«Habe die Kinder nicht wegen der zwei Papis abgelehnt»

Ein schwules Paar konnte seine Zwillinge nicht in einer Lenzburger Spielgruppe anmelden. Jetzt nimmt die Leiterin erstmals Stellung.

«Weil ich die Ressourcen nicht hatte, habe ich schliesslich abgesagt – und nicht, weil die Buben zwei Väter haben»: Die Spielgruppenleiterin hat ihr Schweigen gebrochen. (Symbolbild Keystone/Gaetan Bally)

«Weil ich die Ressourcen nicht hatte, habe ich schliesslich abgesagt – und nicht, weil die Buben zwei Väter haben»: Die Spielgruppenleiterin hat ihr Schweigen gebrochen. (Symbolbild Keystone/Gaetan Bally)

Sie sorgte für eine schweizweite Empörungswelle: die Spielgruppenleiterin von Lenzburg, die die Zwillinge eines homosexuellen Paars nicht aufnehmen wollte. Nun spricht sie erstmals mit der «Aargauer Zeitung» über die Hintergründe des Falls, weil sie diese richtig stellen möchte. Denn sie habe nicht glauben können, «wie in allen Zeitungen der Schweiz falsche Sachen» über sie verbreitet hätten.

Die Spielgruppenleiterin betone laut der «Aargauer Zeitung», dass sie die Kinder nicht wegen der Familienkonstellation mit zwei Vätern nicht habe aufnehmen wollen. Vielmehr habe das Problem darin bestanden, dass ihre Spielgruppe eigentlich schon voll gewesen, sei, als die Väter die beiden Kinder haben anmelden wollen. Trotzdem habe sie mit dem einen Vater telefonisch die Möglichkeit besprochen, die Kinder wenigstens einen halben Tag pro Woche aufzunehmen.

«Ich habe das nicht so gemeint»

Während des Gesprächs habe sie begriffen, dass die Zwillinge von zwei Vätern aufgezogen würden. «Den Satz, mit dem ich immer wieder zitiert werde – dass solche Kinder weder normal noch natürlich seien – habe ich nicht so gemeint. Ich habe nachgefragt, ob die Kinder eine Mutter haben, worauf der Vater verneinte und mich fragte, ob das ein Problem sei. Ich habe geantwortet, dass es bisher in meiner Spielgruppe normal war, dass die Kinder ein Mami und einen Papi haben.»

Erst im Anschluss daran habe der Vater erwähnt, dass die beiden Kinder nur Englisch sprechen würden. Da ihre Ressourcen aber knapp waren, hätte dies ein Problem für sie dargestellt. Denn das sprachliche Fördern von Kindern verlange zusätzliche Aufmerksamkeit. Und sie spreche selbst nur wenig Englisch.

«Ich habe mich falsch verstanden gefühlt»

«Weil ich die Ressourcen nicht hatte, habe ich schliesslich abgesagt – und nicht, weil die Buben zwei Väter haben. Die Väter haben es aber wohl so aufgenommen, dass ich gegen homosexuelle Eltern bin», sagt die Spielgruppenleiterin. Sie betont, dass sie deutschsprachige Kinder eines homosexuellen Paares auf jeden Fall aufnehmen würde.

Deshalb habe sie sich falsch verstanden gefühlt, als der «Lenzburger Bezirksanzeiger» daraufhin als erster darüber berichtete, dass sie die Kinder nicht habe aufnehmen wollen, weil sie zwei Väter hätten. Ihr sei aber daraufhin geraten worden, nicht weiter mit der Presse zu sprechen. Die Reaktionen der Gesellschaft seien sehr hart gewesen: «Die Spielgruppe ist mein Herzblut, und plötzlich war alles zerstört. Ich hatte keine Ahnung, was ich machen soll und habe mich abgekapselt. Auch aus Selbstschutz.»

red

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