Nepalese besteigt alle Achttausender in Rekordzeit

Sechs Monate und sechs Tage brauchte Nirmal Purja, um die 14 höchsten Gipfel der Welt zu erklimmen. Er will seine Landsleute anspornen.

«Mission erfüllt»: Nirmal «Nims» Purja steht auf dem Gipfel des 8034 Meter hohen Gasherbrum II. Foto: PD

«Mission erfüllt»: Nirmal «Nims» Purja steht auf dem Gipfel des 8034 Meter hohen Gasherbrum II. Foto: PD

Der 8027 Meter hohe Shishapangma trägt einen bescheidenen Namen. Der tibetische Ausdruck Shi sha sbang ma bedeutet lediglich «Bereich oberhalb der grasbewachsenen Ebene». Ähnlich prosaisch klingt eine Meldung, die seit Dienstagvormittag auf der Website von «Project Possible» zu lesen ist: «Am 29. Oktober 2019 um 8.58 Uhr erreichte Nirmal Purja den Gipfel des Shishapangma.» Der Berg gilt als einer der einfacheren Achtausender, doch die bergsteigerische Leistung des Nepalesen Purja ist nicht hoch genug einzuschätzen. In nur sechs Monaten und sechs Tagen hat Nirmal «Nims» Purja alle 14 Achttausender geschafft.

«Wir haben mit nichts angefangen.»

Nims war seit Anfang 2019 im Himalaja und im Karakorum unterwegs, um als erster Mensch alle 14 höchsten Gipfel der Welt in einer Saison zu besteigen. Sein Foto vom Stau auf dem Mount Everest wurde im Mai weltberühmt, fünf Monate später gelang ihm mit der Besteigung des Shishapangma eine historische Marke. Er schaffte die 14 Achttausender in 189 Tagen. Der bisherige Rekord für das Erklimmen der 14 Gipfel lag bei sieben Jahren, zehn Monaten und sechs Tagen und war von dem südkoreanischen Bergsteiger Kim Chang Ho vorgegeben worden. Reinhold Messner, der erste Mensch, der alle 14 Achttausender bestiegen hatte, brauchte dafür 16 Jahre, von 1970 bis 1986.

«Jeder hat über mich gelacht und gesagt: Wie soll das gehen?»Nirmal «Nims» Purja

«Es waren zermürbende Monate. Hoffentlich habe ich bewiesen, dass mit Zielstrebigkeit, Selbstvertrauen und einer positiven Einstellung alles möglich ist», sagte Purja, nachdem er sein spektakuläres Projekt vollendet hatte: «Wir haben mit nichts angefangen. Schaut, wie weit wir gekommen sind.»

Nach Reinhold Messner haben überhaupt nur knapp 40 Bergsteiger alle 14 höchsten Gipfel der Welt geschafft. Messner gratulierte Purja am Dienstag zu einer «einzigartigen bergsteigerischen Leistung». Nur wenige Experten hatten an einen Erfolg des in der Szene zuvor weitgehend unbekannten 36-Jährigen geglaubt.

«Jeder hat über mich gelacht und gesagt: Wie soll das gehen?», sagte Purja vor seinem letzten Aufstieg der Nachrichtenagentur AFP. Für sein grosses Ziel opferte der ehemalige Soldat der britisch-nepalesischen Gurkha-Elitetruppe einiges. Er trat vorzeitig aus dem Militärdienst aus, belastete sein Haus mit einer Hypothek – und begann sein Abenteuer am 23. April mit der Besteigung der Annapurna. Mitte Mai erreichte er am gleichen Tag die Gipfel des Mount Everest und den des Nachbarbergs Lhotse, einen Tag später den Makalu.

Innerhalb eines Monats hatte er bereits sechs Achttausender bestiegen, wenn auch mit Hilfe von Flaschensauerstoff, was unter Puristen verpönt ist. Kritisiert wurde unter anderem auch, dass Nims mit Helikoptern von Basislager zu Basislager flog, um im Zeitplan zu bleiben.

Die Frage des Warum

Am Ende seines Projekts wurde er mit grossen Problemen konfrontiert. China hatte den Shishapangma für Expeditionen gesperrt, erst nach bangem Warten durfte er den Aufstieg mit einer Sondergenehmigung doch noch in Angriff nehmen. «Mission erfüllt», heisst es nun auf der Facebookseite von «Project Possible».

«Internationale Sponsoren und Aufmerksamkeit gibt es meist nur für ausländische Bergsteiger»Nirmal «Nims» Purja

Bleibt die Frage nach dem Warum. Er wolle die nächste Generation nepalesischer Kletterer inspirieren, seine Rekorde zu brechen, sagte er. Sherpas bilden das Rückgrat der lukrativen Kletterindustrie des Landes, bekommen aber meist nicht die gleiche Anerkennung wie ihre ausländischen Begleiter. «Internationale Sponsoren und Aufmerksamkeit gibt es meist nur für ausländische Bergsteiger», betonte der Rekord-Bergsteiger: «Nepal ist die Heimat der höchsten Gipfel der Welt, aber Nepalesen bekommen diese Chancen nicht.»

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