Getöteter Velofahrer war bekannter Umweltaktivist

Der Mann, der in Basel von einem Lastwagen überfahren wurde, ist der Aktivist Martin Vosseler. Er hinterlasse eine grosse Lücke, sagen Weggefährten.

Martin Vosseler setzte sich mit viel Engagement für Umweltbelange ein. (Foto: Nicole Pont)

Martin Vosseler setzte sich mit viel Engagement für Umweltbelange ein. (Foto: Nicole Pont)

Bei dem Mann, der am Mittwoch mit dem Velo ums Leben kam, handelt es sich um Martin Vosseler. Dies bestätigen mehrere Quellen gegenüber dieser Zeitung.

Vosseler kam auf seinem Velo mitten in der Stadt zu Fall. Danach sei er von einem Hinterrad des vorbeifahrenden Lastwagens erfasst worden, hiess es in der Mitteilung der Polizei. Beim Lastwagen-Chauffeur wurde ein Atemalkoholtest durchgeführt. Der Mann war nicht alkoholisiert.

Tausende von Kilometern ist der Umweltaktivist Vosseler unterwegs gewesen. Zu Fuss von Basel bis nach Jerusalem. Ebenso hat er eine Atlantiküberquerung mit dem Solarboot riskiert. In Basel war er mit einem Schrittzähler zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs und hat nicht selten 30'000 Schritte hingelegt. «Vor diesem Hintergrund macht gerade dieser Tod zutiefst perplex und traurig», sagt sein enger Weggefährte Beat von Scarpatetti.

Gründer von sechs Organisationen

Vosseler war Mitgründer von verschiedenen Umweltorganisationen wie Oekostadt Basel, Schweizer Ärzt*innen für Umweltschutz oder Sun21. Er ist er Schweizer Gründer der «ÄrztInnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges» (PSR/ IPPNW Schweiz), des Vereins Sonne Schweiz und dem Verein Transatlantic 21. Der Basler wurde unter anderem bekannt für seinen Widerstand gegen die Zollfreistrasse zwischen Weil am Rhein und Lörrach.

Der ehemalige Basler Regierungspräsident Guy Morin ist tief betroffen. Für ihn war Vosseler ein langjähriger und enger Weggefährte. «Martin Vosseler konnte mit seinem Feuer die Leute begeistern und dafür motivieren, sich für den Frieden und die Umwelt einzusetzen. Er hat auch mich begeistert.» Vosseler habe ihn in den von ihm gegründeten Schweizer Ableger der Organisation ‹Ärzte gegen Atomkrieg› geholt.

«1985 gingen wir gemeinsam nach Oslo, wo die ‹Ärzte gegen Atomkrieg› den Nobelpreis erhielten. Über ihn kam ich auch in die Politik», sagt Morin. 1988 kandidierten beide als Parteilose und wurden in den Grossen Rat gewählt. «Ich weiss nicht, ob ich ohne die Anfrage von Vosseler je in die parlamentarische Politik gegangen wäre», sagt Morin.

«Das ökospirituelle Basel ist verwaist»

Die Organisationen, die Vosseler gegründet hat oder denen er sehr nahe stand, hat der 71-Jährige nicht selten noch begleitet. Diesen 1. August auch noch die Sonnenlandgmeinde Alp Aelggi (OW). «Er hinterlässt menschlich eine grosse Lücke», sagt Petra Hirsig-Geiger, Geschäftsführerin von Sun21 in Basel. Vosseler habe als Mitglied regelmässig an ihren Anlässen teilgenommen. Von Scarpatetti würde nicht nur von einer Lücke sprechen, die Vosseler hinterlässt: «Das ökospirituelle Basel ist verwaist», sagt er.

Vertreter werden sich morgen Abend treffen, um die Abdankung vorzubereiten. Erwartet werden viele Trauergäste, so dass die Abdankungsfeier voraussichtlich im Basler Münster stattfinden könnte.

amu/se/wah

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