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Mit Winterkleidung im Wohnzimmer

Die klirrende Kälte hat Osteuropa fest im Griff: In einigen Ländern wird die Lage vor allem für Obdachlose, alte Menschen und Arme immer prekärer. Die Zahl der Kältetoten liegt mittlerweile bei fast 80.

Das Meer wird zur Wüste: Ein Frau steht in Odessa auf dem Pier und blickt auf das gefrorene Schwarze Meer. (3. Februar 2012)
Das Meer wird zur Wüste: Ein Frau steht in Odessa auf dem Pier und blickt auf das gefrorene Schwarze Meer. (3. Februar 2012)
Reuters
Minus 24 Grad Celsius: So sieht es derzeit in der weissrussischen Stadt Minsk aus, wenn man durch ein Tramfenster blickt. (2. Februar 2012)
Minus 24 Grad Celsius: So sieht es derzeit in der weissrussischen Stadt Minsk aus, wenn man durch ein Tramfenster blickt. (2. Februar 2012)
Reuters
Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen sorgen selbst in Istanbul für Verspätungen im Flugverkehr. Beinahe 200 Flüge müssen gestrichen werden. (31. Januar 2012)
Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen sorgen selbst in Istanbul für Verspätungen im Flugverkehr. Beinahe 200 Flüge müssen gestrichen werden. (31. Januar 2012)
Mustafa Ozer, AFP
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Die Zahl der Kältetoten in Osteuropa ist auf 79 gestiegen. Allein aus der Ukraine wurden 43 Tote gemeldet. Bei den meisten Todesopfern handelte es sich um Obdachlose. In Serbien und Bosnien starteten die Behörden einen Rettungseinsatz. Dort sollten Dutzende Menschen mit Hubschraubern aus schneebedeckten Dörfern in Sicherheit gebracht werden. Zudem wurden Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete gebracht.

In einigen Regionen zeigte das Thermometer Temperaturen von bis zu minus 32,5 Grad an. Die klirrende Kälte führte zu Stromausfällen und einem Verkehrschaos. Zudem blieben vielerorts Schulen und Kindertagesstätten geschlossen.

Obdachlose dürfen in Kliniken bleiben

Wie das Katastrophenschutzministerium in der Ukraine mitteilte, wurden 28 Menschen erfroren auf der Strasse gefunden, acht starben in Krankenhäusern und sieben bei sich zu Hause. Mehr als 720 Menschen seien wegen Unterkühlung und Erfrierungen in Kliniken behandelt worden. Die Behörden richteten mehr als 1730 Betreuungsstellen ein, in denen Obdachlose sich aufwärmen und essen können.

Die Krankenhäuser des Landes wurden angewiesen, obdachlose Patienten nach Abschluss ihrer Behandlung nicht zu entlassen, um sie vor der Kälte zu schützen, wie eine Sprecherin des ukrainischen Gesundheitsministeriums, Switlana Tichonenko, mitteilte.

Angler durch Eisdecke gebrochen

Prekär ist die Lage auch in Polen: Allein in der Nacht auf Mittwoch erfroren nach Regierungsangaben sieben Menschen, unter ihnen zwei Angler, die offenbar durch die Eisdecke gebrochen waren. Damit kletterte die Zahl der seit Freitag gezählten Kälteopfer auf 20.

Bei Tagestemperaturen bis minus 20 Grad waren auf den Strassen der Hauptstadt Warschau viel weniger Menschen unterwegs als üblich. Dort wurden - wie auch andernorts - Koksöfen aufgestellt, an denen sich zum Beispiel wartende Fahrgäste aufwärmen konnten.

Mit Winterkleidung im Wohnzimmer

Vor allem für Menschen in schlecht beheizten Altbauten spitzte sich die Lage zu. Das Fernsehen zeigte Rentner, die in voller Winterkleidung in ihren Wohnungen sassen. Kohleöfen reichten oft als Heizung nicht mehr aus.

Doch auch beheizte Zimmer können zur tödlichen Falle werden: Seit Freitag starben in Polen elf Menschen an Kohlenmonoxidvergiftungen. Die Feuerwehr meldete insgesamt 90 Vergiftungsfälle in den vergangenen Tagen. Verantwortlich dafür sind schlecht funktionierende Kohleöfen.

Die Regierung rief die Menschen zur Unterstützung von alten, kranken oder obdachlosen Menschen auf. «Nicht die Kälte tötet Menschen, sondern Gleichgültigkeit», hiess es in einem Schreiben des Sozialministeriums.

Sechs Kältetote in 24 Stunden

In Rumänien zählten die Behörden in rund 24 Stunden 6 Kältetote. Damit stieg die Zahl der Menschen, die in dem Land dem Extremfrost zum Opfer gefallen sind, auf 14, wie das Gesundheitsministerium in Bukarest mitteilte.

In Karvina im Osten Tschechiens wurde ein Obdachloser tot auf einer Wiese gefunden. Auch in der Hauptstadt Prag war bereits eine Frau in Folge der Kälte gestorben. Zudem mussten viele Obdachlose wegen Unterkühlung behandelt werden.

Schnee in Athen

Nach starken Schneefällen fiel im Südosten Frankreichs für mehr als 40'000 Haushalte zeitweise der Strom aus. Betroffen waren am Mittwoch vor allem die Küstenregionen Var und Alpes-Maritimes sowie die Mittelmeerinsel Korsika.

Auch auf der Ferieninsel Korsika fiel Schnee. Im Inselinneren, wo zwanzig bis vierzig Zentimeter Schnee lagen, kam es zu grossen Verkehrsproblemen, Schulbusse fielen aus.

Die Ausläufer der sibirischen Kälte haben auch Athen erreicht. Schneeflocken fielen am Mittwochmorgen auf den Akropolis-Hügel, doch der Schnee blieb dort bei etwa ein Grad Celsius nicht liegen. In einigen Vororten der griechischen Hauptstadt lag zeitweise eine etwa drei Zentimeter dicke Schneedecke auf den Strassen. In Athen schneit es nur alle paar Jahre.

Instanbuls Busverkehr unterbrochen

In Istanbul brach der Busverkehr bei Schneehöhen von bis zu einem halben Meter zeitweise zusammen. Am Istanbuler Atatürk-Flughafen fielen allein am Mittwochvormittag fast 90 Flüge aus.

Die Kältewelle hat auch die Schweiz erreicht. Im Mittelland lagen die Werte am Mittwoch bei 4 bis 9 Grad unter null. Die Kälte soll gemäss Prognosen in den nächsten Tagen anhalten.

dapd/kpn

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