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Kältewelle – Europa sorgt sich um die Obdachlosen

Bis zu minus 28 Grad in Kiew: Durch die Kältewelle sind allein in der Ukraine 30 Menschen gestorben. Die Donau beginnt zu vereisen. Und in Russland machen ausgehungerte Wölfe Jagd auf Menschen.

Das Meer wird zur Wüste: Ein Frau steht in Odessa auf dem Pier und blickt auf das gefrorene Schwarze Meer. (3. Februar 2012)
Das Meer wird zur Wüste: Ein Frau steht in Odessa auf dem Pier und blickt auf das gefrorene Schwarze Meer. (3. Februar 2012)
Reuters
Minus 24 Grad Celsius: So sieht es derzeit in der weissrussischen Stadt Minsk aus, wenn man durch ein Tramfenster blickt. (2. Februar 2012)
Minus 24 Grad Celsius: So sieht es derzeit in der weissrussischen Stadt Minsk aus, wenn man durch ein Tramfenster blickt. (2. Februar 2012)
Reuters
Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen sorgen selbst in Istanbul für Verspätungen im Flugverkehr. Beinahe 200 Flüge müssen gestrichen werden. (31. Januar 2012)
Heftiger Schneefall und eisige Temperaturen sorgen selbst in Istanbul für Verspätungen im Flugverkehr. Beinahe 200 Flüge müssen gestrichen werden. (31. Januar 2012)
Mustafa Ozer, AFP
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Die sibirische Kälte hat Europa weiter fest im Griff. In Osteuropa kamen in den vergangenen Tagen mindestens 58 Menschen ums Leben. Tote gab es unter anderem in der Ukraine, Polen, Serbien und Russland. Allein in der Ukraine starben 30 Menschen an Unterkühlung, die meisten von ihnen waren Obdachlose. 540 Menschen mussten dort wegen Unterkühlung in Krankenhäusern behandelt werden. In Polen sanken die Temperaturen auf minus 27 Grad.

In der Schweiz dürfte es ab Mittwoch so richtig kalt werden.Für das Wochenende rechnet der Wetterdienst im Mittelland sogar verbreitet mit Temperaturen zwischen minus 7 und minus 10 Grad. Eine Bise wird das Kältegefühl noch intensivieren.

Zahlreiche Unfälle

In Deutschland sorgten Schnee, Eis und frostige Temperaturen für zahlreiche Unfälle. Bei einem Frontalzusammenstoss mit einem Lkw kam am Dienstag eine Pkw-Fahrerin ums Leben. Die 35-Jährige hatte in Plieningen bei Stuttgart auf glatter Fahrbahn die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren. Bereits am Montag war eine 55 Jahre alte Fussgängerin bei Leegebruch in Brandenburg offenbar nach einem Sturz in einen Wassergraben erfroren. Bis zum Freitag wird es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) noch kälter. Dann sollen in weiten Teilen Deutschlands zweistellige Minusgrade erreicht werden.

Sorge um Obdachlose

Nach Ansicht der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe gefährdet die Kälte besonders Obdachlose in kleineren Städten und ländlichen Regionen. Dort lasse die Anzahl und die Qualität der Notunterkünfte zu wünschen übrig, sagte BAGW-Geschäftsführer Thomas Specht der Nachrichtenagentur DAPD. Dies gelte vor allem für die neuen Bundesländer. In grösseren Städten steht den Obdachlosen hingegen ein dichteres Hilfsnetz zur Verfügung. In einigen Städten sammeln «Kältebusse» hilflose Obdachlose ein und bringen sie in Notunterkünfte.

In der Schweiz haben verschiedene Kantone wegen der Kälte Massnahmen ergriffen, um Obdachlose zu schützen. Das Sozialdepartement der Stadt Zürich etwa schickt «Kältepatrouillen» auf den Weg. Diese suchen einschlägige Plätze auf, die als Rückzugsorte von Obdachlosen bekannt sind.

Laut BAGW erfroren im vergangenen Winter mindestens vier wohnungslose Menschen in Deutschland, 2009/2010 waren es mindestens 17. Nach Einschätzung des Verbandes leben in Deutschland zurzeit 22'000 Menschen dauerhaft auf der Strasse.

Ukraine richtet Krisenstab ein

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderen Regionen gingen die Temperaturen am Dienstag auf minus 23 Grad zurück. Die meisten Todesopfer wurden erfroren auf den Strassen aufgefunden, wie das Katastrophenschutzministerium mitteilte. Einige starben in Krankenhäusern oder in ihren Wohnungen. Noch am Vortag hatten die Behörden die Zahl der Kältetoten mit 18 angegeben.

