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Mutmassliche Vergewaltiger vorgeführt – Aufruhr im Parlament

In Indien sind sechs Männer einem Untersuchungsrichter vorgeführt worden, die eine Schweizer Touristin vergewaltigt haben sollen. Eine Sitzung des regionalen Parlaments wurde nach einer Protestaktion vertagt.

Die mutmasslichen Vergewaltiger werden einem Untersuchungsrichter vorgeführt: Fünf der Männer auf dem Weg ins Gerichtsgebäude. (18. März 2013)
Die mutmasslichen Vergewaltiger werden einem Untersuchungsrichter vorgeführt: Fünf der Männer auf dem Weg ins Gerichtsgebäude. (18. März 2013)
EPA
Fordern den Rücktritt des regionalen Innenministers: Abgeordnete im Parlament des Bundesstaats Madhya Pradesh. (18. März 2013)
Fordern den Rücktritt des regionalen Innenministers: Abgeordnete im Parlament des Bundesstaats Madhya Pradesh. (18. März 2013)
Ndtv.com
Besichtigen den Tatort: Indische Polizisten im Wald in der Nähe von Datia. (17. März 2013)
Besichtigen den Tatort: Indische Polizisten im Wald in der Nähe von Datia. (17. März 2013)
Keystone
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Nach der Gruppenvergewaltigung einer Schweizer Touristin in Indien sind sechs festgenommene Verdächtige einem Richter vorgeführt worden. Das Gericht im zentralen Bundesstaat Madhya Pradesh ordnete für die jungen Männer eine eintägige Untersuchungshaft für weitere Verhöre an.

Fünf der Beschuldigten hatte die Polizei am Sonntagabend mit verhüllten Gesichtern im Fernsehen präsentiert. Von den sechs Verdächtigen werden laut Polizei vier der Vergewaltigung beschuldigt, die anderen beiden seien nach Angaben des Opfers lediglich bei der Tat anwesend gewesen. Alle sechs Männer müssen sich wegen Raubes verantworten. Sie hatten der 39-jährigen Schweizerin und ihrem 30-jährigen Mann nach Angaben der Polizei einen Laptop, ein Handy und 10'000 Rupien (142 Euro) geraubt.

Bisher keine Idenfitikation

Alle Beschuldigten hätten ihre Beteiligung am Überfall gestanden, teilte die Polizei mit. Die Verdächtigen und die bei der Tat geraubten Gegenstände seien vom Opfer und ihrem Ehemann bislang noch nicht identifiziert worden.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte auf Anfrage mit, die beiden Schweizer sei bereit, die lokalen Behörden bei den laufenden Ermittlungen und dem damit zusammenhängenden Identifizierungsprozess zu unterstützen.

Das Paar befinde sich derzeit in der Schweizer Vertretung in Neu Delhi und erhalte medizinische Betreuung. Es werde «noch eine gewisse Zeit» lang in Indien bleiben, schreibt das EDA weiter.

Mit Stöcken und Gewehr bewaffnet

Nach Polizeiangaben hatten die 39-Jährige und ihr Ehemann in einem Wald in Madhya Pradesh gezeltet, als sie am Freitagabend von bis zu acht Männern überfallen und mit Stöcken zusammengeschlagen wurden. Der von den Tätern gefesselte Ehemann der Schweizerin musste mit ansehen, wie sich mehrere Angreifer an seiner Frau vergingen.

Die Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete, mindestens einer der Angreifer sei mit einem Gewehr bewaffnet gewesen. Die beiden Schweizer waren per Fahrrad auf dem Weg nach Agra, wo sich das berühmte Taj Mahal befindet.

Fünf Kleinbauern um die 20 Jahre wurden nach der Tat in Madhya Pradesh festgenommen. Die Polizei führte sie am späten Sonntagabend im Fernsehen vor, ihre Gesichter waren mit schwarzem Stoff verhüllt. Ein sechster 19-jähriger Verdächtiger wurde im benachbarten Bundesstaat Uttar Pradesh gefasst.

Aufruhr in Parlament

Die Vergewaltigung sorgte auch im Parlament des indischen Bundesstaats Madhya Pradesh für Aufruhr. Oppositionelle forderten den Rücktritt des Innenministers des Bundesstaats. Dieser hatte gesagt, Touristen sollten jeweils ihre Reiseroute der Polizei melden.

Wie die indische Newsseite Zeenews.com berichtet, hätten oppositionelle Parlamentarier schwarze Kleidungsstücke mit der Aufschrift «Abgeordneter Nummer eins in Vergewaltigungsfällen» getragen. Mit lauten Rufen forderten sie im Parlament den Rücktritt des Ministers und unterbrachen damit die Fragestunde des Parlaments.

Der Ministerpräsident des Bundesstaats sagte zwar, die Regierung sei bereit, den Fall zu diskutieren. Die Oppositionsangehörigen lehnten dies jedoch ab – zuerst müsse der Innenminister zurücktreten.

Warnung in Reisehinweis

Das Schweizer Aussenministerium hatte im vergangenen Monat in einem Reisehinweis vor zunehmender sexueller Gewalt in Indien gewarnt und Schweizer Touristen geraten, nur in grossen Gruppen und mit örtlichen Führern zu reisen. Von einer weiteren Verschärfung der Warnhinweise sieht das EDA ab (siehe Video links).

Indiens Tourismusminister K. Chiranjeevi erklärte, er sei beunruhigt über das «abscheuliche» Verbrechen gegen die Schweizerin. Zugleich rief er Touristen auf, vorsichtiger zu sein. Zuvor hatte der Innenminister von Madhya Pradesh, Uma Shankar Gupta, der Schweizerin indirekt eine Mitschuld an der Vergewaltigung zugewiesen: Er kritisierte, dass manche ausländische Touristen nicht wie vorgesehen die örtliche Polizei über ihren Aufenthalt informierten.

Im Dezember hatte die brutale Gruppenvergewaltigung einer 23-jährige indischen Studentin in einem Bus in Neu Delhi weltweit für Empörung gesorgt. Sie wurde mit einer Eisenstange gequält und schliesslich aus dem fahrenden Bus geworfen. Tage später starb sie an ihren schweren Verletzungen.

AFP/sda/mw

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