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Neuer Fall Fritzl erschüttert Österreich

Der Österreicher hielt seine beiden Töchter jahrzehntelang gefangen. Sie mussten auf der Holzbank schlafen und wurden regelmässig misshandelt. Die Polizei wurde erst nach einem Unfall auf den Mann aufmerksam.

Hier geschahen die Verbrechen: Haus der Familie in St. Peter am Hart.
Hier geschahen die Verbrechen: Haus der Familie in St. Peter am Hart.

Rund drei Jahre nach dem Fall Josef Fritzl erschüttert erneut ein Missbrauchsskandal ungeheuren Ausmasses Österreich. Im oberösterreichischen Braunau soll ein Mann über 40 Jahre lang seine beiden Töchter gefangen gehalten, sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben.

Der 80-Jährige soll die beiden heute 53 und 45 Jahre alten Frauen von 1970 bis Mai 2011 regelmässig vergewaltigt haben, teilte die Polizei mit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Ans Licht kam dieser laut einer Polizeisprecherin Anfang Mai, als sich die ältere Tochter gegen einen erneuten Vergewaltigungsversuch ihres Vater wehrte und dieser daraufhin stürzte. Sie habe ihn zurückgestossen, sodass er gestürzt sei. Ohne fremde Hilfe habe der Mann nicht mehr aufstehen und auch selbst keine Hilfe herbeirufen können.

Seine Töchter liessen ihn liegen und verweigerten ihm jede Hilfe - erst eine Sozialarbeiterin fand ihn zwei Tage später bei einem Routinebesuch vor. Der Mann wurde zur Behandlung in ein Spital gebracht, später kam er in ein Pflegeheim von Braunau.

Mit Waffen bedroht

Den Ermittlern berichteten die beiden Frauen, dass sie jahrzehntelang mit ihrem Vater gemeinsam nur ein Zimmer ihres Hauses bewohnt hätten. Die beiden Töchter hätten auf einer kleinen Holzbank in der Küche schlafen müssen.

Der Vater habe ihnen wiederholt mit Waffen gedroht, sie umzubringen. Jegliche Sozialkontakte seien untersagt worden. Auch seine vor drei Jahren verstorbene Frau soll der Mann misshandelt haben. Die Frauen waren so eingeschüchtert, dass sie nie zur Polizei gingen.

Opfer «geistig zurückgeblieben»

Die beiden Töchter seien «geistig ziemlich zurückgeblieben», sagte ein Polizeisprecher. Sie hätten lediglich die Volks- und Sonderschule besucht. Sie würden nun in einer sozialen Einrichtung betreut. Der Tatverdächtige werde ebenfalls abgeschirmt und medizinisch versorgt, sagte der zuständige Bezirkspolizeikommandant. Er sei zwar nicht mobil, für sein Alter aber geistig rege. Der Mann streite alles ab.

Inhaftiert wurde der 80-Jährige zunächst nicht. Das Bezirksgericht Braunau erwirkte bereits eine Einstweilige Verfügung gegen ihn, die ihm eine Rückkehr in sein Haus verbietet und jeglichen Kontakt mit seinen Töchtern untersagt. Über die weitere Vorgehensweise werde die Staatsanwaltschaft entscheiden. «Die Frauen sind offensichtlich erleichtert, dass sie von der Last befreit sind», sagte der Ermittler.

Fritzl in geschlossener Anstalt

2008 hatte der Missbrauchsskandal um den Österreicher Josef Fritzl für Entsetzen gesorgt. Der Mann hatte 24 Jahre lang seine Tochter nicht nur in einem Keller in Amstetten gefangen gehalten und sexuell missbraucht, sondern auch sieben Kinder mit ihr gezeugt. Er wurde inzwischen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und nach dem Urteil in eine geschlossene Anstalt eingewiesen.

dapd/miw

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