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Gift vom Schwarzmarkt

In Indonesien starben seit Anfang April über 100 Menschen, nachdem sie illegal produzierten Alkohol getrunken hatten. So tödlich war der Fusel noch nie.

Die Polizei zeigt den beschlagnahmten Alkohol. Foto: AP, Keystone
Die Polizei zeigt den beschlagnahmten Alkohol. Foto: AP, Keystone

Immer neue Patienten taumeln in das kleine Spital von Cicaleng­ka im Westen der indonesischen Insel Java, sie klagen, dass alles vor ihren Augen verschwimme, manche haben Atemnot, andere brechen bewusstlos zusammen. Die Ärzte kennen die Symptome, aber sie wissen, dass ihre Hilfe bei Vergiftungen durch Methylalkohol oft zu spät kommt.

Klinikchef Yani Supema berichtet im Fernsehen, dass seine Klinik völlig überfordert sei: 93 Patienten seit Anfang April, wo sie hier nur 19 Betten haben. Und die Zahl der Toten steigt von Tag zu Tag. Es sind schon mehr als 100, die in Indonesien ihr Leben verloren haben, weil sie vergifteten Fusel tranken. Die meisten Opfer traf es in Gemeinden rund um die Hauptstadt Jakarta.

Sieben Verdächtige in Haft

Vergiftungen dieser Art sind keine Seltenheit in Indonesien, wo Strassenhändler selbst gebrauten Palmwein oder Schnaps unter der Hand verkaufen. Die jüngste Krise allerdings sprengt alle bekannten Dimensionen. «Das ist Wahnsinn», klagte Vizepolizeichef Muhammad Syafruddin, der konfiszierte Ware bei einer Pressekonferenz zur Schau stellte. Alle Polizeireviere der Nation seien angewiesen, umgehend nach illegalem Alkohol zu fahnden, erklärte Syafruddin. Sieben Verdächtige haben die Fahnder schon festgenommen.

Bis zum Beginn des Fastenmonats Ramadan Mitte Mai will der Polizeichef das Problem im Griff haben, er verspricht Razzien im ganzen Land, kein Tropfen illegaler Alkohol soll mehr auf dem Markt sein. Doch alle wissen, dass er das nicht schaffen kann, weil die Kontrolle des Schwarzmarkts nahezu unmöglich ist in einem Land, in dem Korruption auf allen Ebenen grassiert.

Verbot ist chancenlos

Seitdem das überwiegend von Muslimen bevölkerte Indonesien den legalen Verkauf von Alkohol 2015 beschränkt hat, sei der Schwarzmarkt-Bedarf gestiegen, sagen Beobachter. Um Jugendliche vor Missbrauch zu schützen, verboten die Behörden damals den Verkauf von Spirituosen in Zehntausenden Kleinläden. In grösseren Supermärkten und Hotels blieb er verfügbar.

Islamische Parteien versuchen, den Alkoholverkauf ganz zu verbieten, doch sind sie bislang damit gescheitert. Auf der hinduistischen Ferieninsel Bali etwa kann sich niemand vorstellen, wie man internationale Gäste halten soll, wenn ein solches Verbot kommt.

Doch die Vergiftungen machen die Risiken des Schwarzmarkts deutlich. Wer das Destillieren nicht beherrscht, bringt Methylalkohol in Umlauf, der irreparable Organschäden bis zum Herzstillstand verursacht. Und in Bandung fand die Polizei mit ­Mückenschutzmittel gestreckten ­Alkohol.

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