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Handgreiflicher Lehrer fordert nach Entlassung 150'000 Franken

Weil er eine Schülerin gewürgt haben soll, hat ein Davoser Lehrer seinen Job verloren. Der 62-Jährige wehrt sich nun vor dem Bundesgericht gegen die fristlose Entlassung.

Entgegen seiner Darstellung soll der Primarlehrer eine Schülerin mit beiden Händen am Hals gepackt haben: Auszug aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden.
Entgegen seiner Darstellung soll der Primarlehrer eine Schülerin mit beiden Händen am Hals gepackt haben: Auszug aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden.

Eine Lohnzahlung von 130'000 Franken und eine Entschädigung von 19'000 Franken wegen ungerechtfertigter Entlassung: Fast 150'000 Franken fordert ein Ex-Lehrer von der Gemeinde Davos, wie die «Südostschweiz» berichtet. Der Fall liegt nun beim Bundesgericht, nachdem das Bündner Verwaltungsgericht die Klage respektive Beschwerde des 62-Jährigen abgewiesen hat. Mit seinem im Mai veröffentlichten Urteil bejahte das Gericht die Rechtmässigkeit der fristlosen Kündigung.

Der Rechtsstreit geht auf einen Vorfall bei einer Schulreise vor vier Jahren zurück. Der Lehrer hatte bei einer Kontrolle im Hotel festgestellt, dass sich trotz eines Verbots vier Mädchen im Knabenzimmer aufgehalten hatten. Über das weitere Geschehen gibt es zwei Versionen. Er habe ein Mädchen nur an der Schulter gepackt, sagte der Lehrer. Die Schülerin selbst erklärte hingegen, dass der Lehrer sie mit beiden Händen am Hals gepackt und gewürgt habe. Diese Version wird von ihren Mitschülerinnen bestätigt. Im Weiteren soll der Lehrer unter Alkoholeinfluss gestanden sein.

«Dies ist eine ultimative Forderung an ihn»

Wie aus dem Urteil des Bündner Verwaltungsgerichts hervorgeht, hatten sich die Davoser Schulbehörden bereits 2004 mit dem Pädagogen zu befassen. Auch im damaligen Fall soll es um Handgreiflichkeiten gegenüber Schülern gegangen sein. Gemäss dem Schulrat sei eine Vereinbarung mit dem Lehrer abgeschlossen worden. Darin heisst es: «Herr (…) unterlässt Handgreiflichkeiten jeglicher Art gegenüber den Schülerinnen und Schülern. Dies ist eine ultimative Forderung an ihn.»

Nach dem Vorfall im Juli 2007 wurde der Lehrer zunächst per sofort vom Schulunterricht suspendiert. Mehr als drei Wochen danach und nach diversen Abklärungen sprach der Schulrat von Davos die fristlose Entlassung aus. Dabei wies die Schulbehörde darauf hin, dass die Unterrichtsmethoden und das Verhalten dieses Klassenlehrers schon früher Gegenstand von Kritik seitens der Eltern gewesen seien.

Vom Vorwurf der Tätlichkeit freigesprochen

In seiner inzwischen abgewiesenen Klage an das Bündner Verwaltungsgericht hatte der Lehrer geltend gemacht, dass die fristlose Kündigung zu spät und damit nicht rechtmässig erfolgt sei. Darum sei der Lohn bis zum Ablauf der ordentlichen einjährigen Kündigungsfrist geschuldet, heisst es in der Klageschrift des Lehrers. Dazu komme eine Entschädigung von zwei Monatslöhnen. Der Lehrer, der über 20 Jahre in Davos unterrichtet hatte, will sich nun vor dem Bundesgericht eine Summe von knapp 150'000 Franken erstreiten.

Recht bekam der 62-Jährige dagegen vor dem Kantonsgericht Graubünden, wie die «Südostschweiz» weiter schreibt. Im Berufungsprozess wurde der Ex-Lehrer vom Vorwurf der Tätlichkeit freigesprochen. Der objektive Tatbestand war zwar erfüllt, es konnte allerdings kein Vorsatz nachgewiesen werden. Erstinstanzlich war er im Jahr 2009 zu einer Geldbusse von 200 Franken verurteilt worden. Das darauffolgende Strafverfahren hatten die Eltern des Mädchens angestrengt, das vom Lehrer gewürgt worden sein soll.

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