Model, Prügler, Schlitzohr

Ein Angriff auf einen Polizisten im Niederdorf vom Sommer ist geklärt: Der Täter war ein erfolgloser Kandidat aus «Switzerlands Next Top-Model».

Aldo machte bei seinen Auftritten bei SNTM deutlich, dass er ein «bisschen ein Wilder» sei. Foto: PD

Aldo machte bei seinen Auftritten bei SNTM deutlich, dass er ein «bisschen ein Wilder» sei. Foto: PD

Michèle Binswanger@mbinswanger

Die beiden Videos wollen so gar nicht zusammenpassen. Das eine, Anfang Juni im Niederdorf von einem Passanten aufgenommen, zeigt eine Prügelei: Man sieht einen jungen Mann im Ringkampf mit einem Polizeibeamten, unter lautstarkem Gejohle seiner Kumpane reisst er den Beamten zu Boden und sucht dann das Weite, die beiden Polizisten rennen ihm hinterher.

Auf dem anderen Video ist ein junger Mann voller Selbstbewusstsein und mit einnehmendem Grinsen zu sehen: Er sei ein «ufgstellte Siech» und grundsätzlich sehr locker drauf. Das zweite Video ist ein Beitrag der aktuellen Staffel von «Switzerlands Next Top-Model», mit dem sich Aldo M., 18 Jahre alt, Modedesigner mit den Hobbys Fussball, Sport, Mode und Design, vorstellt. Dieser Aldo und der Mann auf dem Prügel-Video aus dem Niederdorf sind identisch.

Vielleicht passen die Videos aber eben doch zusammen. Immerhin machte Aldo bei seinen Auftritten bei SNTM deutlich, dass er ein «bisschen ein Wilder» sei, immer ein «bisschen ein Puff» habe und «gern im Mittelpunkt stehe». Sport und Fussball sind seine grossen Leidenschaften neben Mode und Design. So stand er für die U-17-Mannschaft des FCZ auf dem Fussballfeld und soll schon als 16-Jähriger eine erste Kollektion entworfen haben. Seit Januar 2019 verkauft er unter dem Label «Little Prince» selbst designte Kleider. Aus der Model-Casting-Show ist er allerdings bereits wieder rausgefault.

Ins Gesicht gespuckt oder nur gewehrt?

Der Vorfall im Niederdorf ereignete sich, bevor die Sendung ausgestrahlt war. Nach der Rangelei gelang es den Polizisten, den Angreifer einzuholen, sie stellten ihn in der Nähe des Hauptbahnhofes. Mittlerweile ist er denn auch wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Doch die beiden Versionen, was in dieser Nacht genau passiert ist, unterscheiden sich. Die Beamten gaben an, sie seien im Niederdorf wegen eines Einbruchs unterwegs gewesen, als sich vier Burschen an ihren Streifenwagen angelehnt hätten. Als die Polizisten ihnen das verbieten wollten, habe Aldo einem der Polizisten ins Gesicht gespuckt, worauf es zur Prügelei gekommen sei.

Andere haben vorgemacht, dass medienwirksame Verfehlungen sich in geschäftlichen Erfolg umwandeln lassen.

Diesen Ablauf der Geschehnisse bestreitet Aldo. Er sei an jenem Abend mit Kollegen unterwegs gewesen, als sie gesehen hätten, wie andere junge Männer vor einem Streifenwagen posierten. Spontan hätten sie sich dazugestellt und seien daraufhin von den Polizisten angegriffen worden. Er habe sich dabei nur gewehrt, und so sei es zur Prügelei gekommen, sagte er gegenüber «20 Minuten».

Schlitzohr mit Reue

Denkbar sind beide Varianten, doch Aldo hat mittlerweile eingesehen, dass sein Verhalten an jenem Abend im Juni nicht über jeden Zweifel erhaben war. Das habe er allerdings erst nach seiner Flucht realisiert, als die vielen Polizeiwagen aufgetaucht seien und auch seine Mutter ihn deswegen gerügt hätte.

Sicher ist, dass dieser Vorfall für Aldo nicht das Ende seiner Modeträume bedeuten muss, wenn er es nur geschickt anstellt. Andere haben schliesslich oft genug vorgemacht, dass medienwirksame Verfehlungen sich in geschäftlichen Erfolg umwandeln lassen, wenn man die Aufmerksamkeit zu bewirtschaften weiss.

Immerhin hat er sich auch in der Sendung doch als stets zu Scherzen und Unsinn aufgelegter Typ Schlitzohr präsentiert – sodass der Vorfall im Niederdorf zumindest als authentisch gewertet werden kann. Und am Ende auch nicht mehr als eine lässliche Jugendsünde ist.

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