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Nun schiebt Schettino die Schuld auf die Reederei

Der Kapitän der Costa Concordia sagt, das riskante Manöver vor Giglio sei von der Reederei geplant gewesen. Die Rettungsarbeiten im Wrack gehen weiter. Ein 13. Opfer wurde geborgen und erste Leichen identifiziert.

Die Hoffnung schwindet: Angehörige von Vermissten werfen unweit des Wracks Blumen ins Wasser. (21. Januar 2012)
Die Hoffnung schwindet: Angehörige von Vermissten werfen unweit des Wracks Blumen ins Wasser. (21. Januar 2012)
Keystone
Das Schiff ist erneut gerutscht: Taucher ziehen auf einem Boot an der Costa Concordia vorbei. (21. Januar 2012)
Das Schiff ist erneut gerutscht: Taucher ziehen auf einem Boot an der Costa Concordia vorbei. (21. Januar 2012)
Reuters
Unklarheit: Die Behörden bestätigten zu Beginn drei Tote und drei Vermisste. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. (14. Januar 2012)
Unklarheit: Die Behörden bestätigten zu Beginn drei Tote und drei Vermisste. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. (14. Januar 2012)
Keystone
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Der Kapitän des gekenterten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» belastet mit seinen Aussagen die Reederei. Sie sei für das riskante Manöver vor der Insel Giglio verantwortlich. Die Ermittler erhoffen sich nun von einer geborgenen Festplatte neue Informationen.

Laut der Tageszeitung «La Repubblica» vom Sonntag hat Kapitän Francesco Schettino bei einer Anhörung vor Gericht diese Woche erzählt, die sogenannte Verbeugung vor Giglio vom 13. Januar sei noch vor dem Start in Civitavecchia von der Reederei Costa Crociere geplant und verlangt worden.

Mit Routen, die nahe an der Küste entlang führen, «machen wir Werbung für uns», zitierte der «Corriere della Sera» den unter Hausarrest stehenden Kapitän. Manöver dieser Art habe es bereits «vor Capri, Sorrento, auf der ganzen Welt» gegeben, habe Schettino vor Gericht weiter gesagt.

Die Staatsanwaltschaft will gegen den Hausarrest Rekurs einlegen und hofft auf Daten und aufgezeichnete Gespräche in der gefundenen Blackbox des Schiffs. Diese Hoffnung zerstreute Schettino aber. Die Sprachaufzeichnung sei seit zwei Wochen defekt gewesen. Der Schaden sei gemeldet, aber nicht behoben worden.

Festplatte geborgen

Vielleicht erhalten die Ermittler mehr Informationen von einer Festplatte, die am Wochenende aus dem Schiffswrack geborgen wurde. Auf dem Datenspeicher sind womöglich Aufzeichnungen von Überwachungskameras auf der Brücke des Schiffes festgehalten.

Kapitän Schettino wird vorgeworfen, zu nah an die westitalienische Insel Giglio herangefahren zu sein und dadurch das Unglück vor gut einer Woche provoziert zu haben. Zudem könnte er auf der Brücke von einer Frau abgelenkt worden sein.

Dies weisen jedoch sowohl die 25-Jährige aus Moldawien als auch Schettino zurück. Dem Kapitän wird zudem zur Last gelegt, die Menschen an Bord im Stich gelassen zu haben und zu früh von Bord gegangen zu sein.

Sofort alarmiert Schettino wies den Vorwurf zurück, den Notruf an die Küstenwache mehr als eine Stunde verzögert zu haben: «Aber wir mussten auf Nummer sicher gehen, denn ich wollte weder Passagiere ins Meer schicken noch Panik verbreiten, und es hätte unnötig Tote gegeben.»

Er habe nach dem Unglück unverzüglich die Reederei über die Havarie unterrichtet. «Ich habe einen Schaden angerichtet», erklärte Schettino demnach unmittelbar nach der Kollision mit Felsen vor der Insel Giglio in einem Telefonat mit dem Krisenmanager der Reederei, Roberto Ferrarini.

Hilfe angefordert

Er habe diesem Schritt für Schritt die Entwicklungen an Bord beschrieben. Auch habe er sowohl ein Schlepperboot als auch Helikopter zur Rettung gefordert, sagte Schettino aus.

Weiter bestritt er auch, dass er nach dem Schiffbruch flüchten wollte. «Ich habe von einem Felsen aus die Evakuierungsaktion koordiniert. Ich war an meiner Uniform klar erkennbar», sagte er den Staatsanwälten.

Die Kreuzfahrtgesellschaft hatte angegeben, Schettino habe ihr gegenüber die Lage an Bord heruntergespielt. «Er hat uns belogen», hatte der Geschäftsführer von Costa Crociere, Pierluigi Foschi, erklärt.

Bergungsarbeiten gehen weiter

Die Zahl der Toten des Schiffsunglücks ist mit einem weiteren Leichenfund am Samstag auf 13 gestiegen. Die Bergungsarbeiten mussten immer wieder unterbrochen werden.

Die Suche nach den 20 Vermissten beschränkte sich am Sonntag auf den Teil des Schiffes, der aus dem Wasser ragt. Unterwasserarbeiten waren wegen der aufgewühlten See nicht möglich.

Der italienische Zivilschutz warnte vor einer Verschmutzung des Meeres unweit der Insel, und zwar nicht nur durch Treibstoff, sondern auch durch Abfälle und chemische Produkte.

Opfer identifiziert

Nach dem Unglück der «Costa Concordia» vor der Insel Giglio haben die italienischen Behörden eines der Todesopfer als einen Deutschen identifiziert. Insgesamt wurden acht der zwölf bisher geborgenen Leichen identifiziert. Bei einem der Opfer handle es sich vermutlich um eine Frau aus Ungarn, die nicht in der Liste der Passagiere gewesen war, sagte ein Sprecher der Rettungskräfte.

AFP/dapd/sda/ami/kpn

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