Pferdefleischskandal weitet sich aus

In Grossbritannien ekelt ein Ernährungsskandal die Konsumenten: Lasagne-Packungen enthielten Pferdefleisch statt Rind. Auch andere Länder nehmen Fertiggerichte aus dem Handel, die Schweiz scheint jedoch nicht betroffen.

Pferdefleisch aus Rumänien: Die Lasagne-Packung von Findus Grossbritannien.

Pferdefleisch aus Rumänien: Die Lasagne-Packung von Findus Grossbritannien.

(Bild: AFP)

Der britischen Behörde für Lebensmittelsicherheit FSA zufolge wiesen Lasagne-Packungen von Findus Grossbritannien einen Pferdefleisch-Anteil von bis zu hundert Prozent auf, obwohl auf dem Etikett Rindfleisch angegeben war. Einem Findus-Sprecher zufolge wurden die Produkte vom französischen Hersteller Comigel geliefert und inzwischen aus dem Handel genommen. Comigel teilte mit, das Pferdefleisch stamme aus Rumänien. Es sei vom fleischverarbeitenden Unternehmen Spanghero mit Sitz in Südwestfrankreich an Comigel geliefert worden.

Der Skandal weitet sich nun aus. Findus nahm auch in Frankreich und Schweden Fertiggerichte aus dem Handel. Die britische Lebensmittelaufsicht ordnete Tests aller Fertigmahlzeiten an, die laut Verpackung Rindfleisch enthalten, die deutschen Behörden weiteten ihrerseits die Kontrollen aus.

Die Schweiz scheint nicht betoffen zu sein: «Findus Grossbritannien gehört nicht wie Findus Schweiz zur Nestlé Gruppe», sagt Nestlé-Mediensprecher Philippe Oertlé gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. «Obwohl die beiden Marken den gleichen Namen haben, besteht keinerlei Verbindung zwischen den Beiden.» Für die Schweizer Produkte Findus Lasagne, Cannelloni und Gratins würden ausschliesslich Schweizer Rindfleisch verwendet. Die Gerichte werden in Rorschach am Bodensee hergestellt.

Cameron ist schockiert

Die luxemburgischen Gesundheitsbehörden teilten hingegen mit, das aus Frankreich stammende Fleisch sei für Comigel von der Firma Tavola mit Sitz in Luxemburg verarbeitet worden. In Frankreich rief Findus drei Tiefkühlprodukte zurück: Bolognese-Lasagne, Hackfleisch-Kartoffelpüree-Auflauf und Moussaka. Von ihnen gehe aber keine Gesundheitsgefahr aus, erklärte das Unternehmen. In Schweden rief Findus nur ein Lasagne-Produkt zurück.

In Grossbritannien, wo der Verzehr von Pferdefleisch im Gegensatz zu anderen Ländern wie Frankreich tabu ist, schlug der Skandal hohe Wellen. Premierminister David Cameron sprach von einem «sehr schockierenden» und «vollständig unannehmbaren» Vorfall.

In Deutschland sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums, die Kontrolldichte im grössten Bundesland sei verschärft worden. «Wir haben angeordnet, dass die Kontrollstellen einen verschärften Blick bei der Produktkontrolle machen. Bisher ist noch nichts aufgefallen.» Die Lebensmittelkontrolle ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Wie Spiegel Online schreibt, lieferte Comigel auch nach Deutschland.

Bereits Mitte Januar hatte der Fund von Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern von Supermärkten in Grossbritannien und Irland für Verunsicherung bei den Verbrauchern gesorgt. Die FSA forderte alle Händler und Hersteller auf sicherzustellen, dass in ihren Produkten auch das enthalten sei, was auf der Verpackung stehe. Die Behörde schloss zudem rechtliche Schritte gegen Comigel nicht aus. Comigel machte seinerseits einen seiner Lieferanten verantwortlich und erklärte, sich rechtliche Schritte gegen diesen vorzubehalten.

kle mit Material von AFP

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