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«Oh mein Gott! Die werden mich umbringen»

Das mutmassliche Vergewaltigungsopfer von Dominique Strauss-Kahn hat auch dem Sender ABC ein Interview gegeben. Teile davon sind nun bereits ausgestrahlt worden.

Die Anklage wurde verlesen: Dominique Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair treffen beim Gericht in New York ein. (6. Juni 2011)
Die Anklage wurde verlesen: Dominique Strauss-Kahn und seine Frau Anne Sinclair treffen beim Gericht in New York ein. (6. Juni 2011)
Reuters
Hotelangestellte protestieren lautstark, als Strauss-Kahn beim Gericht in New York ankommt. (6. Juni 2011)
Hotelangestellte protestieren lautstark, als Strauss-Kahn beim Gericht in New York ankommt. (6. Juni 2011)
Reuters
Sieht entspannt aus: Dominique Strauss-Kahn wartet auf die Richter. (6. Juni 2011)
Sieht entspannt aus: Dominique Strauss-Kahn wartet auf die Richter. (6. Juni 2011)
Reuters
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Mehr als zwei Monate nach der Anklage gegen den Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn geht das mutmassliche Vergewaltigungsopfer in die Offensive. In zwei Interviews mit dem US-Magazin «Newsweek» und dem Sender ABC äusserte sich das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo am Sonntag erstmals öffentlich zu dem Vorfall. Sie schilderte die mutmassliche Tat im Detail und verlangte eine Bestrafung des 62-jährigen Franzosen.

Die Frau aus dem westafrikanischen Guinea wirft Strauss-Kahn vor, sie in dem Luxushotel massiv sexuell angegriffen und zum Oralsex gezwungen zu haben. Anfang Juli waren allerdings massive Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufgekommen. Ein Gericht liess Strauss-Kahn unter Auflagen aus dem Hausarrest frei, nachdem die Staatsanwaltschaft einräumen musste, dass Diallo mehrfach gelogen hatte. Die Staatsanwaltschaft hält aber an ihrer Anklage fest.

«Fehler» gemacht

«Gott ist mein Zeuge, ich sage die Wahrheit. Von ganzem Herzen. Gott weiss das. Und auch er (Strauss-Kahn) weiss das», sagte Diallo dem Fernsehsender ABC in einem Interview, das am Sonntag in Auszügen veröffentlicht wurde und heute in der Sendung «Good Morning America» ausgestrahlt werden sollte. Am Abend (Dienstag 5.35 Uhr MESZ) sollen in der Sendung «Nightline» weitere Details folgen.

In dem Interview gesteht Diallo ein, «Fehler» gemacht zu haben. Zugleich betont sie aber, ihre Darstellung des Vorfalls in Strauss-Kahns Hotelzimmer nicht geändert zu haben. Sie sei nur bei der Reihenfolge der Ereignisse danach durcheinandergekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Unstimmigkeiten in ihrer Aussage Zweifel an der Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen geäussert.

«Hallo, Zimmerservice»

Diallo schilderte den Vorfall in dem Hotelzimmer in den Interviews mit ABC und «Newsweek» im Detail. Demnach rief sie beim Betreten des Zimmers «Hallo, Zimmerservice», woraufhin ein nackter, weisshaariger Mann aufgetaucht sei. Sie habe gesagt «Oh mein Gott, es tut mir leid» und wieder gehen wollen. Der Mann habe jedoch «Es muss Ihnen nicht leidtun» gesagt, ihr an die Brüste gefasst und die Tür zugeschlagen. «Er verhielt sich wie ein Verrückter mir gegenüber», sagte Diallo, die auch den weiteren Verlauf des angeblichen Angriffs beschrieb.

«Wegen ihm werde ich eine Prostituierte» genannt, sagte die 32-Jährige. «Ich will, dass er ins Gefängnis geht. Ich will, dass er versteht, dass es Orte gibt, an denen keine Macht und kein Geld helfen», sagte Diallo, die seit dem Vorfall in dem New Yorker Luxushotel Sofitel am 14. Mai zu ihrem eigenen Schutz von der Öffentlichkeit abgeschirmt worden war.

Zu ABC gibt Diallo an, über die Medien erfahren zu haben, wer Dominique Strauss-Kahn sei. Als es hiess, er werde als nächster Präsident Frankreichs gehandelt, habe sie gesagt: «Oh mein Gott! Die werden mich umbringen.»

Strauss-Kahn-Anwälte: Verhaltensregeln verletzt

Strauss-Kahns Anwälte warfen der Frau vor, eine Woche vor der nächsten Anhörung Stimmung gegen ihren Mandanten machen zu wollen. Das Verhalten ihrer Anwälte sei «unprofessionell» und verstosse gegen die Verhaltensregeln, erklärten William Taylor und Benjamin Brafman. «Das offensichtliche Ziel ist es, in einem laufenden Verfahren die öffentliche Meinung gegen einen Angeklagten aufzustacheln.» Die Anwälte Diallos hätten eine «beispiellose Zahl von Medienereignissen orchestriert», um Druck auf die Anklage auszuüben.

Diallos Anwalt Kenneth Thompson warf Strauss-Kahns Anwälten daraufhin eine «Schmutzkampagne» vor. Die «unbegründeten» persönlichen Angriffe auf Diallo seien ihrer Auffassung nach wohl Teil ihrer «Jobbeschreibung» als Verteidiger. Als Entschuldigung reiche das aber nicht aus, weil es um einen «brutalen sexuellen Angriff» gehe, für den es zudem einen «Berg» Beweise gebe.

AFP/rub

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