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Ostdeutschland rätselt über Magenerkrankung bei 10'000 Personen

10'000 Menschen leiden im Osten Deutschlands an Erbrechen und Durchfall. Als Auslöser stehen aggressive Noroviren im Fokus – und als möglicher Verbreiter ein Cateringunternehmen.

Kein Essen der betroffenen Cateringfirma in ostdeutschen Kitas: Kinder essen in Dresden gemeinsam zu Mittag. (Archivbild)
Kein Essen der betroffenen Cateringfirma in ostdeutschen Kitas: Kinder essen in Dresden gemeinsam zu Mittag. (Archivbild)
Keystone

Auch eine Woche nach Beginn der Magen-Darm-Erkrankungen in Ostdeutschland wissen Experten nicht mehr über die Ursache. Weiter ist unklar, wer oder was die mit Abstand grösste von Lebensmitteln ausgelöste Welle von Brechdurchfall-Erkrankungen in Deutschland ins Rollen brachte. Möglicherweise gebe es verschiedene Ursachen, hiess es bei den Behörden. Landesweit hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) gestern zunächst 8'962 Fälle gemeldet, kurz darauf gab die Berliner Gesundheitsverwaltung weitere Infektionen bekannt, so dass es nun 9'394 Fälle sind. Das Catering-Unternehmen Sodexo, das unter Verdacht steht, möglicherweise verdorbenes Essen in Schul- und Kindertagesstätten geliefert zu haben, verteidigte sich.

Während Sachsen die aggressiven Noroviren als «ein Auslöser des aktuellen Geschehens» bezeichnete, hielt sich das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin zurück. Sachsen vermutet das Norovirus als eine Quelle, nachdem 69 Kranke laut dem Gesundheitsministerium des Landes positiv getestet worden waren.

Küchen haben Betrieb wieder aufgenommen

Was Experten vermuten lässt, dass nicht nur eine Ursache die Welle lostrat, ist der Zeitpunkt erster Erkrankungen in Sachsen. Sie sind laut RKI nämlich bereits am 19. September aufgetreten, die meisten anderen erst in der vergangenen Woche. In den vergangenen Tagen hatten sich in Ostdeutschland die Fälle von Brechdurchfall epidemisch ausgeweitet.

Sodexo bedauerte, dass die Untersuchungen der Behörden, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, noch keine eindeutigen Ergebnisse liefern konnten. «Nach Informationen der zuständigen Behörden liegen zahlreiche Untersuchungsergebnisse ohne Befund vor, etliche Ergebnisse stehen noch aus», teilte das Unternehmen gestern Abend mit. Vier der sechs kurzfristig geschlossenen Küchen in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Berlin hätten nach Freigabe durch die zuständigen Behörden den Betrieb wieder aufgenommen.

Kein Cateringessen in Schulen

In Berliner Kitas und Horten gab es gestern kein Essen der Catering-Firma Sodexo. Dies bestätigte Firmensprecher Stephan Dürholt auf dapd-Anfrage. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung hatte davon abgeraten, Essen von Sodexo auszugeben. In einer Thüringer Schulküche wurde das Essen unter behördlicher Aufsicht gekocht.

In Brandenburg erhöhte sich derweil die Zahl der Betroffenen. In dem Bundesland wurden gestern 481 weitere Krankheitsfälle bekannt, insgesamt sind dort 2'896 Menschen betroffen, wie das Gesundheitsministerium des Landes auf Anfrage sagte. Dabei handele es sich aber nicht um neue Fälle, die Menschen hätten sich lediglich später bei den Behörden gemeldet.

Im Hort wird wieder selbst gekocht

In Thüringen, wo bis Sonntag 887 Erkrankungen gemeldet wurden, hatte gestern das Lebensmittelüberwachungsamt ein Auge auf die Herstellung des Essens. Kontrolleure überwachten die Arbeit in Unterwellenborn, wie ein Sprecher des Landratsamtes sagte. Manche Einrichtungen verzichten auch freiwillig vorerst auf Sodexo-Essen: Im brandenburgischen Teltow etwa war im Hort Mühlendorf Selbstversorgung angesagt – Kinder und Erzieher griffen selbst zu Kochlöffel und Küchenmesser.

dapd/rbi

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