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Griechischer Parlamentarier verprügelt Kollegin

Eklat in einer Talkshow im griechischen Fernsehen: Ein Abgeordneter der Neonazi-Partei Goldene Morgenröte hat während einer live übertragenen Debatte eine kommunistische Politikerin verprügelt.

Videoaufzeichnungen des Zwischenfalls von heute Morgen zeigten, wie Kasidiaris, Sprecher der Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte), während einer Fernsehdebatte zunächst ein Glas Wasser auf die Abgeordnete Rena Dourou vom Linksbündnis Syriza schleuderte und dann auf die Kommunistin Liana Kanelli losging, als diese empört aufstand und ihn beschimpfte. Er ohrfeigte sie zweimal, verpasste ihr mit voller Wucht einen Fausthieb und verliess dann das Studio.

Laut einer Journalistin versuchten Mitarbeiter des Senders vergeblich, Kasidiaris aufzuhalten. Demnach rief Kasidiaris später an und warf dem Fernsehsender vor, die Bilder der Sendung manipuliert zu haben. Zudem habe er Kanelli beschuldigt, ihn zuerst angegriffen zu haben.

«Das wahre Gesicht dieser Organisation»

Auslöser der Angriffe war eine Anmerkung der Syriza-Vertreterin zu Kasidiaris' mutmasslicher Beteiligung an einem bewaffneten Raubüberfall vor fünf Jahren. Das Gerichtsverfahren gegen Kasidiaris sollte am Mittwoch beginnen, wurde aber auf kommenden Montag vertagt. Nach Angaben eines Gerichtsvertreters ordnete die Athener Staatsanwaltschaft die Festnahme des Neonazis an.

Erst am Samstag waren zwei Abgeordnete der Neonazi-Partei sowie die Tochter des Parteichefs vorübergehend festgenommen worden. Sie standen unter Verdacht, an einem Angriff auf einen pakistanischen Einwanderer in Athen beteiligt gewesen zu sein, wurden aber wegen Mangels an Beweisen wieder freigelassen. Das 31-jährige Opfer musste im Krankenhaus behandelt werden.

Die griechische Regierung verurteilte Kasidiaris' Angriff «aufs Schärfste». Die Syriza-Partei erklärte, die Attacke habe das «wahre Gesicht dieser kriminellen Organisation» gezeigt. Die ND bezeichnete den Vorfall als «Schande für die Gesellschaft und das politische System».

Düstere Wahlwerbung der ND

Chryssi Avgi hatte bei der Parlamentswahl am 6. Mai 6,9 Prozent der Stimmen erhalten. Es war das erste Mal seit dem Ende der Militärherrschaft im Jahr 1974, dass eine eindeutig neonazistische Partei den Einzug ins Parlament schaffte. Nach jüngsten Umfragen könnte sie nach der Parlamentswahl am 17. Juni im Parlament bleiben.

Die konservative ND startete unterdessen heute Donnerstag ihre Wahlwerbung mit einem düsteren Spot. Er zeigt Schulkinder, die ihren Lehrer fragen, warum Griechenland nicht länger Mitglied der Eurozone sei, und endet mit dem Satz: «Griechenland braucht eine verantwortungsvolle Partei.» Laut jüngsten Umfragen für die Parlamentswahl am 17. Juni liegt die ND vor der Syriza. Die sozialistische Pasok folgt auf Platz drei.

Die Syriza lehnt die von der Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Union und Europäischer Zentralbank verordnete drakonische Sparpolitik im Gegensatz zu ND und Pasok strikt ab, tritt aber für einen Verbleib in der Eurozone ein.

SDA/bru

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