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Kampusch wehrt sich gegen Verschwörungstheorien

In einem Fernsehinterview äussert sich das Entführungsopfer Natascha Kampusch erstmals zu den Spekulationen um weitere Täter und eine mögliche Schwangerschaft.

«Es ist eine enorme psychische Belastung, es verletzt»: Natascha Kampusch im Interview mit dem österreichischen Fernsehen in Wien.
«Es ist eine enorme psychische Belastung, es verletzt»: Natascha Kampusch im Interview mit dem österreichischen Fernsehen in Wien.
Keystone

Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch hat sich fast sechs Jahre nach ihrer Flucht gegen zahlreiche Verschwörungstheorien gewehrt. Weder habe es weitere Täter neben dem Entführer gegeben, noch sei sie schwanger gewesen, sagte Kampusch am Montag in einem Fernsehinterview.

Die aktuellen Debatten nannte sie «empörend» und fügte hinzu: «Es ist eine enorme psychische Belastung, es verletzt.» Man könne aber gegen solche Vorhaltungen nicht argumentieren. Sie habe nie Mittäter gesehen, betonte Kampusch.

«Eine Einbildung im Schockzustand»

Mit dem Freund Priklopils, dem diese Rolle unterstellt wird, habe sie nach der Flucht mehrmals telefoniert, um zu erfahren, ob er schon länger Bescheid wusste. Die Aussage eines damals zwölfjährigen Mädchens, das die Entführung einige Sekunden beobachtete und dabei angeblich zwei Männer sah, erklärt sich Kampusch mit einer Einbildung im Schockzustand.

Kampusch betonte, sie sei auch niemals von Priklopil schwanger gewesen. Eine gefundene Haarlocke stamme nicht von einem Baby, sondern von ihr. Der Entführer rasierte ihr immer wieder den Kopf und sie habe eine Locke der abgeschnittenen Haare aufbewahrt.

«Ich muss nicht alles erzählen»

Spekulationen um einen angeblichen Pornofilm, den ihr Entführer mit ihr gedreht haben soll, oder gar einen ganzen Kinderpornoring, seien absurd. Zu Vorhaltungen, sie spare in ihren Berichten vieles aus, sagte Kampusch: «Ja, aber sehen Sie es doch so: Jeder hat ein Anrecht auf Privatsphäre, und ich muss nicht alles erzählen.

Die aktuellen Diskussionen wurden angeheizt, weil der Vorsitzende eines parlamentarischen Ausschusses in Wien nicht an einen Einzeltäter glaubte. «Aus meiner Sicht ist der Fall nicht abzuschliessen», sagte Werner Amon vor eine Woche. Er meinte zudem, manche Aussagen von Kampusch könnten zwar aus ihrer Sicht richtig sein, aber trotzdem nicht stimmen.

Leidensweg von Kampusch wird verfilmt

Ende März will der Ausschuss seine Ergebnisse vorlegen. Nach Berichten einzelner Zeitungen wird er empfehlen, den Fall noch einmal aufzurollen. Die Ermittler vom Bundeskriminalamt und der Justiz reagierten verständnislos. Alles sei komplett geklärt, hiess es. «Intensiver kann man einen Fall nicht ausermitteln.»

Demnächst wird zudem der Lebens- und Leidensweg von Kampusch verfilmt. Der verstorbene Filmproduzent Bernd Eichinger schrieb ein Drehbuch nach Kampuschs Autobiografie «3096 Tage».

Kampusch wurde 1998 als Zehnjährige von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und acht Jahre lang in dessen Haus bei Wien gefangen gehalten. Nach der Flucht des Opfers im Jahr 2006 tötete sich Priklopil selbst.

SDA/fko

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