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Genfer Einsichten

Der Prozess gegen den guatemaltekischen Ex-Polizeichef offenbart Schreckliches.

Keine Stadt der Welt ist für den Schutz der Menschenrechte wichtiger als Genf. Sondergesandte informieren am Sitz des UNO-Menschenrechtsrats über das tägliche Morden in aller Welt, auch in Guatemala. Diesen Berichten zufolge fallen in dem zentralamerikanischen Staat jährlich gegen 6000 Menschen Gewaltverbrechen zum Opfer, für ein Zehntel sollen Funktionäre des Staates verantwortlich sein.

Doch Zahlen bilden die Realität nur bedingt ab. Mit dem Mordprozess gegen Erwin Sperisen, den Ex-Chef der guatemaltekischen Polizei mit Schweizer Pass, erhält Genf nun Anschauungsunterricht, Nachhilfe sozusagen. Die brutale Realität in Guatemala überträgt sich in den Gerichtssaal – weniger wegen der zehn Morde, die Sperisen zur Last gelegt werden, als wegen der Zeugen, die gegen ihn aussagen. Wer zu viel über Verbrechen weiss und erzählt, wird in Guatemala aus der Welt geschafft. Das wissen inzwischen auch die Genfer Richter. Tag für Tag hören sie Zeugen sagen: «Mit meiner Aussage riskiere ich mein Leben und bringe meine Familie in Gefahr.» Im Gerichtssaal sind denn auch nur Anwälte und Journalisten zugelassen.

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