«Der Sturm war unerwartet stark»

Umgestürzte Bäume, gesperrte Strassen, Schneesturm: Ein Orkan fegte mit bis zu 150 km/h über die Schweiz.

Auf dem Genfersee bildete sich ein sogenannter Vortex. Video: Tamedia

Das Sturmtief Lolita hat am Dienstagmorgen auf seinem Streifzug durch die Schweiz einen Anhängerzug auf der Autobahn A1 umgeworfen und viele Bäume entwurzelt. Einige Bahnen mussten den Betrieb einstellen. Auf dem Genfersee war der Schiffsverkehr beeinträchtigt.

Die Heftigkeit des Sturms am Dienstagmorgen hat sogar Meteorologen überrascht. «Das war unerwartet stark», sagt Roger Perret von Meteonews. Auf dem Lauberhorn im Berner Oberland wurden Böen von bis zu 146 Kilometer pro Stunde (km/h) gemessen. In tieferen Lagen waren es bis zu 90 km/h.

Auf dem Flughafen Zürich-Kloten wurde mit 110 Kilometern pro Stude (km/h) die drittstärkste Böe registriert, die je gemessen wurde, wie Alexander Giordano, Meteorologe bei Meteoschweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Nur bei den Orkanen Lothar und Wilma habe der Wind dort stärker geblasen.

Die stärkste Böe gab es bis am frühen Dienstagnachmittag mit 157 km/h auf dem Chasseral im Jura. Auf dem Bantiger bei Bern wurden laut SRF Meteo 134 km/h gemessen. In Teufen AR waren es 127 km/h und in Zürich-Fluntern 125 km/h. Das Sturmtief Lolita war neben starken Windböen begleitet von Blitz und Donner. Laut dem Wetterdienst Meteonews entluden sich am Morgen über der Schweiz rund 500 Blitze, die meisten in den Kantonen Zürich (205), Freiburg (77) und Bern (56).

Böe aus Klus wirft Lastenzug um Eine kräftige Sturmböe aus der Klus vor Balsthal hat am Dienstagmorgen nach neun Uhr auf der Autobahn A1 bei Oensingen SO einen Anhängerzug umgeblasen, wie die Kantonspolizei Solothurn mitteilte. Die Bergung nahm mehrere Stunden in Anspruch. Der Verkehr wurde einspurig auf der Überholspur geführt und stockte deshalb ab Wangen an der Aare BE.

Bei der Solothurner Kantonspolizei gingen zwischen 9.20 und 10.20 Uhr 20 Meldungen ein über umgestürzte Bäume auf den Kantonsstrassen. Zwei Bäume fielen auf Autos, die jedoch nicht besetzt waren. Verletzt wurde niemand. Ein Baum stürzte bei Kriegstetten SO auf die Überholspur der A1.

Im Kanton Luzern entwurzelte der Sturm ebenfalls Bäume und riss vereinzelt Baugerüste um. Auf der Autobahn A14 bei Ebikon kam es deswegen zu Verkehrsbehinderungen, wie die Kantonspolizei meldete. In Dagmersellen stürzte eine Tanne um und beschädigte Hausdächer und Fahrzeuge. In einzelnen Gemeinden kam es zu kurzen Stromausfällen.

Ein Baum stürzte auf die rechte Fahrspur der A14. Foto: Kantonspolizei Luzern

Bei der Kantonspolizei Bern gingen ab 8.30 Uhr rund 60 Unwettermeldungen ein, wie sie auf Twitter mitteilte. Die meisten betrafen umgestürzte Bäume. Teilweise mussten Strassen vorübergehend gesperrt werfen, namentlich die Einfahrt Thun-Nord auf der A6 Richtung Spiez, wie der Verkehrsdienst Viasuisse mitteilte.

Im Kanton Aargau standen zeitweise 15 Feuerwehren an 30 Schadenplätzen im Einsatz, wie die Kantonspolizei auf Twitter meldete. Es gingen keine Meldungen über verletzte Personen und grössere Sachschäden ein.

In Zürich Altstetten wirbelte der Sturm lose Gegenstände durch die Luft:

Karton, leere Dosen und Abfall fliegen in Altstetten durch die Luft. Video: Leser

Das Sturmtief Lolita gehörte zu einer Kaltfront, die im Dienstag über die Schweiz zog. In vielen alpinen und voralpinen Regionen musste der Bahnbetrieb vorübergehend eingestellt werden, namentlich im Jungfraugebiet im Berner Oberland. Auch der Betrieb der Luftseilbahn zwischen Adliswil und Felsenegg war wegen Sturmwinden unterbrochen.

In der Nacht auf Mittwoch wird der Wind dann schwächer. Zwar kann er in den nächsten Tagen immer wieder auffrischen, so extrem wie am Dienstagmorgen wird es laut Perret aber nicht mehr.

In den Voralpen und Alpen soll es bis am Mittwochabend zwischen 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee geben. In den Hochalpen sind noch grössere Mengen möglich. Mit Niederschlägen im Flachland ist besonders am Mittwochmorgen zu rechnen. Zu richtigem Schneegestöber wird es laut Meteonews jedoch nicht kommen.

Bis zum Wochenende windig

Auch wenn der heftige Wind am Mittwoch kurz nachlässt, legt er am Donnerstag wieder einen Gang zu. Erst aufs Wochenende hin beruhigt sich die Lage ein wenig und der Südwestwind weht nur noch mässig. Dafür wird es wieder milder und die Temperaturen dürften am Freitag gar im zweistelligen Bereich sein. Dies zieht sich bis zum Wochenende hin, wo 10 bis 12 Grad zu erwarten sind. Es bleibt die ganze Woche über wolkig, doch darf mit dem einen oder anderen Sonnenstrahl gerechnet werden.

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