor der Küste Nigerias haben Piraten den unter Schweizer Flagge fahrenden Frachter «Glarus» überfallen und dabei 12 der 19 Besatzungsmitglieder gekidnappt. Unter den Entführten sind nach Angaben keine Schweizer Staatsangehörigen.

Am späten Samstagabend sei es einer Gruppe von Piraten mit Hilfe von Strickleitern gelungen, auf die Brücke der «Glarus» zu gelangen, heisst es in einer Mitteilung der Reederei Massoel Shipping mit Sitz in Genf. Die Piraten hätten einen Grossteil der Kommunikationstechnik zerstört und seien mit 12 der 19 Besatzungsmitglieder wieder abgezogen, heisst es weiter in der Mitteilung.

Weiter gab die Reederei an, der Frachter habe Getreide transportiert und sei unterwegs gewesen zwischen der südwestlichen Handelsstadt Lagos und dem Ölhub Port Harcourt im südlichen Niger-Delta. Die «Glarus» gehört zur Schweizer Hochseeflotte.

EDA hat Kenntnis vom Überfall Massoel Shipping arbeite mit Behörden und Spezialisten zusammen, um die schnelle und sichere Freilassung der Festgehaltenen zu ermöglichen, hiess es weiter. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erklärte am Samstagabend auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA, es habe Kenntnis von dem Überfall auf den Frachter «Glarus».

Das Seeschifffahrtsamt in Basel stehe in direktem Kontakt mit der verantwortlichen Reederei. Gemäss der Reederei befänden sich unter den Crew-Mitgliedern keine Schweizer Staatsangehörigen.

Eine undatierte Aufnahme des Frachters Glarus auf der Homepage der Reederei Massoel Shipping. (22. September 2018)

Piraterie in Westafrika

Nachdem im Osten des afrikanischen Kontinents im Golf von Aden und auf offener See vor Somalia die Zahl der Piratenüberfälle zurückgegangen ist, wird nun der Westen des Kontinents zum Zentrum der Seepiraterie, vor allem der Golf von Guinea mit seiner 5700 Kilometer langen Küste.

Allein 2017 sind mehr als 60 Mitglieder von Schiffsbesatzungen vor Nigeria auf offener See entführt worden. Dabei könnte die Zahl der Entführungen weit höher sein, weil entsprechende Fälle häufig überhaupt nicht gemeldet werden.

Die Piraten, die in der Regel gewalttätig und gut bewaffnet sind, operieren auf offener See vor Nigeria, dem grössten Ölproduzenten Afrikas. Ein hoher Anteil von Nigerias Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.

Meist halten die Piraten die Schiffe für einige Tage fest, plündern die Frachträume und erpressen Lösegelder für die Besatzungen, bevor sie diese wieder frei lassen.

mch/sda/afp

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt