Milliardär verschwindet in Hongkong auf mysteriöse Weise

Ein kanadischer Geschäftsmann mit besten Beziehungen zu Chinas Elite ist offenbar verschleppt worden. Eine heisse Spur führt in sein Geburtsland – China.

Hatte auch einen guten Draht zu Verwandten von Chinas Staatschef Xi Jinping: Milliardär Xiao Jianhua, hier auf einem Foto von Dezember 2013.

Hatte auch einen guten Draht zu Verwandten von Chinas Staatschef Xi Jinping: Milliardär Xiao Jianhua, hier auf einem Foto von Dezember 2013.

(Bild: AP Photo/Next Magazine)

Das Verschwinden des politisch gut vernetzten kanadischen Milliardärs Xiao Jianhua aus Hongkong gibt Rätsel auf. Die Polizei der asiatischen Wirtschaftsmetropole ermittelt und bestätigte am Mittwoch, dass der Gründer der Pekinger Tomorrow-Gruppe am Freitag die Grenze nach China überschritten habe.

Der 45-Jährige soll laut Berichten von chinesischen Agenten abgeholt worden sein. Die Umstände lösten Diskussionen aus, weil Chinas Verfolgungsorgane keine Befugnisse in der Sonderverwaltungsregion Hongkong haben.

Geschäfte mit der politischen Elite

Erinnert wurde auch an fünf chinakritische Hongkonger Buchhändler, die vor einem Jahr ebenfalls verschwunden und teils in Haft in China wieder aufgetaucht waren. Es wurde spekuliert, dass Xiao Jianhua in Ermittlungen wegen Korruption verwickelt sein könnte.

Der gebürtige Chinese ist kanadischer Staatsbürger und besitzt zudem einen Diplomatenpass des Inselstaates Antigua und Barbuda. Sein Vermögen wird auf mehr als fünf Milliarden Euro geschätzt. Er soll Geschäfte mit Familien der politischen Elite in Peking gemacht haben, darunter Verwandte von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Mysteriöse Chatbotschaften

Sein Unternehmen hatte über die Nachrichtenplattform WeChat zwei Mitteilungen herausgegeben, wonach der Milliardär «nicht verschleppt» worden, sondern zur Behandlung «im Ausland» sei, doch wurden diese später gelöscht.

Die Erklärungen erschienen am Mittwoch wieder in einer Anzeige in der Hongkonger Zeitung «Ming Pao» mit seinem Namen. «Ich habe die Partei und das Land immer geliebt», hiess es in der Anzeige auf der Titelseite. «Ich glaube persönlich daran, dass die chinesische Regierung zivilisiert und rechtsstaatlich ist.» Er sei «nicht entführt worden», war in der Anzeige weiter zu lesen.

jdr/sda

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