Zum Hauptinhalt springen

Jury spricht Todesschützen von Diren D. schuldig

Der Mann, der im US-Staat Montana einen deutschen Austauschschüler erschossen hatte, ist verurteilt worden. Wie lange er ins Gefängnis muss, ist bisher unklar.

Schoss vier Mal auf Diren D.: Hausbesitzer Markus K. im Gerichtssaal. (8. Dezember 2014)
Schoss vier Mal auf Diren D.: Hausbesitzer Markus K. im Gerichtssaal. (8. Dezember 2014)
AP Photo

Der amerikanische Hausbesitzer, der den Hamburger Austauschschüler Diren D. erschoss, ist von den Geschworenen eines Gerichts in Missoula des Mordes schuldig gesprochen worden. Der Fall hat für eine Reihe von US-Staaten grundsätzliche Bedeutung, in denen sogenannte «Stand your ground»-Gesetze Eigentümern die Anwendung tödlicher Gewalt gegen Eindringlinge und Angreifer zubilligen. Nach dem Schuldspruch erwartet den Angeklagten Markus K. eine Mindeststrafe von zehn Jahren Gefängnis.

Die Eltern des 17-jährigen Diren sassen bei der Verkündung der Jury-Entscheidung im voll besetzten Gerichtssaal. «Es ist sehr gut», sagte der Vater mit Tränen in den Augen. «Lang lebe die Gerechtigkeit.» Der Angeklagte nahm den Schuldspruch äusserlich unbewegt entgegen. Er wurde danach abgeführt und in Gewahrsam, genommen. Das Strafmass soll am 11. Februar verkündet werden. Die Verteidigung will in die Berufung gehen.

«My Home is my Castle»

K.s Anwälte hatten erklärt, der Hausbesitzer habe in Selbstverteidigung geschossen. Die Anklage hatte dagegen gehalten, K. sei dazu entschlossen gewesen, einem Eindringling zu schaden, als er am 27. April auf der Lauer lag. Im Kern ging es um die Frage, ob K. auf einen mutmasslichen Einbrecher schiessen und dabei auch dessen Tod in Kauf nehmen durfte.

Solche auch «Castle-Doktrin» - von «My Home is my Castle» - genannten Gesetze gibt es in 30 der 50 US-Staaten. 2012 weitete Florida diesen Freibrief zum Schusswaffengebrauch gegen mutmassliche Einbrecher und Gewalttäter auch über das eigentliche Haus hinaus aus. Der Wachmann George Zimmerman wurde nach seinen tödlichen Schüssen auf den 17-jährigen Trayvon Martin vom Vorwurf des Mordes frei gesprochen. Er hatte den jungen Schwarzen verfolgt, ausgesagt, dieser habe ihn angegriffen, und ihn erschossen.

Die Anklage in Missoula erklärte, Tage, bevor K. den 17-jährigen Diren erschoss, habe dieser Nachbarn und anderen gesagt, er werde jedem etwas zuleide tun, der versuche, in seine Garage einzubrechen. K. sei bereits zuvor Opfer eines Einbruchs geworden und darüber verärgert gewesen, sagte die Anklage. Er sei auf Rache aus gewesen.

Ermittlungen in Deutschland

Diren hatte die dunkle Garage des Angeklagten am 27. April unbefugt betreten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte K. das Tor teilweise offen gelassen und eine Geldbörse gut sichtbar platziert. K. gab der Anklage zufolge vier Schüsse auf Diren ab. Dabei machte er zwischen dem dritten und vierten Schuss eine Pause.

In Deutschland führt die Hamburger Staatsanwaltschaft ihre eigenen Ermittlungen. Staatsanwalt Casten Rinio teilte mit, die US-Behörden seien vor Monaten um Amtshilfe und Übersendung von Dokumenten gebeten worden. Angekommen sei in Hamburg noch nichts.

AP/ajk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch