Migros plant Hallen-Mastanlage für Egli in Birsfelden

In Birsfelden BL soll eine grosse Hallen-Mastanlage für Egli entstehen. Das Knowhow dafür hatte die Migros in Irland eingekauft.

Mehr Egli als im Rhein: Die Hallen-Mastanlage soll die Überfischung mindern. (Archivbild)

Mehr Egli als im Rhein: Die Hallen-Mastanlage soll die Überfischung mindern. (Archivbild) Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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In Birsfelden BL bei Basel könnten bald mehr Egli «an Land» leben als im Rhein: Die Migros-Tochter Micarna plant eine Hallen-Mastanlage für Egli im Hafengebiet. Klappt alles, werden erste Filets 2019 ausgeliefert.

Ein Steinwurf vom Birsfelder Rheinufer weg steht ein Industriebau, den die Migros-Tochter Jowa mit ihrer Grossbäckerei kürzlich verlassen hat. Dort will nun die Migros-Tochter Micarna auf rund 1800 Quadratmetern Nutzfläche und mit 1000 Kubikmetern Beckenvolumen Egli innert fünf Monaten zum 200-Gramm-Schlachtmass mästen.

Früher angedachte Zucht-Kooperationen mit Bauern haben sich als zu aufwändig erwiesen, wie ein Micarna-Sprecher zur Nachrichtenagentur sda sagt. Unter anderem wüchsen Egli nicht so gleichmässig wie etwa Hühner, müssten also öfters sortiert werden. Daher starte das Unternehmen nun auf bezahlbarem eigenem Boden.

Irisch deutsch-schweizerische Egli

Das Knowhow dafür hatte die Migros in Irland eingekauft und damit Ende 2015 eine Versuchszuchtanlage unweit von Dresden eingerichtet. Jene funktioniere heute «recht gut», weshalb denn auch Elterntiere, Laich-Handling und Brut dort bleiben sollen. Nach Birsfelden transportiert werden Egli künftig als gut 60-grämmige Fingerlinge.

So wird aus ostdeutschem Nachwuchs mit irischen Genen Schweizer Eglifilet – in Birsfelden fällt die meiste Wertschöpfung an. Laichen Fische in der Natur nur einmal im Jahr, so macht eine Staffelung übers ganze Jahr, damit durchgehend Ware lieferbar ist, Becken-Zucht lukrativer. Micarna plant vier versetzte Laichzyklen pro Jahr.

Einfach ist das Unterfangen nicht, da diese Barsche Stress schlecht ertragen. Stimmen müssen zudem Individuendichte und Futterangebot, damit sie sich nicht gegenseitig angreifen oder gar fressen. Die genaue Zusammensetzung des rein natürlichen Futters ist gemäss dem Sprecher Betriebsgeheimnis; Medikamente seien jedenfalls keine drin.

Gemischtes Futter

In der Natur ernähren sich Egli von diversem mundgerechten Getier, doch im Mastbecken sind primär rasches Wachstum, Gesundheit und Sauberkeit gefragt. Laut dem Sprecher enthält das Futter pflanzliche und tierische Komponenten; letztere stammten nur aus überwachter nachhaltiger Wildfischerei – zum Leerfischen der Meere wolle man nicht beitragen.

Ökologisch sei das komplett geschlossene Beckensystem top, und auch Zuchttiere könnten keine in die freie Wildbahn entweichen – solches gefährdet etwa bei Küsten-Lachszuchten teils autochtone Populationen durch Einkreuzung. Da Egli heikel zu züchten sind, betrachte Micarna die Birsfelder 6-Millionen-Franken-Anlage noch als «Pionierprojekt».

Die Nachfrage ist da: Egli ist in der Schweiz mit etwa 2500 Tonnen Gesamtkonsum im Jahr beliebt. Berufsfischer holen jedoch mit 225 Tonnen (2015) nur einen Bruchteil davon aus Schweizer Gewässern, was nur schon Detailhandel und Gastronomie absetzen. Daneben fangen Freizeitfischende gemäss Bundesstatistik gut 110 Tonnen Egli. So werden die meisten Egli aus dem Baltikum und Russland importiert.

85 Tonnen Birsfelder Egli

Erfolg als kommerzielle Egli-Produzenten haben in der Schweiz primär erst zwei Firmen, die beide von konstant 18 Grad warmem Lötschbergtunnel-Wasser profitieren: eine in Raron VS (Valperca AG, beliefert auch Migros) und eine in Frutigen BE (Tropenhaus, gehört inzwischen Coop).

Die in Raron auf einem alten Militärflugplatz zum Schlachtmass gemästeten Brütlinge stammen aus einer Zucht in Chavornay VD, wo der natürliche Egli-Laichmonat Mai gestaffelt zwölfmal jährlich simuliert wird. Das Tropenhaus importiert derweil Fingerlinge aus Dänemark, Frankreich und Deutschland.

Valperca beziffert seine Jahresproduktion auf der Firmenhomepage auf rund 80 Tonnen Eglifilets im Jahr, und im Tropenhaus werden es laut einer Sprecherin heuer rund 36 Tonnen. Micarna will in Birsfelden künftig 85 Tonnen Eglifilets pro Jahr produzieren, was Importe aus Osteuropa sowie aus der eigenen Anlage in Deutschland ablösen soll.

Die in ganz Europa im Süsswasser heimischen Egli nennt man am Bodesee auch Kretzer, sonst in Deutschland Flussbarsch. Markant ist neben seiner zebraartigen Musterung die doppelte Rückenflosse, die vordere mit Stacheln.

Die Micarna-Gruppe gehört der Migros und weist für 2016 mit 2902 Angestellten einen Umsatz von 1,53 Milliarden Franken aus. (fur/sda)

Erstellt: 01.12.2017, 13:47 Uhr

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