Die Regierung richtete einen Krisenstab ein, der rund um die Uhr tätig sein soll, wie die Nachrichtenagentur Unian berichtete. Rund 15'000 Betreuungsstellen für Obdachlose im Land wurden bereits eingerichtet. Sie bieten Gelegenheit zum Aufwärmen, heisse Getränke und Essen an. Für Obdachlose wurden zudem Hunderte beheizte Zelte aufgeschlagen.

27 Grad unter null in Polen

Polen verzeichnete innerhalb von 24 Stunden fünf Todesopfer durch die Kälte. Die Gesamtzahl der Toten stieg damit auf 15 in den vergangenen vier Tagen, wie die Polizei mitteilte. Die Temperaturen sanken im Südosten des Landes auf 27 Grad unter null, für die Nacht wurden sogar minus 29 Grad erwartet.

In Rumänien kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums innerhalb von 24 Stunden zwei Menschen in der Kälte ums Leben. Seit Beginn der Kältewelle starben acht Menschen. In Bukarest fiel die Temperatur in der Nacht auf 20 Grad unter null. Die Moskauer Gesundheitsbehörde meldete ein Kälte-Opfer. Das russische Katastrophenschutzministerium veröffentlichte zunächst keine Angaben für das ganze Land.

Durch die Kälte brach stellenweise die Wasserversorgung zusammen – der Frost hatte Wasserrohre bersten lassen. Betroffen waren vor allem Altbauten, darunter auch solche in der Hauptstadt Warschau.

Die frostige Luft aus Sibirien breitete sich auch über den baltischen Staaten aus. In der Nacht zum Dienstag wurde im Südosten Estlands mit minus 27,5 Grad eine neue Tiefsttemperatur dieses Winters gemessen.

In der litauischen Hauptstadt Vilnius erfror am Montag erneut ein Mensch. In Lettland und Litauen forderten die Regierungen die Eltern auf, ihre Kinder zu Hause zu behalten.

Donau beginnt zu vereisen

Auch in Rumänien kamen wegen der Kälte mehrere Menschen zu Tode. Das rumänische Gesundheitsministerium teilt mit, seit Beginn der Kältewelle seien acht Menschen gestorben.

Die Donau, die die natürliche Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien bildet, begann zu vereisen. In den kommenden Tagen dürfte damit die Schifffahrt weiter behindert werden.

Eisige Kälte auch in Griechenland

Selbst in südlichen Gefilden herrschen arktische Bedingungen. Wie das griechische Wetteramt mitteilte, wurden in Nordgriechenland am Dienstag Temperaturen von minus zwölf Grad Celsius gemessen. Zahlreiche Schulen blieben geschlossen.

In Athen herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt. In der griechischen Hauptstadt, in der unter anderem auch wegen der Finanzkrise 20'000 Menschen obdachlos sind, wurden Hallen geöffnet, damit diese Menschen Zuflucht finden können.

In Deutschland kam es aufgrund von Glätte zu zahlreichen Unfällen. In Plieningen bei Stuttgart kam eine Autofahrerin bei einem Frontalzusammenstoss mit einem Lastwagen ums Leben.

In den kommenden Nächten seien Temperaturwerte um minus 20 Grad möglich, teilte der Deutsche Wetterdienst am Dienstag mit. Auch in der Schweiz wird fürs Wochenende mit Tiefstwerten gerechnet.

Ausgehungerte Wölfe

Ein Rudel ausgehungerter Wölfe hat in einer Kleinstadt in Nordrussland Jagd auf Fussgänger gemacht. Die Polizei erschoss zwei Raubtiere im Zentrum der 12'000-Einwohner-Siedlung Pitkjaranta nahe der Grenze zu Finnland.

Dies teilen die Behörden nach Angaben der Nachrichtenagentur Ria Nowosti mit. Nachdem ein völlig verängstigter Mann die Polizei alarmiert hatte, entdeckten Beamte in einem Hinterhof mehrere aggressive Wölfe.

Als die Polizisten aus dem Auto stiegen, wurden sie von zwei Tieren angegriffen. Diese wurden erschossen. Wegen des extremen Frosts finden die Wölfe in den Wäldern der Gegend 1000 Kilometer nördlich von Moskau nicht mehr ausreichend Nahrung.

SDA/bru

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